Die Welterbestadt Quedlinburg hofft, beim neuen Investitionsprogramm des Bundes für Unesco-Städte zu punkten. Nach den Worten von Oberbürgermeister Eberhard Brecht bereitet Berlin gerade Details des Programms vor. Der SPD-Politiker sieht in seiner Stadt noch reichlich Sanierungsbedarf.

Quedlinburg l Der Schlossberg, der Marktplatz samt historischem Gebäudebestand in der Innenstadt, das historische Archiv und der Münzenberg - die Unesco-Welterbestadt Quedlinburg ist reich an Aushängeschildern mit dem Markenzeichen einmalig. Zahlreiche einzigartige Stätten, die den Reiz der Stadt ausmachen, sind in den vergangenen Jahren saniert worden. Dabei nutzte die Kommune unter anderem Mittel aus dem so genannten Tiefensee-Programm - benannt nach dem früheren Bundesminister für Bau- und Stadtentwicklung und Ostbeauftragten der Bundesregierung, Wolfgang Tiefensee (SPD). Nun hofft der Quedlinburger Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) auf einen weiteren Schluck aus der "Fördermittelpulle". "Der Bund plant im nächsten Haushalt ein spezielles Förderprogramm für Unesco-Welterbestätten", so Brecht am Dienstag vor der Presse.

Eine Offerte, bei der Brecht erklärtermaßen punkten will. Schließlich gebe es ungeachtet aller Fortschritte beim Erhalt der historischen Bausubstanz in Quedlinburg noch reichlich Sanierungsbedarf in der früheren Kreisstadt.

30 Millionen Euro für die Unesco-Stätten reserviert

Nach Brechts Worten will der Bund in den nächsten Jahren rund 700 Millionen Euro für die Städtebausanierung bereitstellen. "Aus diesem Topf sollen 50 Millionen Euro für national bedeutende Bundesprojekte reserviert werden", so OB Brecht zur Volksstimme. Von diesen 50 Millionen Euro würden zumindest 2014 und 2015 wiederum etwa 30 Millionen Euro ausschließlich für die Unesco-Welterbestätten fließen.

Klingt gut, wird aber beim Blick auf die Rahmenbedingungen ein gutes Stück relativiert: Allein in Deutschland könnten neben Quedlinburg 38 weitere Welterbestätten und Denkmäler um diese Mittel buhlen. In Sachsen-Anhalt wären die Luthergedenkstätten, das Bauhaus Dessau und das Gartenreich Dessau-Wörlitz potenzielle Mitbewerber.

Und damit nicht genug: Die Welterbestadt im Harz hat nicht nur einmalige bauliche Aushängeschilder, sondern auch reichlich Schulden. Das könnte - betrachtet man die allgemeinen Finanzierungsregeln für dieses Bundesprogramm - hinderlich sein. Im Normalfall, bestätigt Brecht, gelte zwischen Bund und Unesco-Stätte eine Aufteilung von zwei zu einem Drittel. Weil jedoch mehr und mehr Kommunen selbst zur 33-prozentigen Eigenfinanzierung nicht mehr in der Lage sind, soll es für derartige Problemkommunen eine 90- zu Zehn-Prozent-Finanzierung geben. "Und wir streben an, diese Quote Hand in Hand mit Ministerien auf Bundes- und Landesebene noch weiter zu reduzieren", signalisiert Brecht.

Jurymitglieder entscheiden über Vergabe der Mittel

Gleichwohl sieht der Sozialdemokrat mit Blick auf das Programm kein klassisches Windhundrennen. "Es geht nicht darum, wer zuerst auf der Matte steht, sondern um Qualität, denn die letzte Entscheidung hat eine Jury", so Eberhard Brecht zur Volksstimme. Letztlich gebe es aber einen klaren Termin: Bis zum 30. September muss Quedlinburg seine Bewerbung fachlich unterlegt auf den Weg gebracht haben.

Deshalb dränge die Zeit durchaus. Brecht will Ende August den Stadtrat entscheiden lassen, ob und mit welchen Schwerpunkten sich die Welterbestadt beteiligt. Brecht selbst sieht fünf Kernpunkte: Erstens die Fortsetzung der Stützmauersanierung am Schlossberg. Zweitens die Weiterentwicklung des zentralen Stadtarchivs in einem früheren Kasernengebäude. Drittens die Unterstützung privater Bauherren bei der Sanierung städtebaulich bedeutsamer Häuser in der Innenstadt. Viertens die Entwicklung einer gemeinsamen Präsentation von Stadt und Kirche im Bereich der Stiftskirche auf dem Schlossberg. Und schließlich - fünftens - der Bau eines zentralen Informationspunktes für Besucher der Unesco-Welterbestadt.

Nach Brechts Worten hat der Bund das spezielle Programm für die Unesco-Stätten zunächst auf die Jahre 2014 und 2015 angelegt. Für die Verwendung der bereitgestellten Mittel gelte dann eine fünfjährige Laufzeit. "Wenn wir Glück haben und uns zum Jahresende über einen Förderbescheid freuen können, hätten wir fünf Jahre Zeit, um das Projekt umzusetzen", sagt Brecht.