Osterwieck l Der Frust bei den Rathaus-Mitarbeitern ist groß. "Das ist ein Vorführen der Verwaltung durch Kleinkriminelle", schimpfte Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko). "Da können wir doch nicht zugucken. Es betrifft ja auch viele Unternehmen."

Ihr Ärger richtete sich auch gegen die Polizei. Es handelte sich um den vierten Rathaus-Einbruch binnen eineinhalb Jahren. Bisher ist kein Täter ermittelt worden. "Es reicht jetzt." Deshalb rief sie gleich am Morgen den Harzer Polizeirevierchef Volker Stamer persönlich an.

Polizeistation in unmittelbarer Nachbarschaft

Ähnlich denken die anderen Rathausmitarbeiter. "Die Polizei ist nicht mehr präsent", sagte Ordnungsamtsleiter Rüdiger Brandt. "Die Einbrecher können sich relativ sicher sein, dass sie nicht erwischt werden."

Erst am 12. Juni hatten Einbrecher das Nebengebäude des Rathauses heimgesucht. Voriges Jahr gab es gleichfalls zwei Einbrüche. Das Rathaus befindet sich am Markt gegenüber der Polizeistation. Diese ist nicht mehr rund um die Uhr besetzt und soll im Zuge der anstehenden Polizeistrukturreform sogar ganz geschlossen werden. In dieser Woche waren Kriminelle auch in die Verwaltung der Ilsetaler Wasser-Abwasser-Anstalt in Osterwieck eingedrungen. In der Nacht zum Mittwoch stahlen sie Laptop und Bargeld.

Die Handschriften aller Einbrüche erscheinen ähnlich. Fenster und Türen werden mit roher Gewalt aufgebrochen. Im Rathaus sah es gestern vor allem auf der mittleren Etage schlimm aus. Sogar Türrahmenhölzer teils herausgebrochen, Büroschränke und Schubfächer geöffnet. Aus dem Sekretariat wurde ein kleiner Tresor u. a. mit den Autoschlüsseln der vier Dienstwagen gestohlen. Zur Erinnerung: Im Dezember 2013 war ein Dienstwagen gestohlen und dann bei Berßel in Brand gesetzt worden.

Hinreichender Tatverdacht fehlt

Auch Bargeld aus einer Geburtstagskasse nahmen die Täter mit. An einem größeren, alten Tresor scheiterten sie aber mit ihren Werkzeugen. Im Erdgeschoss brachen die Täter ins Einwohnermeldeamt und Standesamt ein. Sensible Daten wurden aber nicht gestohlen.

Kriminaltechniker sicherten am Morgen Spuren. Polizeisprecher Uwe Becker bestätigte auf Anfrage, dass es für die Einbrüche seit vergangenem Jahr noch keine hinreichende Tatverdacht gegen eine Person gebe. Seit dem Einbruch vor einer Woche ins Nebengebäude seien aber die fünf Fälle einschließlich Pkw-Diebstahl in einem Sachgebiet des Revierkriminaldienstes konzentriert worden. So würden die Ermittlungen verstärkt. Außerdem kündigte Becker weitere "polizeiliche Maßnahmen" an.

15.000 Euro Schaden

Zur Sicherung ihrer Gebäude besitzt die Stadtverwaltung übrigens keine Alarmanlage. Hauptamtsleiter Manfred Riecher berichtete, dass 2013 mit einem Berater der Polizei über Sicherungsmaßnahmen gesprochen wurde. Alle seine Vorschläge seien umgesetzt worden, indem zum Beispiel Türen verstärkt und Kellerfenster mit Gittern versehen wurden. Zu einer Alarmanlage habe es Für und Wider gegeben. Nur eine "Hightech-Alarmanlage" habe Sinn. Diese sei aber sehr teuer. "Wir müssen das tatsächlich nochmal prüfen."

Als Einbrecher im Februar 2013 im Rathaus wüteten, entstand durch deren Treiben ein Sachschaden von etwa 15.000 Euro. Auch in zahlreiche andere kommunale Gebäude wurde eingebrochen. Dieses Jahr seien es bisher zwar nicht mehr Einbrüche, aber die Schäden größer, wird im Rathaus eingeschätzt.