Die jüdische Gemeinde von Halberstadt ist einst eine der bedeutendsten Deutschlands gewesen. Schüler aus Schwanebeck haben sich zu den Schauplätzen jüdischen Lebens in der Domstadt führen lassen.

Schwanebeck/Halberstadt l Der letzte Unterrichtstag vor der Zeugnisausgabe ist für die Schüler der Klasse 9a der Petri-Sekundarschule in Schwanebeck spannend gewesen. "Geschichte vor der Haustür" stand auf dem Stundenplan. Dafür fuhren die Jugendlichen nach Halberstadt. Ziel war die Moses-Mendelssohn-Akademie, wo die Schüler Facetten des einstigen jüdischen Lebens in der Stadt recherchieren wollten.

Jutta Dick, die Direktorin der Moses-Mendelssohn-Akademie, führte Schüler sowie die Lehrerinnen Birgit Richter und Anke Rathsack zu Orten des Halberstädter Judentums. Die Domstadt zählte einst zu den bedeutendsten jüdischen Zentren Mitteleuropas, bis die jüdische Gemeinde während der Nazi-Diktatur faktisch ausgelöscht wurde.

Der Weg führte die Schüler zur ehemaligen jüdischen Schule, den "Steinen der Erinnerung", zum jüdischen Friedhof, zur Klaus-Synagoge und zum Behrend-Lehmann-Museum. Das Besondere an dieser "Lehrstunde" war die Kombination von historischen und gegenwärtigen Fakten, die Jutta Dick in ihren Ausführungen deutlich machte.

Neue Facetten konnten die Jugendlichen im Museumscafé Hirsch kennenlernen: Wenn im Café auch nicht koscher gekocht wird, so konnten die Schüler dennoch einige Spezialitäten der jüdischen Küche kosten. An reich gedeckten Tischen mit Fisch, Obst, Gemüse, Eiern, Frischkäse und Fladenbrot sowie Honig und dem jüdischen Apfelkuchen ließ es sich die Klasse 9a schmecken.

Mit Wissbegier, Offenheit und Freundlichkeit haben sie sich einen Einblick in die Vielfalt der jüdischen Lebenswelt verschafft und aus eigener Anschauung etwas Grundlegendes erfahren: Jüdische Geschichte und jüdisches Leben sind nichts "Exotisches", sondern Bestandteil der deutschen Geschichte, die von ihnen als Handelnde mitgestaltet wurde.