Halberstadt l Katastrophal ist der Zustand der alten Stadtmauer im Bereich Plantage/Westendorf. Wie ein Kartenhaus wäre das historische Bauwerk, das unter Denkmalschutz steht, fast eingestürzt. Eine aufmerksame Anwohnerin hat die Alarmglocke geschlagen. Jetzt wird das Denkmal aufwendig saniert.

"Der Efeu hat die Stadtmauer fast gesprengt." - Jörg Wolansky, Stadtverwaltung Halberstadt

800Jahre hat der Rest der einst imposanten Befestigungsanlage fast unversehrt überstanden. Im Dezember 2013 wäre dieser fast verloren gewesen. "Eine Anwohnerin des Westendorfes hatte beobachtet, dass sich ein Gesteinsbrocken aus der sechs Meter hohen Mauer gelöst hatte und die Stadtverwaltung informiert", berichtet Jörg Wolansky aus dem Halberstädter Rathaus. Daraufhin habe man die Mauer genauer unter die Lupe genommen.

Jörg Wolansky: "Uns hat sich ein erschreckendes Bild geboten. Efeu hat das Bauwerk völlig zerstört." Im Laufe von Jahrzehnten ist unbemerkt aus einer kleinen Pflanze am Fuß der Stadtmauer ein Riesengewächs geworden. Dieses hat die Mauer völlig durchdrungen und dann von innen auseinandergedrückt. "Der Efeu hat die Stadtmauer fast gesprengt", beschreibt Baufachmann Jörg Wolansky die dramatische Lage.

"Die Einsturzgefahr ist einfach zu groß gewesen." - Jörg Wolansky

Um das Schlimmste, den Einsturz der Stadtmauer, zu vermeiden, ist umgehend eine Notsicherung erfolgt (Volksstimme berichtete). Ein Stützgerüst ist errichtet worden. In den zurückliegenden Monaten hat die Stadtverwaltung nach Geldgebern für die dringend notwendige Sanierung gesucht und gefunden. 140 000 Euro stehen für die Arbeiten zur Verfügung. 112 000 Euro stellen der Bund und das Land Sachsen-Anhalt bereit, Halberstadt ist mit einem Eigenanteil in Höhe von 28 000 Euro dabei.

20 Baufirmen haben sich an der Ausschreibung der anstehenden Sanierung beteiligt. Den Zuschlag haben die Fachleute von den Werkstätten für Denkmalpflege in Quedlinburg erhalten.

Die Sanierung des Denkmals hat vor Kurzem begonnen. Um diesem zusätzlich Stabilität zu verleihen, ist auf der Westendorf-Seite ein weiteres hölzernes Stützgerüst errichtet worden. "Die Einsturzgefahr ist einfach zu groß gewesen", berichtet Jörg Wolansky. Ein Großteil des Mauerwerks muss komplett abgetragen und wieder neu aufgebaut werden.

Bei den Arbeiten sind die Fachleute auf zwei interessante Fund gestoßen. Auf der Mauerkrone ist ein alter Wehrgang ans Tageslicht befördert worden. Generationen von Wachleuten haben die Steine ausgetreten. Außerdem ist man auf einen alten Grabstein gestoßen, der in der Mauer verbaut ist. Wann, ist allerdings unklar. Dafür gibt es keine Quelle, sagt Jörg Wolansky. Der Stein stammt auf jeden Fall aus dem Jahr 1838, verkündet das immer noch gut lesbare Todesjahr des Verstorbenen.

Das Sanierungsvorhaben soll spätestens Mitte Oktober beendet sein.

   

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