Berlin (dpa) l Die Sorge von Ligapräsident Reinhard Rauball vor einem "Flickenteppich" im deutschen Fußball beim brisanten Sicherheitsthema ist unbegründet. Bremens Politiker sind mit ihrem Vorstoß zur Bezahlung von Polizeieinsätzen bei Risikospielen durch die Bundesliga-Clubs isoliert.

Am Tag nach dem viel diskutierten Vorstoß von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer bekam der SPD-Politiker keinerlei Unterstützung aus anderen Bundesländern. Auch nicht von Parteifreunden aus Hamburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Der Protest aus dem Profi-Fußball hält an und wird auch vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) unterstützt. "Ich sehe es auch als Angriff auf den gesamten Sport", kritisierte Präsident Alfons Hörmann.

Die Ankündigung von Rauball, gegen das Bremer Vorhaben rechtlich vorgehen zu wollen, wird vom DOSB uneingeschränkt unterstützt. "Es ist korrekt, klare Kante zu zeigen", sagte Hörmann. Ligapräsident Rauball hatte zuor seine Sorge ausgedrückt, der Bremer Beschluss werde eine uneinheitliche Regelung in Deutschland hervorrufen. "Es droht demnach ein Flickenteppich - und das kann niemand wollen", sagte der Präsident von Borussia Dortmund.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann positionierte sich am deutlichsten gegen den Bremer Plan. "Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt die originäre Zuständigkeit beim Staat und damit bei der Polizei", erklärte der CSU-Politiker in München. "Wenn HSV-Fans am Marienplatz randalieren, kann man nicht den FC Bayern dafür verantwortlich machen", betonte Herrmann. Der Beitrag der Vereine müsse sein, Gewalttäter auf Dauer von Fußballspielen auszuschließen und gegen Pyrotechnik einzuschreiten.

Bremen will den Fußball für Polizeieinsätze bei Risikospielen in der Bundesliga in der neuen Saison zur Kasse bitten. Nach Ansicht Herrmanns wie praktisch aller seiner Amtskollegen sind die Veranstalter von Fußballspielen oder anderer Großveranstaltungen "generell in den eigenen Räumen und eigenen Veranstaltungsorten für den geordneten Ablauf selbst zuständig". Sie müssten für eine ausreichende Anzahl an Ordnern sorgen - mehr aber auch nicht.

"Unser Ziel ist es, die Einsatzzeiten der Polizei beim Fußball auf Dauer zu reduzieren. Dabei setzen wir auf den Schulterschluss mit DFB, DFL, den Vereinen und den friedlichen Fans", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger. "Nur gemeinsam kann es uns gelingen, Chaoten und Gewalttäter aus den Stadien herauszuhalten. Wir haben in Deutschland eine einmalige Fußballkultur. Wir haben moderne Stadien, Stehplätze und eine Superstimmung. Mir ist es wichtig, dieses wunderbare Fußballerlebnis zu erhalten", fügte der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz an.

DOSB-Präsident Hörmann bezeichnete das Vorgehen Bremens als "sportpolitische Geisterbahnfahrt, die dem Großen und Ganzen nur schadet". Es werde dadurch an den Grundfesten der Aufgaben für die öffentliche Sicherheit und des Gewaltmonopols des Staates gerüttelt. "An öffentliche Sicherheit darf kein Preisschild gehängt werden!" Meinung