Die ersten Zillyer sind auf den Geschmack gekommen. Yvonne Schärfe hat für sie an vier Tagen das Mittagessen gekocht. Ein neues Projekt aus der Ideenschmiede der örtlichen Bürgerinitiative.

Zilly l Yvonne Schärfe strahlt. "Es hat Spaß gemacht. Ich freue mich über das positive Feedback." Gerade sind die fast 20 Einwohner vom Ferienkind bis zu den Senioren vom gemeinsamen Mittagstisch aufgestanden. Mediterrane Gemüsepfanne gab es. Dass es geschmeckt hat, haben der Köchin viele persönlich gesagt.

Der Mittagstisch steht in einem Raum der Kindertagesstätte. Und auch das Essen kommt von dort und trotz des mediterranen Geschmacks nicht vom Mittelmeer. "Bio" würde an der Gemüsetheke angeschlagen stehen. Auf dem Gelände der Zillyer Kita gibt es mehrere Beete, "grünes Klassenzimmer" genannt. Dazu Obstbäume, sogar ein kleines Hühnergehege. Die Kinder kümmern sich auch mit darum. "Tomate, Zucchini, Kartoffeln, Petersilie und anderes habe ich heute morgen dort geerntet", erklärt Yvonne Schärfe. Frischer und ökologischer geht es nicht.

Gut 20 Jahre ist es her, dass im Kindergarten keine Köchin arbeitet, schätzt Detlef Schönfeld. Er war damals Bürgermeister und ist heute Vorsitzender des Wasserburg-Fördervereins, der zugleich Träger des neuen Projekts ist. Das soll bis Mitte nächsten Jahres laufen. "Lokales Kapital" heißt das Förderprogramm, das eine 100-prozentige Finanzierung durch europäische Mittel, über das Land ausgereicht, ermöglicht.

"Es ist wichtig, dass wir das Projekt zusammen mit der Kita machen", erklärt Marc Heyer, Sprecher der Bürgerinitiative. Diese hatte sich vor zweieinhalb Jahren gegründet, weil die Stadt die Kita perspektivisch aufgeben wollte. Seitdem gab es eine Unmenge Ideen - nicht nur auf dem Papier, sie wurden auch umgesetzt. Wie das "grüne Klassenzimmer".

Das neue Angebot spricht sich herum

Darauf aufbauend, begannen Zillyer Großeltern und Eltern schon vor zwei Jahren, jeden Monat an einem Freitag zusammen mit den Kindern zu kochen, berichtet Brigitte Schönfeld. Yvonne Schärfe war auch dabei. Daraus ist nun das Mittagstisch-Projekt entstanden. Alle vier Wochen wird die Köchin in der Kita-Küche jeweils für vier Tage die Zillyer, die daran teilnehmen möchten, bekochen. Und freitags auch die Knirpse in der Kita. Die Kleinen rühren selbst den Kochlöffel, das gemeinsame Kochen mit den Kindern wird es nun sogar zweimal im Monat geben.

Und zwischendurch wird gemeinsam gebastelt. So entstanden zur ersten Projektwoche namens "Alles Tolle aus der Knolle" lustige Figuren aus Kartoffeln.

Mit der Resonanz in der Auftaktwoche waren die Gastgeber ganz zufrieden. Vorab angemeldet hatten sich eigentlich nur wenige, aber Yvonne Schärfe hatte vorsorglich etwas mehr gekocht. "Es muss sich halt erst rumsprechen."

Die Rentnerin Irmgard Pfeiffer zum Beispiel hat extra ihre mittägliche Schwimmrunde im Freibad zeitlich etwas hinausgeschoben, um mit den Anderen gemeinsam essen zu können. "Ich möchte die Kita mit unterstützen", sagt sie. "Es ist doch schön, wenn die Menschen hier zusammenkommen."

Zur nächsten Essenwoche plant die Köchin eine kulinarische Reise um die Welt. Bei Veranstaltungen oder Besuchen wird sie künftig auch den Burgverein unterstützen. In der Bürgerinitiative ist man gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt. "Wir möchten eine Nachhaltigkeit erzielen", betont Marc Heyer.

Nach einem halben Jahr soll Zwischenbilanz gezogen werden, auch um mögliche Anschlussprojekte rechtzeitig vorbereiten zu können. In der ersten Essenwoche kam schon mal der Hinweis, künftig auch einen Fahrdienst für die Senioren anzubieten. Dann würden noch mehr kommen. Es spricht sich also herum im Dorf.