Güntersberge l Große Jugendtreffen im Harz. Eurocamps mit jugendlichen Gästen aus vielen Ländern, Verständigung über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Wenn es darum geht, Kindern und Jugendlichen Brücken zu bauen, um das Miteinander zu pflegen und die Völkerverständigung auszubauen, hat das Kinder-Erholungszentrum (KiEZ) in Güntersberge einen exzellenten Ruf. Die Macher des gleichnamigen Trägervereins, allen voran Geschäftsführerin Christiane Brandenburg, haben in den vergangenen Jahren eine wahre Erfolgsgeschichte geschrieben. Die Sonne, die bislang über dem KiEZ schien, könnte nun aber untergehen. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg ermittelt, wie Sprecher Frank Baumgarten bestätigt, gegen die dortigen Verantwortlichen.

Auslöser der Ermittlungen waren Anzeigen des Landesverwaltungsamtes und des Rechnungshofes. Im Fokus stehen nach Volksstimme-Informationen Mitarbeiter des KiEZ und zwei mit dem Trägerverein kooperierenden Vereine, hieß es. Zu Details wollte sich Baumgarten nicht äußern. Die Ermittlungen liefen noch, ein Abschluss sei bislang noch nicht abzusehen.

Auch Frank Düsekow, Sprecher des Landesrechnungshofes, wollte sich nicht zu Details des laufenden Verfahrens äußern. Gleichwohl bestätigte er, dass bei der Prüfung "gravierende Sachverhalte" bekannt geworden seien. Deshalb habe der Landesrechnungshof auch umgehend reagiert und die zuständigen Ministerien sowie das Landesverwaltungsamt eingeschaltet.

Allein diese Tatsache lässt die Brisanz und die Schwere der Vorwürfe erahnen. Wie Düsekow sagte, schließe der Rechnungshof im Normalfall erst seine Prüfungen ab, fertige den Abschlussbericht, räume der geprüften Einrichtung die Möglichkeit der Stellungnahme ein und entscheide erst dann über mögliche weitere Schritte. "Dass wir bereits im laufenden Verfahren Dritte einschalten, ist selten und passiert nur bei besonders gravierenden Verstößen", so Düsekow. Hier sei es auch darum gegangen, mögliche weitere Fördermittelzuwendungen an den KiEZ-Trägerverein zu verhindern.

Welche Verstöße dem KiEZ und Geschäftsführerin Brandenburg genau gemacht werden, bleibt unklar. Gerüchten zufolge sollen Listen mit Teilnehmern manipuliert worden sein. Dabei sollen Kinder "erfunden" oder älter gemacht worden sein, um mehr Fördergeld zu bekommen. Auch bei Rechnungen soll es Manipulationen geben.

Die konkreten Ermittlungen sollen - nach dem Notruf des Landesrechnungshofes - bereits seit März laufen. Aufgrund der Vielzahl von Unterlagen könnten sie noch längere Zeit dauern, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft. Die Taten sollen nach Volksstimme-Informationen bis in die Jahre 2008/2009 zurückreichen.

KiEZ-Geschäftsführerin Christiane Brandenburg wollte sich am Donnerstag nicht äußern. "Es gibt noch keinen Abschlussbericht des Rechnungshofs, ich kenne die konkreten Vorwürfe nicht. Deshalb kann ich zum ganzen Vorgang gegenwärtig nichts sagen", erklärte die Geschäftsführerin.

 

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