Mit dem sprichwörtlich großen Bahnhof hat die Halberstädter Arbeitsagentur gestern ihr modernes Berufs-Informations-Zentrum wieder eröffnet. Neben einem solchen Angebot in Wuppertal gilt das Halberstädter nun bundesweit als Pilotprojekt für die Berufsorientierung. Informationen gibt es übrigens nicht nur für Jugendliche, weil mittlerweile 60 Prozent aller Besucher Erwachsene sind.

Halberstadt. Birgitta Wolff "füttert" schnell den Computer. Nicht wie gewünscht in Halberstadt, aber immerhin in Quedlinburg könnte die CDU-Kultusministerin ab kommendem Montag als Bürokauffrau arbeiten, wenn auch nur in einer Leiharbeitsfirma.

Diese interaktive Führung durch das neugestaltete Berufs-Informations-Zentrum gehörte zum gestrigen offiziellen Eröffnungstag; ab heute kann jedermann diesen neugestalteten Bereich nutzen.

"Der Dschungel an Informationen ist leichter zu überblicken", diesen Anspruch formulierte Raimund Becker, er gehört dem Vorstand der Bundesagentur an. Seit 1984 biete seine Behörde diesen Service an, inhaltlich habe sich seither am Konzept nur wenig geändert. Mit "BIZ 2010" solle sich das kräftig ändern – mit Hilfe von drei Versuchsprojekten.

Während das in Kassel aus Kostengründen gestoppt werden musste, laufe jenes in Wuppertal seit einem Jahr, und seit gestern auch das Halberstädter. Intuitiv – so Becker – sollen die Besucher jene Informationen finden, die für sie wichtig sind. Galt bisher: "Hier gibt es Mappen, Bücher und Computer – nun finde Dich zurecht", gelte ab sofort, "unser Kunde soll mit Hilfe moderner Medien sofort die richtigen und wichtigen Informationen finden".

Becker listete auf, dass diese in vier Kategorien gegliedert sind: Arbeit/Beruf, Ausbildung/Studium, Ausland und Bewerbung – "das ist ganz neu und ganz wichtig". Das alles in drei "Serviceebenen, darunter versteht der Agenturvorstand das selbständige Informieren, die Assistenz durch die Arbeitsagentur und das "Selbststudium" vor Ort im Berufs-Informations-Zentrum.

Tag: Gute Entscheidung für die Harzregion

Nach einigen Wochen des Halberstädter "Probe"-Betriebs, so kündigte Raimund Becker an, wolle man die Besucher befragen. Deren Eindrücke, kombiniert mit den Erfahrungen der Kollegen vor Ort sollen in ein Konzept münden, das dann bundesweit in den Arbeitsagenturen umgesetzt werden soll.

Halberstadts Agenturchef Joachim Tag zeigte sich am Montag erfreut, dass in seinem Haus das neue Zentrum eingerichtet wurde. Diese Entscheidung der Nürnberger Zentrale stärke die Region, zudem sei sie eine richtige, schätzte er ein. Tag zufolge spüre man im Harzkreis bereits kräftig die Folgen der Bevölkerungsentwicklung – am Lehrlings- und Fachkräftemangel. Insofern hoffe er auf viele Besucher und gute Beratungen "im modernsten Berufs-Informations-Zentrum Deutschlands."

Lobende Worte wählte ebenso Landrat Michael Ermrich, beispielsweise als er das gute Miteinander seiner Verwaltung und der Agentur im Ausbildungsbeirat hervorhob. Zugleich appellierte der CDU-Politiker an die Wirtschaft, Angebote wie jenes des Dualen Studiums an der Hochschule Harz zu nutzen, um rechtzeitig gut ausgebildete Fachleute an die eigenen Firmen zu binden.

Kultusministerin Birgitta Wolff stellte fest, große, auch finanziell große Anstrengungen in die Bildung lohnten sich auch wirtschaftlich, weil das Land gut ausgebildete Fachkräfte dringend benötige.

Die CDU-Politikerin dankte der Agentur für das neue Zentrum mit den Worten: "Wir alle wissen, die Berufswahl ist eine der wichtigsten, zugleich eine der schwierigsten Entscheidungen. Es ist gut, wenn dabei eine so professionelle Unterstützung geboten wird."