Zu einem Pressegespräch mit Lokalpolitikern und dem Landrat Martin Skiebe (parteilos) hat gestern der Verein Miteinander in den Schwanebecker Ortsteil Nienhagen eingeladen. Dabei wurde über das geplante Rechtrock-Konzert im Ort und die beiden Gegenveranstaltungen informiert.

Nienhagen l Anne Mehrer vom Verein Miteinander aus Halle moderierte das Pressegespräch im Nienhagener Gemeindehaus. Sie gab einen Überblick über die bislang in dem Ort veranstalteten Rechtsrock-Konzerte und würdigte das Engagement des Bürgerbündnisses "Nienhagen rechtsrockfrei". "In diesem Jahr sollen auch Bands aus Schweden und Italien auftreten", erklärte sie. "Die Besucher werden am Sonnabend aus dem gesamten Bundesgebiet kommen und auch aus dem Ausland. Das Konzert hat durchaus internationalen Charakter und ist das größte seiner Art in Sachsen-Anhalt." Die gespielten Titel hätten in der Vergangenheit meist nicht strafrechtlich relevante Texte beinhaltet. "Sie drückten jedoch rassistische und antisemitische Tendenzen aus", sagte sie weiter. "Die Bürgerinitiative hat mit viel Kraft und Energie deutlich gemacht, dass die Nienhagener so etwas hier nicht wollen."

Gudrun Schuster, Mitglied der Initiative, beschrieb, wie sie zum Bürgerbündnis gekommen ist. "Am Anfang standen wir den Veranstaltungen relativ hilflos gegenüber", sagte sie. "Der Film ,Blut muss fließen` hat mir jedoch die Augen geöffnet. Als dann die Sekundarschule in Schwanebeck darauf aufmerksam gemacht hat, dass sich der Umgangston bei den Schüler nach diesen Konzerten stark veränderte, haben Nienhagener beschlossen, aktiv etwas dagegen zu tun." Gudrun Schuster hat im Internet einmal die Texte der vorgetragenen Lieder nachgelesen und findet: "So etwas sollten wir von den Kindern fernhalten."

Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Ute Pesselt (Buko) griff den Gesprächsfaden auf und sagte: "Die Verwaltung ist nicht glücklich darüber, dass sich Nienhagen mittlerweile schon als Veranstaltungsort etabliert hat. Die Bürger haben durch ihre Präsenz gezeigt, dass sie die Konzerte hier nicht dulden." Allerdings müssten die Behörden die Gesetze beachten. Aus dem Gesichtspunkt der Gefahrenabwehr heraus sei man zu dem Schluss gekommen, dass das für Sonnabend in der Hopfendarre beantragte Rechtsrock-Konzert nicht zugelassen werden könne (die Volksstimme berichtete). Daher sei eine Verbotsverfügung für diesen Veranstaltungsort ausgesprochen worden.

Verbotsverfügung wird als ein Erfolg gewertet

"Der vom Veranstalter benannte Ausweichort außerhalb von Nienhagen wird derzeit noch geprüft", erläuterte Ute Pesselt weiter. "Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Heute findet dazu ein Treffen der Behörden dazu statt", so das Gemeindeoberhaupt.

Landrat Martin Skiebe sieht in dem erlassenen Verbot des Konzerts einen ersten Erfolg für Verwaltung und Bürgerinitiative. "Ein Erfolg ist es auf jeden Fall - am bisherigen Standort findet kein Konzert statt", betonte er. "Bei weiteren Entscheidungen muss ich darauf verweisen, dass sie in einem rechtssicheren Rahmen getroffen werden müssen. Das bedeutet, dass sie auch vor Gericht standhalten müssen." Nach Skiebes Worten gibt es eine enge Abstimmung mit der Stadt Schwanebeck aber auch mit den Behörden im Land.

Anne Mehrer nickte zustimmend und bezeichnete das Verbotsverfahren als "einen Meilenstein für die Gegner der Rechtsrockkonzerte". Auch Schwanebecks Bürgermeisterin Christina Brehmer (Die Linke) ist stolz auf die Bürgerinitiative im Ortsteil. "Am Anfang standen wir nur mit wenigen Einwohnern da und haben gegen die Konzerte demonstriert", erinnerte sie sich. "Das hat sich inzwischen geändert, wir werden heute von vielen Initiativen unterstützt."

Anne Mehrer hob hervor, dass auch der kürzlich vom Bund an die Initiative "Nienhagen rechtsrockfrei" vergebene Preis (die Volksstimme berichtete) dafür gesorgt habe, dass der Ort deutschlandweit bekannt geworden sei.

Am Sonnabend wollen Nienhagener und Sympathisanten von außerhalb mit zwei "bunten" Gegenveranstaltungen gegen die Rechtsrock-Konzerte protestieren und klar Flagge zeigen. Die Volksstimme hat darüber bereits mehrfach ausführlich berichtet.

In einem weiteren Gespräch mit der Volksstimme informierten der Vorsitzende der Initiative, Hans-Christian Anders und Pfarrer Christian Plötner, über die geplanten Aktionen. "Quasi zeitgleich finden zwei Veranstaltungen statt", sagte Anders. "Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) richtet Stationen im Dorf ein, die bis zu unserem Straßenfest reichen. Das Fest findet auf dem Woltersweg, dem Zugang zur Hopfendarre, statt. Von 15 bis 22 Uhr bieten wir hier unseren Besuchern ein buntes Programm an."

Pavillons und Zelte würden auf dem Weg errichtet, eine Freifläche sei für musikalische Auftritte vorgesehen. Dort sollen die Kroppenstedter Bläser und später eine Rockband aus Magdeburg spielen. "Um 18 Uhr veranstalten wir eine Andacht in der Kirche", ergänzte Pfarrer Christian Plötner. "Gegen 20.30 Uhr gibt es eine weitere Andacht unter freiem Himmel. Zum Abschluss treffen wir uns um 22 Uhr wieder in der Kirche bei der letzten geplanten Andacht."

Um 18.30 Uhr ruft der DGB zu einer Demonstration auf, die auf dem Woltersweg beginnt und durch den Ort führen soll. "Die ganze Zeit über ist für das leibliche Wohl gesorgt", versicherte Christian Anders. "Es gilt zu beachten, dass wir keine alkoholische Getränke ausschenken."

Die Initiative erwartet zahlreiche Besucher, viele Aktionsbündnisse hätten ihr Kommen zugesichert. So wurde auch bei einer kürzlich in Halberstadt erfolgten Demonstration zur Teilnahme an den Aktionen in Nienhagen aufgerufen. Auch Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat sein Erscheinen angekündigt. Er will die Proteste im Namen der Landesregierung unterstützen.