Mit einem Festkonzert ist an den Wiederaufbau der Ratslaube am Rathaus Halberstadt erinnert worden. 59 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Zerstörung Halberstadts gelang es, das barocke Bauwerk an das zuvor wiederaufgebaute Rathaus zu setzen.

Halberstadt l Ein Ständchen für die Ratslaube und natürlich für die Initiatoren des Wiederaufbaus - 300 Gäste sind zum halbstündigen Festkonzert gestern Vormittag auf den Holzmarkt Halberstadts gekommen. Auf den Tag genau vor zehn Jahren ist der barocke Anbau des Halberstädter Rathauses feierlich übergeben worden. Die Ratslaube ist sozusagen die Krone, die dem Stadtzentrum nach dem Wiederaufbau aufgesetzt wurde.

"Vier Jahrzehnte später wurden die Steine zu neuem Leben erweckt."

Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke)

Die Stadt habe 2004 "Gesicht und Seele wiederbekommen", zitierte Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) gestern einen der Väter des Wiederaufbaus. "Das ist vor allem den engagierten Mitgliedern der Bürgeraktion Holzmarkt-Fischmarkt e.V. zu verdanken, deren Ziel es war, das am 8. April 1945 zerstörte Stadtzentrum nach historischen Vorbild wieder aufzubauen", erinnerte Andreas Henke. In einer beispiellosen Aktion trug der Verein 314 000 Euro an Spenden zusammen. Damit gelang es, die Investsumme für den Wiederaufbau der Ratslaube in Höhe von etwa 420 000 Euro zu zwei Dritteln aus Spenden zu finanzieren. "Im In- und Ausland ist damals gespendet worden. Das war beeindruckend", betonte der Oberbürgermeister. Henke erinnerte daran, dass die Ruine des Rathauses samt Ratslaube aus dem Jahr 1663 in den 1950er Jahren auf Regierungsbeschluss abgerissen wurde. Findige Halberstädter hätten die historischen Steine der Ratslaube jedoch gerettet, nummeriert und eingelagert. "Vier Jahrzehnte später wurden die Steine zu neuem Leben erweckt", so der Oberbürgermeister.

Zur Feier des Tages hatte Prof. Günter Schwarze, Musikwissenschaftler aus Dresden, die halbstündige Glockenkomposition "aus seiner Feder" (klassische Stücke, barocke Stücke und Volkslieder) für das Meißner Glockenspiel an der Westfassade des Rathauses programmiert.

Holz- und Fischmarkt waren nach der Zerstörung Halberstadts in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs nicht wieder bebaut worden. 676 Fachwerkhäuser, das Rathaus und 25 000 Wohnungen waren vernichtet, der alte Stadtkern dem Erdboden gleichgemacht worden. Halberstadt war seines Herzens beraubt. Die friedliche Revolution im Herbst 1989 brachte die Wende - nicht nur politisch. 52 Jahre nach Kriegsende drehten sich rund um den Fischmarkt wieder die Kräne, die Stadt bekam ein neues Zentrum samt Rathaus. In Rekordzeit von nur eineinhalb Jahren war das Werk vollbracht - am 3. September 1998 wurde das neue Zentrum mit tausenden Gästen eröffnet. Die Investoren ließen sich das Vorhaben 160 Millionen Mark kosten.

   

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