Osterwieck l Von Hause aus sind sie überwiegend Opel-Fans, die Osterwiecker "Eisbären", wie sich die etwa 25-köpfige Gruppe nennt, die regelmäßig Autotreffen besucht. Voriges Jahr machte sie mit einem selbstorganisierten Opel-Treffen auf dem Anger auf sich aufmerksam. Jetzt wollten sie noch mehr Auto-"Narren" nach Osterwieck locken - mit einem markenunabhängigen Tag für getunte Mobile. "Die Rivalität Opel gegen VW gibt es doch kaum noch", sagte Robert Wüstemann von den "Eisbären". Und so freute er sich besonders, dass viele Volkswagen-Fahrer nach Osterwieck kamen. Denn am selben Tag fand in Göttingen ein großes VW-Treffen statt.

Doch bevor am Sonntag schon in aller Frühe die ersten Autos anrollten, mussten die Veranstalter noch einen Schock verdauen. Am Vorabend warnte sie die Feuerwehr vor Hochwasser aus der Ilse, eine Katastrophe konnte aber verhindert werden (Volksstimme berichtete). "Wir haben noch am Abend über Facebook geschrieben, dass die Anreise über Schauen nicht möglich ist. Das hat funktioniert", erzählte Wüstemann. Dabei hätte jedes "normale" Auto auch über Berßel weiterfahren können. "Die Straße ist für unsere Fahrzeuge aber nicht die beste", warf Wüstemann ein und dachte dabei an die vielen tiefergelegten Pkw. Bekannter Spitzenwert: eine Bodenfreiheit von vier Zentimetern.

Buntes und Schrilles fürs Auge


Die Osterwiecker "Eisbären" haben auf ihren Ausflügen zu Fahrzeugtreffen kräftig die Werbetrommel gerührt. Von der tschechischen Grenze kamen Piloten schmucker Kisten nach Osterwieck, aus dem Raum Berlin, aus Hanau bei Frankfurt, sehr viele aus der Altmark sowie Harz und Heide.

Auf der Schau war für jeden, der sich an schönen und ausgefallenen Autos erfreuen kann, etwas dabei. Ronny Müller aus Timmenrode stellte seinen bronzefarbenen Opel Astra G Coupe, Baujahr 2000, nicht zum ersten Mal neben die Astras zweier Opelfreunde aus dem Bördekreis. Grün der eine Nachbar, Pink der andere.

In Müllers Astra ist auch wirklich alles im Farbton des Außenlacks gehalten, selbst der Motor. Außerdem der Dachkoffer und ein Fahrrad auf dem Dachgepäckträger. Und trotzdem ist dieses Schmuckstück kein Ausstellungsfahrzeug, sondern wird im Alltag genutzt. "Ich fahre damit auch zur Arbeit."

Richtig bunt ist der Golf II von Steven Adel aus Salzwedel. Jedes Karosserieblech in einer anderen Farbe. Und in der Hutablage Blumentöpfe und pinkfarbene Gießkanne. "Die sind aber angeschraubt." Selbst die Trinkdose in der Halterung am Cockpit passt zum Bunten. Adel besitzt den Wagen erst seit Kurzem. "Es ist mein siebter Golf II." Binnen zwei Jahren. "Ich habe Lust auf etwas Neues." Im Herbst wird er sich wohl auch von diesem "Harlekin", wie mal ein ähnliches Polo-Modell hieß, wieder trennen.

Übrigens ist ein getuntes Autos nicht gleichzusetzen mit motorfrisiertem. Der bunte Salzwedeler Golf hat wirklich nur 55 Pferdestärken unter der Haube und wird in vier Gängen vorangetrieben.

Viele Pokale in mehreren Kategorien hatten die "Eisbären" ausgeschrieben. Und der eine oder andere Teilnehmer liebäugelte schon damit, eine Trophäe mit nach Hause nehmen zu können. Wie die Gruppe vom Verein "VW Sceene Elsteraue". Gefühlt mindestens ein Kofferraum muss mit Putzmitteln gefüllt gewesen sein, um hier vor der Besichtigung durch die Jury mit mehr als Wasser und Lappen die letzten Staubkörnchen der Herfahrt vom Lack zu wischen.

Ein alter Käfer kam übrigens ebenfalls aus der Elsteraue im Raum Merseburg mit. "Wir fahren immer in Kolonne. Wenn der Käfer dabei ist, aber nur mit Tempo 80", berichtete Vereins-Vizepräsident Tobias Friedrich.

Mit einem Pokal liebäugelte auch Markus Licht aus dem Landkreis Gifhorn. Aber nicht für das schönste Auto. Denn sein Golf ist im wahrsten Sinne des Wortes einen Rostlaube. "Ich hoffe auf den Rattenpokal."

Und Licht erzählte seine Geschichte vom ursprünglich grünen Golf III, Baujahr 1995, den er vor fünf Jahren erwarb. Drei Jahre fuhr er diesen, doch dann machte der Motor Probleme. Und Markus Licht kam auf die Idee, den Lack abzuschleifen und den Golf ungeschützt monatelang der Witterung auszusetzen. Danach wurde die nun rostfarbene Karosse geölt, die Motorprobleme ließen sich auch beheben. Und seit diesem Jahr ist der Golf mit seinen witzigen Accessoires einschließlich unterm Auto liegendem Mechaniker auf Ausstellungen ein echter Hingucker.

Was man auch vom Opel Calibra von Matthias Grabe aus Mühlhausen sagen kann. Die besonderen Werte sind vor allem vom Kofferraum aus zu sehen. Eine Soundanlage, mit der man wohl ein Stadion beschallen könnte. "Mir geht es aber vor allem um die Optik", berichtete der Thüringer. Den Wagen hatte er übernommen und dann das Design vom Vorbesitzer weiter vervollkommnet.

Gerade manch Opel-Fahrer war auch schon im vergangenen Jahr in Osterwieck. So wie Sören Schröder aus Samswegen. Er wollte seinen grünen Opel Corsa aber nicht wie im Vorjahr zeigen. Statt der weißen Streifen auf dem Grün präsentierte er seinen ganzen Stolz nun mit weißen Karos auf dem Lack. "Für mich schließt sich damit ein Kreis", sagte er. "Es ist ein schönes Treffen hier mit lauter netten Menschen. Eine runde Sache, es macht richtig Spaß."

 

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