Halberstadt l Der Albtraum eines jeden Reisenden: Am Ende einer langen Fahrt am Zielort ankommen, die Sprache nicht beherrschen und niemand wartet vor Ort, um zu zeigen, wie man zur Unterkunft gelangt. So schildert Reinhard Beck von der Liebfrauengemeinde Halberstadt die Gefühlslage von Flüchtlinge, die in Halberstadt ankommen und zur Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) möchten.

"Bis abends halb sieben ist alles in Ordnung, dann aber schließt die Bahnhofsmission und die Anreisenden sind auf sich gestellt", erklärt Beck. Dagegen wollen mehrere Halberstädter nun etwas tun. "Wir wollen eine Art Willkommenskultur für die Ausländer schaffen", berichtet der 73-Jährige.

Dazu haben sich am Dienstag Vertreter von der ZASt, der Halberstädter Bahnhofsmission, der Caritas, dem Diakonischen Werk sowie der Liebfrauengemeinde zusammengefunden und mit interessierten Halberstädtern beraten. Erörtert wurde, inwieweit man den Flüchtlingen den Start in der neuen Umgebung erleichtern kann.

Begonnen werden soll damit, dass Freiwillige die Ankömmlinge ab 18.30 Uhr am Bahnhof in Empfang nehmen und zu den Taxis begleiten. "Die Menschen sind oft mit Gutscheinen für die Taxifahrt ausgestattet, es reicht dann schon, ihnen bei der Orientierung zu helfen", sagt Beck. Auch bei der Kommunikation mit den Taxifahrern sollen die Flüchtlinge unterstützt werden. Sobald sich zehn Freiwillige für diese Aufgabe gefunden hätten, solle es für sie dazu eine Schulung durch Mitarbeiter der ZASt geben. Dadurch soll die Kontaktaufnahme mit den Ausländern vereinfacht werden.

Da die ZASt kein Asylantenheim ist, sondern nur eine Durchgangsstation, bleiben die Flüchtlinge maximal drei Monate in Halberstadt. Daher sei kein vollständiges Integrationsprogramm für die Menschen möglich, berichtet das Mitglied des Kirchenvorstandes. Aus diesem Grund sei es besonders wichtig, den Menschen eine Starthilfe zu geben. Dazu möchten die Mitarbeiter des Diakonischen Werkes mit einem Informationsheft beitragen. Dieses soll in mehreren Sprachen verfasst werden. Darin werden Kontakte und Adressen von Behörden und Hilfsorganisationen und ein Angebotsüberblick enthalten sein, benennt Beck eine weitere konkrete Idee.

Ein weiteres Angebot des Netzwerkes sollen einmal wöchentlich stattfindende Sprachkurse für ganze Familien sein. "Wir haben bereits mit einigen pensionierten Pädagogen gesprochen", sagt Beck, "diese haben sich bereiterklärt, diese Kurse zu leiten." Für richtige Sprachkurse fehle aufgrund der Kürze des Aufenthaltes die Zeit, daher werde man sich auf die wichtigsten Vokabeln und Redewendungen beschränken.

"Unser bedeutsamstes Anliegen ist aber der Kontakt zur Bevölkerung", erklärt der Kirchenmann. Daher wolle man einmal in der Woche einen musikalischen Nachmittag mit den Asylanten im Kreuzgang der Liebfrauenkirche veranstalten. Dort sollen dann mithilfe der Musik Kontakte zu Halberstädtern entstehen und die Scheu vor den Fremden weichen.

"Wir befinden uns mit dem Projekt in der Anfangsphase", schildert Beck. Zur Verwirklichung des Vorhabens fehle es noch an Helfern. "Wir hoffen, dass sich viele Menschen bei Constantin Schnee in der Bahnhofsmission melden und uns unterstützen wollen", sagt der Diakon der Liebfrauengemeinde.