Die Leiterin der Grundschule Bühne geht in den Ruhestand. In 40 Jahren hat sie viel erlebt: Unterrichten in der Sperrzone, den politischen Umbruch und die aktuellen Schulschließungsdebatten.

Bühne/Hoppenstedt l Über 40 Jahre im aktiven Schuldienst, davon mehr als die Hälfte als Schulleiterin - Annegret Bollmann kann auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken. Die Leiterin der Grundschule Bühne ist am Freitag mit einer Feier in den Ruhestand verabschiedet worden.

Urlaub am Plauer See ist das Erste, das sich Annegret Bollmann für die Zeit nach dem Beruf vorgenommen hat, und im September geht es ans Mittelmeer. "Ich konnte noch nie im September verreisen", sagt sie. Als Lehrerin war sie über 40 Jahre an die Schulferien gebunden. Mit "gemischten Gefühlen" gehe sie nun in den Ruhestand. Einerseits freut sie sich darauf, auch mal nach 6 Uhr morgens noch im Bett bleiben zu dürfen, andererseits wird sie die Schule vermissen.

Bühne und die Polytechnische Oberschule, an der Annegret Bollmann unterrichtete, lagen vor der Grenzöffnung aufgrund der Nähe zu Niedersachsen im Sperrgebiet. Die Lehrkräfte, die außerhalb dieser Zone wohnten, konnten nur mit einem Passierschein zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Auch Annegret Bollmann war als Osterwieckerin davon betroffen.

Die politische Wende war für Annegret Bollmann gleichzeitig eine berufliche. Komplett habe sich der Unterricht damals geändert. "Man konnte gar nicht so schnell denken, wie es neue Erlasse gab", berichtet sie. Doch mit den neuen Vorschriften und Lehrplänen kam für Annegret Bollmann auch der berufliche Sprung. 1991 wurde sie Schulleiterin. "Ich war die einzige, die nicht in der SED war", sagt sie. Da habe man sie gefragt und schließlich überzeugt.

"Wenn die Schule schließt, stirbt das Dorf."

Annegret Bollmann

Annegret Bollmanns Nachfolgerin Angelika Rüstenberg wird mit neuen Umbrüchen konfrontiert sein. Die Zukunft der Grundschule in Bühne ist ungewiss. Die vorgeschriebene Mindestschülerzahl von 80 stellt den Ort vor eine Herausforderung. "Ein paar Jahre wird die Schule wohl noch geöffnet bleiben", sagt die ehemalige Schulleiterin. Doch dann werde es eng, in Bühne und Umgebung gebe es langfristig zu wenig Kinder, um die geforderten Mindestschülerzahlen zu erfüllen. Ein Teufelskreis, findet Annegret Bollmann, denn wenn die Grundschule fehlt, gehen die jungen Familien. "Die Grundschule ist der kulturelle Mittelpunkt im Ort. Wenn die Schule schließt, stirbt das Dorf", sagt sie.

Birgit Kayser, Referentin für Grundschulen im Landesschulamt, spricht das Thema Schulschließung in ihrer Dankesrede für die scheidende Schulleiterin an. Ab 2018 seien die Aussichten für die Grundschule "nicht so rosig." Ab diesem Jahr gilt die Mindestzahl von 80 Schülern als verbindlich.