Deersheim l Die alte Bauernregel hat doch ihre Berechtigung: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sichs Wetter oder es bleibt, wie es ist." Auf 137 Anschläge in einer Stunde brachte es am Sonntagmorgen der große Vorwerk-Hahn von Gabriele Langenstraß aus Dedeleben. Andere Hähne hatten ähnlich viel herauszukrähen. Indes ein Viertel der Hähne schwieg und gab gar keinen Laut von sich. Uneinigkeit also, was die Wetterprognose an diesem regnerischen Tag betraf.

"Alles reine Glückssache", meinte Friedrich-Karl Daubitz, der Wettkampfleiter und einer der erfahrensten Rassegeflügelzüchter in der Region. So wenig wie Hähne das Wetter voraussagen können, so wenig könne auch der Züchter sein Tier auf einen Wettbewerb im Hähnekrähen vorbereiten. "Obwohl, man hört ja manches ..." Aber mehr ließ er sich dann doch nicht von den geheimen Trainingsmethoden entlocken.

Karl-Heinz Langenstraß, der Dedelebener Geflügelvereinschef, war da doch etwas gesprächiger. Der Hahn komme am Wettbewerbsmorgen nicht in den Auslauf. Und am Wettkampfort werde er erst unmittelbar vor Zählbeginn in den Käfig gestellt. Sein Rezept funktionierte beim Hahn seiner Frau nicht nur in Deersheim, sondern am Vortag schon in Büddenstedt bei Helmstedt. Auch da hatte sich das Tier als größter Schreihals bewährt. Die Dedelebener haben eben Erfahrung und auf dem heimischen Rendelberg seit 1992 schon 20 solcher Veranstaltungen ausgerichtet.

Ist es überhaupt erstrebenswert, einen so häufig krähenden Hahn zu haben? Nachbarn werden das unterschiedlich bewerten. "Der Hahn verteidigt sein Revier", sieht es Friedrich-Karl Daubitz positiv. Wichtiger als das Krähen ist für ihn die Zuchtarbeit. "Nächstes Jahr brauche ich meinen Hahn nochmal für die Zucht", gab er seinem Tier eine Lebensversicherung unabhängig vom Wettbewerbsresultat ab.

Nachbarfreundlich sind auf jeden Fall die acht Null-Kräher, auch Schweiger genannt. Für einen von ihnen gab es einen Pokal. Nach Losentscheid ging dieser ebenfalls nach Dedeleben, an Heinz Hoffmann. Sein Pokalsieger-Hahn komme bald in den Suppentopf, verriet er. Aber nicht um ihn zum Schweigen zu bringen, das tat er ja bereits in Deersheim, sondern weil er einfach sein Alter erreicht habe. Hoffmann freute sich dennoch über den Pokal. "Eine schöne Erinnerung."

Spaß und Freude brachte dieser Wettbewerb, er führte die Züchter der Region außerhalb der Ausstellungssaison zusammen. Sie konnten in der Zählstunde miteinander klönen. Denn ruhig war es durch die 24 nicht schweigenden Hähne ohnehin nicht. Konzentration mussten nur die Zähler aufbieten, jeder hatte drei Tiere zu beaufsichtigen und jeden Laut per Strich zu notieren.

Vor drei Jahren hatte es solch einen Wettbewerb zuletzt in Deersheim gegeben. Wäre am Sonntag nicht auch das Harzer Landwirtschaftsfest gewesen, hätten sich noch weit mehr Züchter in der Edelhofhalle eingefunden, berichtete Daubitz. So kamen sie nur aus Deersheim, Dedeleben, Osterwieck, Silstedt und Büddenstedt.

Ein Siegerpokal blieb dann übrigens doch in Deersheim. Rainer Zander bekam ihn für seinen Zwerghahn, der es auf 127 Laute brachte. Aber das regnerische Wetter am Sonntagmorgen wusste auch er nicht zu vertreiben.

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