Quantensprung bei Deutschlands längster dampfbetriebener Schmalspurbahn: Mit der Inbetriebnahme eines satellitengestützten Positionssystems hat bei der Dampfbahn nun das Zeitalter der digitalen Fahrgastinformation begonnen.

Wernigerode l Das graue Fahrkärtchen aus Pappe, das Verkäufer einst mit Hilfe von gewaltigen Druckmaschinen für die jeweilige Bahnfahrt angefertigt haben, ist Geschichte. Jedenfalls fast. Bei den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) kommen Nostalgiker nur noch in den Dampfläden auf ihre Kosten und an jene historisch anmutenden Karten. In den Zügen selbst hat das digitale Zeitalter seit Montag einen großen Schritt nach vorn gemacht. Dank MST, CAR-PC und DFI sollen sich Komfort und Service für die Fahrgäste verbessern.

Hinter den Abkürzungen verbergen sich moderne Technikkomponenten. Mit deren Hilfe können die Positionen der Züge via Satellit verfolgt und die Abfahrtszeiten an den Bahnhöfen und Haltepunkten auf die Minute genau aktualisiert werden. Überdies hat die HSB im Verbund mit diesem System ihre Zugbegleiter mit neuen Fahrschein-Verkaufsgeräten - Mobilen Service-Terminals (MST) - ausgestattet.

Am Montag wurde zur Inbetriebnahme der gut 70 MST sowie dem Start der Testphase des Dynamischen Fahrgast-Informationssystems (DFI) Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) in Wernigerode begrüßt. Webel übernahm nicht nur die Rolle des Zugbegleiters und schickte die betagte Dampfbahn ins digitale Zeitalter, sondern hatte obendrein Fördermittel im Gepäck. Das Land unterstützt die rund 488 000 Euro teure Anschaffung der neuen MST sowie die Installation der nötigen satellitengestützten Computertechnik in den Zügen (CAR-PC) mit rund 341 000 Euro.

Beide Komponenten seien gewissermaßen die Fundamente, um in den kommenden Monaten schrittweise das dynamische Informationssystem für die Fahrgäste zu installieren, erklärte HSB-Sprecher Dirk Bahnsen. "Im Moment befinden wir uns noch in einer Testphase, um das Basissystem an die Besonderheiten der HSB anzupassen. Unser Ziel ist es, ab Herbst schrittweise alle 48 Haltepunkte und Bahnhöfe mit DFI auszustatten", kündigte der HSB-Sprecher an. Mit der kompletten Inbetriebnahme aller drei Komponenten bekommen die Fahrgäste der Schmalspurbahn einen Service, der heute bei vielen Bus- und Straßenbahnlinien in größeren Städten bereits Standard ist: Nutzer werden an den Stationen minutengenau über die Abfahrt und etwaige Verspätungen der nächsten Züge informiert.

Während die HSB die mobilen Verkaufsgeräte und die zugehörigen Computer für insgesamt rund 488 000 Euro anschafft, sollen die DFI-Endgeräte von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa) gemietet werden. Die Harzer Schmalspurbahnen sind nach eigenen Angaben die erste dampfbetriebene Eisenbahn, die Fahrzeit-Daten in Echtzeit erfassen und bereitstellen.

 

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