Metallgerüste versperren zurzeit den Blick vom Altar zur Orgelempore. In der Martinikirche bestimmen Bauleute das Bild. Bis Oktober sind sie mit Arbeiten an Decken und Wänden des Langhauses beschäftigt.

Halberstadt l Die Martinikirche im Herzen Halberstadts ist Wahrzeichen des Bürgerstolzes. Mit ihrem Bau zeigten Halberstadts Bürger Selbstbewusstsein gegenüber den Bischöfen, die mit dem mächtigen Dom das Stadtbild bestimmten. Mit der Wende wurde die Kirche mit den ungleichen Türmen wieder zum Symbol von Bürgerstolz, hier begannen die Wende-Demonstrationen. Und nach der Wende wurde Martini zum Symbol der Heimatverbundenheit - Dank tausender Spender konnte das Dach gesichert und neu gedeckt werden, die Sanierung der Außenhülle beginnen.

Gut 20 Jahre später zeigt sich das Äußere der Kirche in Ordnung. Im Innenraum hingegen ist noch viel zu tun. "Nach dem Krieg stand die Kirche zehn Jahre lang ohne Dach, es regnete ungehindert ins Innere bis Walter Bolze das Dach wieder aufbaute", sagt Volker Lind. Der Statiker und Dombaumeister begleitet die Sanierung der Martinikirche und ist stolz auf das bisher Erreichte. "Aber es ist noch sehr viel zu tun", sagt Lind.

Umso mehr freut es ihn, dass es nun mit der Innensanierung losgeht. Im Langhaus und den Seitenschiffen der gotischen Hallenkirche werden bis Oktober Deckengewölbe und Wände in Ordnung gebracht. Das heißt, der lose Putz wird befestigt beziehungsweise ersetzt und gestrichen, die Sandsteine werden gereinigt.

Den Bauleuten der Quedlinburger Werkstätten für Denkmalschutz steht während der Arbeiten ein Restaurator zur Seite. Von unten sind an den Kapitellen der Mittelsäulen Farbreste zu erkennen. Ob es mehr davon gibt und in welchem Zustand diese Reste der ursprünglichen Ausmalung sind, kann der Restaurator erst beurteilen, wenn er auf den von der Firma Böttcher errichteten Gerüsten steht und dicht dran ist an den steinernen Zeitzeugen.

"Grenze für diese Arbeiten ist die Vierung, also da, wo der Altar steht", sagt Lind. Die Querhäuser, Vierung und Chor der Stadtkirche werden in späteren Abschnitten saniert. Wenn es denn Geld dafür gibt.

Für den ersten Bauabschnitt sind rund 120 000 Euro veranschlagt. "Den Großteil davon decken Mittel der Stadt. Seit Jahren schon waren für Martini Sanierungsmittel in Höhe von 45 000 Euro auf Eis gelegt worden, die kommen nun endlich zum Einsatz", berichtet Lind. Dazu kommen 30 000 Euro, die die Lotto-Toto-Gesellschaft des Landes zuschießt. "Den großen Rest finanzieren Kirchengemeinde und Kirchenkreis", sagt Lind, "weshalb wir uns über jede Spende freuen."

Die Arbeitsgruppe Martini im Kuratorium Stadtkultur Halberstadt hat sich auch deshalb dem Spendensammeln für Martini verschrieben. Bereits nach der Wende war die Aktion "Wir helfen Martini - das ist Halberstadt" erfolgreich. Die Neuauflage der Aktion jedoch läuft schleppend, berichten Pfarrer Ulrich Schäffner und Kuratoriumsschatzmeister Karl-Heinz Melzer unisono. "Die Spendenaktion für die Martinikirche, genauer gesagt für deren Innenraumsanierung, ist bislang leider nur auf eine geringe Resonanz gestoßen", berichtet Ulrich Schäffner und Karl-Heinz Melzer ergänzt: "Zwar haben Unternehmen wie die HA2-Medizintechnik, das Ameos-Krankenhaus, die Harzsparkasse und einige Einzelpersonen inzwischen doch über 6000 Euro gespendet. Aber der Spendenaufruf ging an über 60 Halberstädter Firmen, von denen leider nur vier reagiert haben."

Die beiden Kuratoriumsmitglieder weisen darauf hin, dass die Innenraumsanierung eine Voraussetzung für ein anderes ehrgeiziges Vorhaben in Halberstadts Bürgerkirche ist: die Rekonstruktion der David-Beck-Orgel. Der hat sich der international besetzte Verein "Organum Gruningense Redivivum" verschrieben.

Mehr Infos finden Spender im Internet unter www.kuratoriumstadtkultur.de.