Sonnenklee 36 ist zurzeit eine große Fachwerkhaus-Baustelle in der Osterwiecker Altstadt. Kurz vor dem Weihnachtsfest wurde hier das Richtfest gefeiert, damit war der komplizierteste Bauabschnitt abgeschlossen.

Osterwieck. Rund ein halbes Jahr bis zum Richtfest, das sagt einiges über den Aufwand, den die Bauhandwerker im Sonnenklee 36 betreiben mussten – und weiterhin müssen.

Das 300 Jahre alte Haus, das in seiner Vergangenheit Hospiz war, stand praktisch kurz vorm Zusammenfallen. Noch im Dezember 2009 wurde das alte Ziegeldach abgenommen, um das Dach mit einer Folie provisorisch abzudichten. Eine Notsicherung. Sonst hätte es schon den vergangenen harten Winter nicht überstanden, schätzte Architekt Alois Hemmerde ein.

Dass dieses Haus überhaupt noch gerettet werden konnte, grenzt schon an ein kleines Wunder. Aus der Dachrinne des Hauses wuchs über Jahre hohes Gras. Alois Hemmerde hatte aber die Vorstellungskraft, dieses Haus zu retten, das für die Stadt auf Grund seiner Geschichte, seiner Größe und seiner Lage als einzelstehendes Haus direkt an der Stadtmauer eine große Bedeutung besitzt. Vor einigen Jahren gelang ihm mit der Mittelstraße 7 schon einmal solch ein kleines Wunder.

Augenscheinlich, so Hemmerde, bestehe das Gebäude aus zwei Teilen, die zu unterschiedlichen Zeiten gebaut wurden. Zum Sanierungsbeginn musste es umfangreich unterfangen werden. Zahlreiche Stützen sind noch an der Fassade zu sehen. Das Haus erhielt eine neue Gründung, wurde stabilisiert. Viel frisches Holz wurde eingebaut. Die instabilen alten Innenwände mussten raus, Mauern wurden dafür einzogen. Die alte Fachwerkfassade konnte aber erhalten werden.

Bis zum Frühsommer, so schätzt Alois Hemmerde, wird sich die Bauphase noch erstrecken. Die Dachdecker haben in dieser Woche ihre Arbeit aufgenommen.

Sechs Wohnungen erhält das Fachwerkhaus. Zwei befinden sich im Dachgeschoss, wofür Gauben aufs Dach kamen. Später werden für diese beiden Wohnungen noch Balkone installiert.

Die anderen vier Wohnungen werden sich jeweils über zwei Etagen erstrecken. Dass Wohnraum in der Osterwiecker Altstadt gefragt ist, hat Alois Hemmerde auch bei diesem Objekt festgestellt. "Etliche Interessenten haben sich schon gemeldet." Vergeben sei aber noch nichts. Die Wohnungen haben Flächen zwischen 45 und 80 Quadratmetern.

Direkt hinter dem Haus steht ein Abschnitt der alten Osterwiecker Stadtmauer, teilweise zusammengefallen. Alois Hemmerde berichtete, dass mit der Stadt vereinbart worden sei, im Zuge der Gebäudesanierung auch die Mauer mit zu sanieren. Dabei soll sie zur Gartenstraße hin etwas verlängert werden.

 

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