Wernigerode/Bad Harzburg (im) l Himmelsjäger, Drachenfliegen, Juwelenschwingen, Teufelsnadeln, Schillerbolde, Augenstecher: Der Volksmund kennt viele Namen für Libellen, sagt Friedhart Knolle.

Der Nationalpark-Sprecher: "Dies unterstreicht, dass die teils recht großen und auffälligen Insekten von jeher die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen haben." Libellen vermitteln zwischen den Elementen Wasser und Luft. Den Großteil ihres Lebens verbringen die Tiere als oft unscheinbare braune Larven im Gewässer. Erst kurz vor der Geschlechtsreife verlassen sie es, um fortan als geschickte Flieger den Luftraum zu erobern und eine neue Libellengeneration zu begründen. Besonders durch ihre an das Wasser gebundene Entwicklung und teils spezielle Lebensraumansprüche sind sie sensible Indikatoren für Veränderungen und damit geeignete Objekte für die langfristige Umweltbeobachtung.

Jüngst wurde in Bad Harzburg bei einem Kolloquium mit etwa 60 Interessenten Band 11 der Schriftenreihe des Nationalparks Harz vorgestellt. Das Buch präsentiert die Ergebnisse mehrjähriger Erfassungsarbeit.

Zunächst beleuchtete Prof. Dr. Frank Suhling (TU Braunschweig) die Libellenfauna im globalen und nationalen Kontext. Als Koordinator der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion ist er an der weltweiten Beurteilung der Gefährdung dieser fliegenden Edelsteine der Natur beteiligt.

Danach stellten Dr. Kathrin Baumann (Bad Harzburg) als Hauptautorin, Dr. Joachim Müller (Magdeburg) als Verfasser eines Beitrages und Wolfgang Specht (Lochtum) als Erfasser Ergebnisse vor.

Knolle: "Von den 81 in Deutschland vorkommenden Libellenarten wurden bisher 42 auch im Nationalpark nachgewiesen." 22 von diesen gelten wiederum als bodenständig. Das heißt, sie pflanzen sich im Gebiet fort. Ein Schwerpunkt der Kartierungen lag auf den Mooren, die eine spezielle und teils hochgradig gefährdete Libellenfauna aufweisen.

Mit der Alpen-Smaragdlibelle kommt hier sogar eine Art vor, die als Eiszeitrelikt gelten kann und vermutlich schon zum Arteninventar der Tundrenlandschaft im Vorfeld der Eiszeitgletscher gehörte. In den Vorträgen wurde betont, dass der Nationalpark speziell für diese an Moore gebundenen Arten ein herausragender Lebensraum von überregionaler Bedeutung ist. Aber auch für den Erhalt der an Fließgewässer gebundenen Spezies kommt dem Schutzgebiet auf Grund des großen Reichtums an Bergbächen eine besondere Verantwortung zu. Hier kann die begonnene Waldentwicklung weg von reinen Fichtenbeständen hin zu Buchen- und Laubmischwäldern einen Beitrag leisten.

Das Buch ist unter dem Titel "Die Libellen des Nationalparks Harz" erschienen und bei der Nationalparkverwaltung (Lindenallee 35, 38855 Wernigerode, Telefon 0 39 43/ 55 02-0, poststelle@nationalpark-harz.de, www.nationalpark-harz.de) erhältlich.