Die Medingschanze in Halberstadt, ein Nachbau des Grabensystems an den Fronten des Ersten Weltkrieges, ist zum Baudenkmal erklärt worden. Die Anlage ist bundesweit einzigartig. Nur in Schottland ist vor zwei Jahren ein ähnlicher Bau wieder entdeckt worden.

Halberstadt l Einzigartig ist die Medingschanze in den Halberstädter Bergen im Süden der Kreisstadt. Das 1916 erbaute Grabensystem ist errichtet worden, um Regimenter für den Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg auszubilden. Sie war aber auch Schauobjekt für die Halberstädter. Mittlerweile ist die Medingschanze bundesweit die einzig noch erhaltene Anlage ihrer Art. "Die Harzer Kreisverwaltung hat sie am 18.Juli zum Baudenkmal erklärt", informiert Roswitha Hutfilz, Mitglied des Vereins Halberstädter Berge, auf Nachfrage der Volksstimme.

"Vielleicht ist dieses Verschwinden die Rettung für die Medingschanze gewesen."

Roswitha Hutfilz vom Verein Halberstädter Berge

"Wir haben uns über den Bescheid der Kreisverwaltung gefreut", sagt Roswitha Hutfilz. Damit wird das Engagement des Vereins zum Erhalt der Medingschanze anerkannt. Die Vereinsmitglieder waren es, die die in Vergessenheit geratene Medingschanze wiederentdeckt und in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt haben. Das Grabensystem hat praktisch über viele Jahrzehnte einen Dornröschenschlaf gehalten.

"Und das ist wortwörtlich zu nehmen", bestätigt Roswitha Hutfilz. Gestrüpp und Bäume haben die Anlage vollständig bedeckt. "Vielleicht ist dieses Verschwinden die Rettung für die Medingschanze gewesen", vermutet Roswitha Hutfilz. So habe sie auch 40Jahre DDR unbeschadet überstanden. Die Gräben sind heute noch gut zu erkennen, samt der Unterstände, Minenwerferstellungen und Latrinen.

Die Mitglieder des Vereins Halberstädter Berge haben im April 2013 während einer Frühjahrsputzaktion damit begonnen, das gut erhaltene Grabensystem vom Grün zu befreien. Schnell war klar, dass das Freilegen des mehrere Hektar umfassenden Areals die Kräfte und Möglichkeiten des Vereins überschreitet. Mit der kreiseigenen KoBa Harz hat man einen Verbündeten gefunden. Mittlerweile seien zwei Drittel der Medingschanze freigelegt. Am 1.August soll ein weiteres Projekt starten, bei dem Gänge gesäubert, ein Unterstand nachgebaut und Informationstafeln für Besucher aufgebaut werden.

Spätestens bis zum Tag des offenen Denkmals am 14.September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann will der Verein Halberstädter Berge das Baudenkmal einem breiten Publikum präsentieren. "Darsteller in Militäruniformen des Ersten Weltkrieges sind zu sehen. Aber auch Zivilisten in historischen Kleidern der Zeit in Picknick-Szenen", berichtet Roswitha Hutfilz. Der Verein will den Besuchern einen Blick in die Zeit bieten, als die Medingschanze erbaut wurde. Ein militaristisches Spektakel soll es nicht sein, stellt Roswitha Hutfilz klar. Aber es gehört zur Geschichte des Denkmals, dass dort Soldaten des Halberstädter Infanterie-Regiments für die blutigen Stellungskämpfe ausgebildet wurden. Auf der anderen Seite haben Halberstädter, deren Angehörige an den Fronten kämpften und starben, dort Spaziergänge unternommen und Picknicks veranstaltet.

Mit der Einstufung als Denkmal verbinden die Vereinsmitglieder große Hoffnungen, Fördermitteltöpfe zur Finanzierung der noch ausstehenden Arbeiten erschließen zu können. "Der Oberbürgermeister unterstützt uns ebenfalls", sagt Roswitha Hutfilz erfreut. Großes Ziel ist, die Medingschanze spätestens 2018 zum 100.Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges vollständig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

"Es gibt noch einen zweiten interessanten Aspekt", erzählt Roswitha Hutfilz. Vor zwei Jahren ist in Schottland eine ähnliche Grabenanlage wiederentdeckt worden. Die Soldaten des schottischen Regiments, die dort ausgebildet wurden, kämpften 1916 nachweislich in der Schlacht an der Somme in Frankreich gegen die Soldaten des Halberstädter Regiments. Das schottische Regiment existiert immer noch. Anlässlich 100Jahre Schlacht an der Somme will der Verein Halberstädter Berge 2016 ein Zeichen der Versöhnung und des Friedens setzen. Der Plan: "Vertreter der Bundeswehr und des schottischen Regiments sollen sich an der Medingschanze die Hände reichen", informiert Roswitha Hutfilz.

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