Die neue Brücke in der Straße Im Gange in Harsleben ist mittlerweile fast fertig gestellt. Vor Kurzem sorgte ein starker Regen dafür, dass der Goldbach über die Ufer trat und ein benachbartes Grundstück überschwemmt wurde. Jetzt haben die Anwohner große Bedenken, dass bei der zu erwartenden Frühjahrsflut alle Anwesen unter Wasser stehen.

Harsleben l Der Neubau der Brücke in der Straße Im Gange war absolut notwendig - darüber sind sich alle Seiten einig. Vor Kurzem hat ein Starkregen den Goldbach allerdings über seine Ufer treten lassen. Das neue Bauwerk funktionierte mit einem Mal wie eine Staumauer. Das Wasser floss auf das Grundstück der Familie Bruchmann, überschwemmte es und drückte durch die Hauswand in die Stube. Gleichzeitig bahnte es sich seinen Weg über die Straße.

Zum Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme haben sich einige Anwohner eingefunden und machen ihrer Sorge Luft. Anna-Maria Bruchmann und ihre Tochter Silke Nickstein führen über ihr Grundstück. In der Wohnstube zeigen sie auf ein Loch im Boden. "Bis hier drin stand das Wasser", erläutert die Tochter. "In Sekundenschnelle haben wir einen Damm aus Tüchern errichtetet und so das Mobiliar gerettet."

Die Feuerwehr rückte an, um den Anwohnern zu helfen. "Der Wasserstand war jedoch zu niedrig, somit konnten wir keine Pumpen einsetzen", berichtet Ortswehrleiter Jürgen Kamm. "Der Vorfall wurde jedoch von uns dokumentiert und an das Bauamt der Verbandsgemeinde weitergereicht."

Die Anwohner stehen neben der neuen Brücke und alle beobachten den Goldbach und sein schnell dahin fließendes Wasser. "Nicht, dass wir uns falsch verstehen, wir alle begrüßen den Neubau", stellt Andreas Thoms fest. "Allerdings ist die Brücke jetzt etwa 20 Zentimeter tiefer angelegt." Zum Beweis misst er mit einem Zollstock nach. Ortswehrleiter Kamm teilt mit: "Bei der Frühjahrsflut steigt der Goldbach gewöhnlich um 20 bis 30 Zentimeter. Das sind Erfahrungswerte."

Anwohner fordern Baustopp und Vor-Ort-Termin

Die besorgten Bürger bestätigen das. Thoms weist auf eine benachbarte Holzbrücke hin und meint: "Diese Konstruktion liegt um etwa 20 Zentimeter höher als das neue Bauwerk." Er nimmt wieder den Zollstock in die Hand und beweist seine Vermutung. Danach fährt er fort: "Hier ist Handlungsbedarf nötig. Der Bau muss gestoppt werden. Es sollte eine Besichtigung durch die Verantwortlichen und entsprechende Fachleute erfolgen."

Wieder nicken die versammelten Harslebener. Unter ihnen sind auch Anwohner vom Rückebruch. Liselotte Jerosch stellt fest: "Die Brücke ist zu niedrig. Sie sorgt bei Hochwasser für einen Rückstau. Dann sind nicht nur hier die Bürger betroffen. Auch wir bekommen es mit den Wassermassen zu tun."

Das Thema ist dem Leiter des Bau- und Ordnungsamtes der Verbandstgemeinde Vorharz, Harald Brockelt, bekannt. "Wir haben die Bilder von der Überschwemmung gesichtet", sagt er. "Es ist festzustellen, dass die Brücke nach den geltenden Vorschriften in Sachsen-Anhalt errichtet wurde. Es wurde ein hunderjähriger Durchschnitt über das Regenwasseraufkommen beim Bau berücksichtigt." Sogenannte Zwangspunkte seien bei dem Projekt berücksichtig worden. Eine Erhöhung des Bauwerks hätte Konflikte mit den benachbarten Grundstückseignern verursacht. "Ich verstehe, dass die Leute mit der Situation nicht glücklich sind, wir sind es ebenfalls nicht", stellt er klar.

Bürgermeister Holger Bauermeister (CDU) hat die Brücke ebenfalls schon in Augenschein genommen. "Die Anwohner haben mich auf den Fall aufmerksam gemacht", berichtet er. "Ich hatte zunächst überlegt, das Thema auf der nächsten Gemeinderatssitzung anzusprechen, die ist aber erst am 8. September." Der lange Zeitraum sei nicht akzeptabel. Daher werde es in der nächsten Woche ein Treffen geben, an dem auch Vertreter der Kreisverwaltung Harz teilnehmen sollen. "Wir müssen jetzt darüber reden, wie wir den Bürgern helfen können", fährt Bauermeister fort. "Da sehe ich aber nicht allein die Gemeinde Harsleben in der Verantwortung." In den letzten 25 Jahren seien über 50 Prozent der Flächen, die an den Goldbach angrenzen, versiegelt worden. "Das beginnt in Blankenburg und in Langenstein", sagt der Bürgermeister. "So etwas gehört auch in die Berechnungen, wenn man eine Brücke baut. Wir dürfen das in Harsleben in wahrsten Sinne des Wortes ausbaden."

   

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