Reinstarsen für die Mikroelektronik ist in der Welt nach der Krise wieder gefragt. Die Reinstmetalle Osterwieck GmbH steigert ihre Produktion weiter. Etwa ein Viertel der Weltproduktion kommt aus Osterwieck.

Osterwieck. "Wir rechnen damit, dass wir dieses Jahr 38 bis 40 Tonnen herstellen", sagte Betriebsleiter Dr. Ulrich Kammer. Und er geht danach noch von weiterem Wachstum aus. Die genehmigte Kapazität liegt bei 56 Tonnen.

Die Reinstmetalle Osterwieck ist eine Tochterfirma der Langelsheimer PPM Pure Metals GmbH. Beide Betriebe gehören zum deutsch-französischen Recylex-Konzern. Auch in Langelsheim wird Arsen produziert, hier ist die volle Kapazität von 50 Tonnen im Jahr bereits wieder erreicht.

Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. Die Krise traf den Arsenproduzenten hart. Von Februar bis Juni 2009 waren die Öfen in Osterwieck ganz aus. "Wir sind wieder auf gutem Weg", stellte Kammer fest. Seit November laufen 14 der 16 Öfen in Osterwieck. Es gab Neueinstellungen. 18 Arbeiter sind hier im Industriegebiet tätig.

Dass der Markt boomt, ist vor allem der steigenden Nachfrage nach Smartphones, Tablet-Computern und Leuchtdioden zu verdanken. Sie benötigen Galliumarsenid, das zum Beispiel im sächsischen Freiberg aus dem Osterwiecker Reinstarsen hergestellt wird. Die Produkte aus der Ilsestadt gehen aber ebenso zur Weiterverarbeitung nach Tschechien, Übersee und Asien.

Neben Osterwieck und Langelsheim gibt es nur noch einen großen Wettbewerber weltweit, berichtete Ulrich Kammer. Dieser sitzt in Japan. China habe kleinere Fabriken, die aber die hohe Qualität nicht erreichen würden. Maßstab sind so genannte 7N, also eine Reinheit des Arsens von 99,99999 Prozent. In dieser Reinheit ist das Arsen metallisch.

Erzeugt wird das Reinstarsen aus pulvrigem Arsentrioxid und Chlorwasserstoffgas. 24 Stunden dauert der Produktionsvorgang für eine Charge, bis das metallische Arsen sozusagen geerntet werden kann. Das Produkt muss anschließend in Gläser verpackt werden, ohne dass es mit Luft in Berührung kommt. Gereinigter Stickstoff im Glas erhält die Reinheit des Metalls beim Transport.

"Produktion bereitet zu unserer großen Freude sehr wenig Sorgen."

Der Bau dieser Fabrik durch die eigens gegründete Astron AG hatte wegen der giftigen Ausgangsstoffe von 2000 an für mehrere Jahre zu heftigen Protesten in Osterwieck geführt. Nachdem Astron pleite war, übernahm PPM im Jahr 2007 die Produktionsanlage und gründete die Reinstmetalle Osterwieck.

Der Volkszorn ist längst verebbt. Ulrich Kammer sieht auch keinen Anlass zum Protest. Die Produktion "bereitet zu unserer großen Freude sehr wenig Sorgen". Regelmäßig seien das Landesverwaltungsamt und die Gewerbeaufsicht zu Kontrollen vor Ort.

Die Abwasser-Behandlungsanlage werde man jetzt modernisieren. Anfängliche häufige Fehlalarme für die Feuerwehr seien deutlich weniger geworden. Was das Gefahrenpotenzial bei Transporten auf der Straße betrifft, erklärte Kammer, dass alle sieben bis acht Wochen ein Lkw Arsentrioxid anliefere. Häufiger werde Wasserstoff angeliefert – einmal pro Woche. Das fertige Reinstarsen werde nach der Gefahrgut-Verordnung für Lufttransporte, als nach höchsten Anforderungen, transportiert.

Eine Ablösung des Galliumarsenids durch andere Materialien sieht der Betriebsleiter in naher Zukunft noch nicht. Angesichts der immer häufiger eingesetzten drahtlosen Kommunikationstechnik werde das Reinstarsen wohl noch für längere Zeit benötigt. Und falls es eines Tages anders kommen sollte: "Das Gebäude eignet sich auch für andere Sachen, die wir herstellen."