Eine sportliche Tradition feiert am 3. Februar in Halberstadt ihren 50. Geburtstag: das Turnier der Tausend. Im Vorfeld der Veranstaltung stellt die Halberstädter Volksstimme Beteiligte aus Gegenwart und Vergangenheit vor. Heute: Sebastian Wienecke.

Halberstadt. Was haben Senfdressing mit Kirschtomaten, Lammkraftbrühe, Waldfruchtparfait oder Perlhuhnbrust an Artischockengemüse – alle samt kulinarische Köstlichkeiten, bei denen einem schon beim Aufzählen das Wasser im Mund zusammenläuft – mit dem Turnier der Tausend und Fußball zu tun?

"Ich sagte zu und bin dem Turnier bis heute treu geblieben."

Eine ganze Menge, wenn man hinter die Kulissen schaut. Sebastian Wienecke lernt, diese und andere Köstlichkeiten im Parkhotel Unter den Linden in Halberstadt auf den Tisch der Gäste zu zaubern. Vor drei Jahren begann er im besten Haus am Platz eine Lehre als Koch. In seiner Freizeit steht der Azubi jedoch nicht in der Küche, sondern flitzt meist auf den Fußballplätzen oder in den Sporthallen der Region dem runden Leder hinterher. Oder besser gesagt, er hat ein wachsames Auge darauf, dass die 22 Akteure auf dem Spielfeld das regelkonform tun. Sebastian Wienecke engagiert sich als Schiedsrichter. In seinem Alter, er zählt man gerade 18 Lenze, eher ungewöhnlich. Und so ist der Halberstädter zumindest in der Harzregion einer der Jüngsten seiner Zunft.

Bis vor einigen Jahren spielte er noch selbst Fußball, bei Germania Halberstadt. Dann entdeckte er die Liebe für den Job des wichtigsten Mannes auf dem Feld, des Schiedsrichters. "Am 23. November 2007 stand ich das erste Mal als Schiedsrichter auf dem Platz", kann er sich noch ganz genau erinnern. Ein Jahr später pfiff er sein erstes Spiel beim Turnier der Tausend in der Kreisstadt. "Heinz Lüddecke hatte mich gefragt. Ich sagte zu und bin dem Turnier bis heute treu geblieben."

Sebastian Wienecke hat Spaß und freut sich schon auf das diesjährige Jubiläumsturnier, bei dem er mit zwei weiteren Schiedsrichtern die Spiele pfeifen wird. Dieses Turnier habe eine besondere Atmosphäre. Und weil er für diesen, seinen Sport brennt, nimmt der Halberstädter für die Zeit des Halberstädter Traditionsturniers extra Urlaub. "Das habe ich in den vergangenen drei Jahren immer so gemacht. Mein Arbeitgeber hat mich dabei jeder Zeit unterstützt. Übrigens macht er das auch, wenn es um Punktspiele an den Wochenenden geht, wo Köche ja nicht immer frei haben, sondern für die Gäste des Hotels da sein müssen."

"Anfangs, als ich gerade 16 war, gab es kleine Probleme."

Auch wenn Sebastian Wienecke erst 18 Jahre alt ist, Autoritätsprobleme auf dem Platz, wo es auch schon mal ruppig zugehen kann, kennt er mittlerweile nicht mehr. "Anfangs, als ich gerade 16 war, gab es kleine Probleme. Da haben mich einige nicht für voll genommen. Haben in mir ein Kind aber nicht den Schiedsrichter gesehen, nach dessen Pfeife sie spielen müssen", erinnert er sich. Das ist aber lange her. Mittlerweile pfeift Wienecke sogar in der Harzoberliga und ist als Assistent in der Landesklasse im Einsatz. Seit 2007 hat er bereits bei etwa 170 Punktspielen gepfiffen, Freundschaftsspiele nicht mitgezählt.

Der Halberstädter möchte die Karriereleiter als Schiedsrichter weiter hoch klettern. Dafür absolviert er jedes Jahr wichtige Lehrgänge, schwitzt bei Sporttests, bei denen er seine Fitness unter Beweis stellen muss, und absolviert Prüfungen, die sein Regelwissen fordern. In diesem Jahr hat Sebastian Wienecke noch eine weitere wichtige Prüfung zu absolvieren: Die, mit der er seine Berufsausbildung als Koch erfolgreich beenden will.