Mehrere Millionen Euro investiert die Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) in die energetische Sanierung von teils 40 Jahre alten Wohnhäusern. Die Gebäude erhalten neue Fassaden, Fahrstühle und Balkone.

Halberstadt l Grau war gestern, heute ist Farbe angesagt. Die Kreisstadt möbelt ihr Image auf. Nicht erst seit gestern, aber zunehmend mit Erfolg. Ein Gemeinschaftswerk von vielen kleinen Investoren und den großen Wohnungsanbietern wie der Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH), das Millionen verschlingt. Ergebnis: Eintönige Betonfassaden, die über Jahrzehnte das Stadtbild prägten, sind fast völlig verschwunden, der Wohnkomfort hat einen Quantensprung gemacht. Derzeit saniert die WGH das Quartier "Am Franziskanerkloster" in direkter Zentrumsnähe, so genannte Plattenbauten aus den 1980er Jahren, und die Wilhelm-Trautewein-Straße 99-103 aus den 1970er Jahren.

An beiden Standorten setzt das Unternehmen auf Stadtumbau und nicht auf Abriss. Und das lässt sich die Genossenschaft etwas kosten. Von den fast neun Millionen Euro Gesamtinvestitionen 2014 fließen zwei Drittel in die Projekte "Am Franziskanerkloster" und Wilhelm-Trautewein-Straße.

Seit Monaten wird emsig an den Häusern gebaut, die insgesamt 190 Wohnungen behergen. So erhalten die Gebäude nicht nur farbenfrohe Anstriche. Die neuen Fassaden katapultieren die Altbauten in ein neues Zeitalter. Sie bieten nach erfolgter Sanierung Energiewerte, die man sonst nur von Neubauten kennt, betont WGH-Vorstand Karl-Heinz Schönfeld auf Volksstimme-Nachfrage. Solaranlagen auf den Dächern versorgen die Wohnungen mit grüner, umweltfreundlicher und kostengünstiger Energie.

Am Franziskanerkloster sind mittlerweile die alten Balkonbatterien verschwunden. Sie weichen neuen Metallkonstruktionen. In der Trauteweinstraße ist ebenfalls mit dem Rückbau der alten Balkone begonnen worden.

Zum Konzept der konsequenten Verjüngungskur gehört, dass in den Häusern Barrieren verschwinden. Für die Wohnungsunternehmen angesichts des demographischen Wandels und eines immer größer werdenden Anteils älterer Mieter ein überlebenswichtiger Schritt. Ermöglicht wird dies unter anderem durch den Einbau von Fahrstühlen. Die Wohnanlage im Stadtzentrum erhält elf Lifte, das Haus in der Trautewein-Straße fünf. Karl-Heinz Schönfeld: "In Kombination mit neuen Personenaufzügen und geänderten Wohnungsgrundrissen beantworten wir Zukunftsfragen wie bezahlbare Nebenkosten und weniger Barrieren." Vor 13 Jahren habe man bei Null angefangen. Mittlerweile seien 41 Fahrstuhlanlagen installiert. Bis 2017 sollen es weit über 100 Lifte sein.

Die Genossenschaft habe in den vergangenen Jahren viel Know-how im Umbau von in die Jahre gekommenen Plattenbauten gesammelt, um diese fit für die Zukunft zu machen, betont der WGH-Vorstand. Beispiele dafür, dass Altbauten nicht aufs Abstellgleis gehören, sondern die Stadt bereichern, sind unter anderem in der Georgen- und Kornstraße zu finden, verweist Schönfeld. Dort hätten sich nicht nur die Kosten für Heizung und Warmwasser für die Mieter halbiert. Auch Leerstand sei kein Thema mehr.