Die Osterwiecker Feuerwehr hatte im vergangenen Jahr viel zu tun. 30 Mal rückten die Männer und Frauen aus. 33 Einsatzkräfte zählt die Wehr. Doch Leiter Jens Mönnekemayer erklärte am Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung: "Die Einsätze müssen mit immer weniger Personal abgedeckt werden."

Osterwieck. "Wir werden immer weniger", sagte Mönnekemayer. Auf dem Papier ist die Personaldecke eigentlich gar nicht mal so dünn. Doch schon der Blick in den lückenhaft besetzten Versammlungsraum machte deutlich, dass Schichtarbeit und andere Gründe zu Einschränkungen führen. Im Durchschnitt waren bei den Einsätzen des Vorjahres zwölf Einsatzkräfte dabei, wertete Jens Mönnekemayer aus. Allerdings gab es da noch ein weiteres Personal-Problem mit der Zentralen Einsatzleitstelle beim Landkreis. Mitunter wurden bei Alarmierungen offenbar nur die digitalen Empfänger ausgelöst. Die Hälfte der Einsatzkräfte hat aber noch die alten Geräte. "Und wir wundern uns, dass die Hälfte der Kameraden nicht kommt."

"Das Verständnis in der Jugend für die Mitarbeit in der Feuerwehr ist sehr zurückhaltend", erklärte der Wehrleiter. "Ein Problem, dessen Lösung nicht leicht sein wird. In den Dörfern, denke ich, ist es etwas einfacher, an die Leute heranzukommen als in der Stadt." Ein Nachteil sei es auch, keine Sekundarschule mehr vor Ort zu haben. Hoffnung auf Nachwuchs gibt es vor allem durch die Jugendfeuerwehr. Diese hat jetzt 14 Mitglieder, wie Jugendwart Holger Ebert berichtete.

"Wir benötigen für die vielseitigen Aufgaben Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung", appellierte Jens Mönnekemayer auf der Versammlung wie jedes Jahr. "Das Fachwissen jedes Einzelnen ist bei uns gefragt."

Was die Ausbildung betrifft, haben die Feuerwehrleute ihre Pflicht erfüllt. 24 Dienstabende und drei operativ taktische Studien wurden geleistet. Letzteres sind Besichtigungen von Firmen mit gewissem Gefahrenpotenzial. Hier wurden die Firmen Alstab, Galvanotec und Reinstmetalle inspiziert.

13 Einsätze des vergangenen Jahres betrafen Brände. Sieben Mal wurde die Wehr zu Verkehrsunfällen gerufen. Dabei musste sie einen Toten bergen und konnte einen Verletzten retten.

"Wir benötigen für die vielseitigen Aufgaben Bürger aus allen Schichten der Bevölkerung."

Vier Mal wurden die Kameraden nachts aus den Betten geholt. Der Monat mit den meisten Einsätzen war der Juli. Einzig im Dezember blieb es ruhig. Der längste Einsatz dauerte fünfeinhalb Stunden, als im Juli Öl in die Ilse gelaufen war.

Auf der Weiterbildung wurde im vergangenen Jahr weiteres Augenmerk gelegt. Jan Heinicke und Michael Schneider belegten einen Lehrgang an der Feuerwehrschule Heyrothsberge, am Bildungszentrum Jugendfeuerwehr waren Holger Ebert, Michael Patzak und Michael Schneider. Benedikt Ebert und Domenik Heerwagen begannen die Truppmann-Ausbildung.

Zwei Beförderungen gab es dieses Jahr. Stefanie Nerlich hat nun den Dienstgrad Feuerwehrfrau und Michael Patzak Löschmeister.

Ein Thema musste diesmal nicht mehr angesprochen werden: Die Fassade des Feuerwehrgerätehauses wurde im vergangenen Jahr saniert. Für eine andere Dauer-Sorge deutete Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ eine Lösung an. Die Feuerwehr hat nur zwei PKW-Einstellplätze am Gerätehaus. Bei Einsätzen geht mit der Parkplatzsuche wertvolle Zeit verloren. Die Bürgermeisterin berichtete, dass der Umweltausschuss über das Fällen einer altersschwachen Kastanie beraten wird. Stimmt er zu, könnten sieben Parkplätze für Einsatzkräfte eingerichtet werden.

Ortsbürgermeister Ulrich Simons erinnerte daran, dass er immer bemüht war, im Haushalt der Stadt die Wünsche der Feuerwehr zu erfüllen. "Es ist die einzige Institution, in der eine Pflichtaufgabe der Kommune durch Ehrenamtliche erfüllt wird", betonte er. Seit der Gründung der Einheitsgemeinde sei das jedoch schwerer. "2010 war noch Schonzeit in der Einheitsgemeinde, jetzt fängt der Ernst des Lebens an", sagte er mit Blick auf den defizitären Haushaltsplan. "Wir werden uns um jeden Euro streiten müssen."

Der Feuerwehr in Osterwieck fehlen aktuell Chemieschutzanzüge. Die letzten vier Exemplare, auch schon 16 Jahre alt, waren vergangenes Jahr nach einer Überprüfung ausgemustert worden.

Stadtwehrleiter Frank Kenzig schätzte auf der Versammlung ein, dass man bei der Feuerwehrttechnik im Stadtgebiet gut vorangekommen sei. Dardesheim bekomme in den nächsten Tagen ein neues Fahrzeug für die Kreisfeuerwehrbereitschaft, finanziert über den Bund. "Es gibt aber auch noch museumsreife Fahrzeuge."