Ein trauriger Tag für Langenstein. Zum Start in die Sommerferien schließt die Grundschule "Hans-Neupert" ihre Pforten. Nicht nur für sechs Wochen, sondern für immer. Viele Langensteiner kommen zum Abschiedskonzert der Schüler.

Langenstein l Vor diesem Tag haben sich viele Langensteiner gefürchtet: Die Grundschule schließt. Fast 300 Jahre Schul-Tradition enden abrupt. Trotz Sonnenschein und Ferienbeginn, gute Laune kommt am gestrigen Freitagvormittag nicht auf. Tränen fließen reichlich, bei Jung und bei Alt.

Unvorbereitet hat das die Langensteiner allerdings nicht getroffen. Bereits im vergangenen Jahr sind keine Abc-Schützen mehr in Langenstein eingeschult worden, sondern in der Grundschule Ströbeck. Dem ging ein Kampf des örtlichen Schulfördervereins und vieler engagierter Bürger um den Erhalt des Grundschulstandortes voraus. Letztendlich konnte die Einrichtung die vom Land Sachsen-Anhalt vorgebenen Kriterien zum Weiterbetrieb der Schule nicht erfüllen. Laut Schulgesetz müssen derzeit mindestens 60 Schüler eine Grundschule besuchen. Die Zahl steigt sogar noch auf 80.

"Ich habe extra für diesen Tag ein schwarzes Sakko angezogen, obwohl es sommerlich warm ist. Es ist ein trauriger Tag für Langenstein."

Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU)

Um Punkt 10 Uhr beginnt der letzte Akt in der Geschichte der Grundschule "Hans Neupert" in Langenstein. Die verbliebenen 27 Mädchen und Jungen, Lehrer und pädagogische Mitarbeiter haben zum Abschied alle Langensteiner eingeladen. Viele erscheinen. Von 3 bis weit über 70 reicht das Altsspektrum derjenigen, die diesen historischen Moment miterleben möchten. Die jüngsten Gäste werden die Vorzüge der Schule direkt vor Ort nie kennenlernen, die anderen einen die schönen Erinnerungen vom eigenen Besuch der Schule und die Trauer um deren Schließung.

Es ist ein emotionsgeladener Moment, als die Schüler zum Abschied singen. Volker Heinold, Leiter der Grundschule Ströbeck und seit dreieinhalb Jahren auch für Langenstein verantwortlich, findet passende Worte. "Ich bin traurig, dass die Schule schließt. Wir waren damals in Ströbeck auch geschockt, als die Sekundarschule geschlossen wurde." Wenn der erste Schmerz überwunden ist, muss man nach neuen Wegen suchen, damit sich die Jugend und der Ort nicht zu weit von einander entfernen, appelliert Volker Heinold. "Ich hoffe, dass sich in Langenstein auch ohne eigene Grundschule künftig junge Familien ansiedeln. Sonst wäre es um die Zukunft des Dorfes schlecht bestellt", sagt der Schulleiter.

"Ich habe extra für diesen Tag ein schwarzes Sakko angezogen, obwohl es sommerlich warm ist. Es ist ein trauriger Tag für Langenstein", betont Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU). Der erst am Dienstagabend zum neuen Ortsbürgermeister gewählte Langensteiner hat sich als ersten öffentlichen Auftritt auch einen schöneren Anlass gewünscht, unterstreicht er. Jürgen Meenken bedankt sich bei allen, "die über Jahre um den Erhalt des Schulstandortes gekämpft haben". Unter anderem der Schulförderverein und viele Eltern. "Leider müssen wir heute die Segel streichen", bedauert der Ortsbürgermeister.

Ortschronist Siegfried Schwalbe hat anlässlich des Abschieds eine kleine Ausstellung am Schulgebäude aufgebaut, die die Schulgeschichte in Langenstein aufzeigt. "Quellen besagen, dass wir auf 250 bis 300 Jahre Schulgeschichte zurückblicken können", berichtet Siegfried Schwalbe. "In guten Zeiten hätte es über 200 Schüler im Ort gegeben, die, man höre und staune, von einem Lehrer unterrichtet wurden", so der Chronist.

Was passiert jetzt mit dem verwaisten Schulgebäude? Nachdem erst vor einigen Jahren mehrere Hunderttausend Euro in die Sanierung geflossen sind, soll die Kindertagesstätte dort einziehen.

 

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