Halberstadt l Es kracht auf der Harzstraße. Ein Auffahrunfall mit drei Autos vor der Zufahrt zu einer Tankstelle in Halberstadt. Ein vermeintlich alltägliches Ereignis, das kaum jemanden interessiert, außer die Beteiligten und diejenigen, die jetzt wegen der Straßensperrung im Stau stehen. Straßensperrung? Stau? Wegen eines Auffahrunfalls?

Die Einsatzkräfte der Polizei sperren die Unfallstelle weiträumig ab. Auch zwei der beteiligten Fahrzeuge werden in sicherer Entfernung zum dritten abgestellt. "Seien Sie vorsichtig, das Fahrzeug dort hat einen Gasantrieb", erklärt der Einsatzleiter. Ein Löschzug der Feuerwehr ist ebenfalls am Unfallort.

Bodo Fuckert, Hauptbrandmeister bei der Feuerwache in Halberstadt, erklärt den Einsatz der Feuerwehr in solchen Situationen: "Es gibt ein taktisches Grundvorgehen, wenn die Leitstelle uns zu einem Einsatz mit ausströmendem Gas schickt." Die Unfallstelle wird in einem Bereich von 50 Metern abgesperrt. "Diese kann je nach Situation auch auf 150 bis 200 Meter erweitert werden", erklärt der Feuerwehrmann. Um die Explosionsgefahr zu reduzieren, werden bei den Fahrzeugen Motor und Elektrik abgeschaltet. Zeitgleich werden Personen, so weit nötig, aus dem Gefahrenbereich evakuiert, berichtet Fuckert.

"Es ist vollkommen egal, ob es sich dabei um einen Unfall mit Gasautos handelt oder um einen Einsatz in einem Gebäude. Wir haben ein festgeschriebenes Vorgehen", sagt der Hauptbrandmeister. Polizeihauptkommissar Uwe Becker, Sprecher des Polizeireviers Harz, sieht im Umgang mit Gasfahrzeugen besondere Vorsicht geboten: "Das ist zwar alles Routine, aber wir sehen ja nur die äußerlichen Schäden." Man wisse nie, was im Inneren des Autos beschädigt worden sei, ergänzt er. Daher sei in solchen Fällen immer besondere Sorgfalt geboten. Dennoch will Becker die Vorsicht nicht als Panikmache verstehen: "Wenn der Tank unbeschädigt ist, dann ist es vollkommen unproblematisch", schränkt er Risiken ein.

Unfälle mit gasbetriebenen Autos, bei denen Explosionsgefahr bestand, sind auch dem Kfz-Sachverständigen Joachim Töpel nicht bekannt. "Ich habe noch von keinem Unfall gehört, bei dem ein Gasauto explodiert ist", sagt der für die Dekra arbeitende Fachmann. Auch aus seiner Sicht gebe es kein höheres Risiko als bei Otto- oder Dieselmotoren. Er schränkte aber ebenso wie Becker ein, dass es bei einem Heckaufprall eine leicht erhöhte Gefahr geben könne, da in vielen Fällen der Gastank dort befestigt sei.

Trotzdem sei das Risiko sehr gering, da es zwischen den Verbundstücken viele Ventile gebe, die ein unkontrolliertes Austreten des Gases verhindern würden. Im Schadensfall arbeiten diese so, dass durch die Ventile der Druck im Tank durch kontrolliertes Ablassen des Treibstoffs he-rabgesetzt wird, oder der Tank abgesperrt wird. Des Weiteren habe ein Gastank eine stärkere Wandung als einer bei einem Fahrzeug mit herkömmlichem Verbrennungsmotor, erläutert der Sachverständige.

Die größten Risiken im Zusammenhang mit Gasautos sieht Töpel an anderer Stelle: "Am gefährlichsten ist der Tankprozess, wenn da etwas undicht ist, kann es zu einer Verpuffung kommen", erklärt der Fachmann.

Auch eine elektrostatische Aufladung könne in dieser Situation gefährlich werden, sagt er. Dies sei aber auch bei Fahrzeugen mit erdölbasierten Antrieben so, erklärt Töpel weiter. Aus diesem Grund sei zum Beispiel das Telefonieren mit Funktelefonen beim Tanken verboten.