36 Jahre lang stand Karl-Heinz Bormann an der Spitze der Hoppenstedter Feuerwehr. So lange wie kaum ein zweiter Wehrleiter. Und er hätte gern noch weitergemacht.

Hoppenstedt l Mit 65 Jahren ist Schluss. So will es unerbittlich das Brandschutzgesetz. "Ich darf kein Löschfahrzeug mehr fahren, nicht mal mehr mit zum Einsatz raus ", erklärt Karl-Heinz Bormann. "Aus Versicherungsgründen." Zumindest äußerlich hat er sich damit abgefunden. Michael Lehmann ist bereits zum neuen Ortswehrleiter berufen worden. "Ich bin noch dabei, ihn einzuarbeiten, habe ein gutes Gefühl", sagt der scheidende Chef.

"Ich hätte gern noch länger gemacht", bekennt Bormann, der Ende Juni besagte Altersgrenze erreicht hat. Er fühle sich auch mit 65 immer noch gesund und fit. Keine Überraschung, wer wie er noch tagtäglich als Maurermeister auf Baustellen arbeitet. Sein kleiner Betrieb mit weiteren zwei Mitarbeitern ist im Ort ansässig. Für Feuerwehreinsätze eine glückliche Fügung, denn sonst sind tagsüber die meisten Einsatzkräfte außerhalb zur Arbeit.

"Mit drei, vier Leuten können wir trotzdem ausrücken, wenn wir am Tage alarmiert werden", berichtet er. Für einen Ort mit 165 Einwohnern und rund 15 Einsatzkräften ein Schnitt, den mitunter nicht mal weit größere Orte erreichen. Und ohne das Alarmieren mehrerer Feuerwehren gleichzeitig gäbe es in der Stadt Osterwieck sowieso Probleme. Hoppenstedt hat also seinen Platz im Stadtfeuerwehr-Gefüge.

Es ist 49 Jahre her, als Karl-Heinz Bormann in Bühne, wo er aufwuchs, Feuerwehrmann wurde. "Vorbelastet" durch Vater oder Großvater war er nicht. Das ausschlaggebende Erlebnis für ihn war ein, zwei Jahre vorher der Großbrand eines Schweinestalls in Rimbeck. "Hunderte Schweine sind ums Leben gekommen. Beim Löschen wurde jeder Mann, ob in der Feuerwehr oder nicht, gebraucht. Ich habe mit Schläuche gewickelt." Mit 16 trat er dann in die Bühner Feuerwehr ein. "Früher ging es nicht."

Vater Bormann war auch selbstständig gewesen, dessen Angestellter war mit Reinhold Hundertmark der Bühner Wehrleiter. Karl-Heinz Bormann sollte perspektivisch in dessen Fußstapfen treten und bereitete sich durch Ausbildung darauf vor. Doch nicht in Bühne, sondern im Nachbardorf Hoppenstedt wurde er 1978 Wehrleiter und hier Nachfolger von Günter Strauch. Ins Heimatdorf seiner Frau war er zwei Jahre zuvor gezogen.

Im Alter von 29 Jahren also leitete Karl-Heinz Bormann die Hoppenstedter Feuerwehr und hätte nie gedacht, dass es ein Ehrenamt bis zur Rente sein würde.

Hochwasser fordert die Einsatzkräfte

Großbrände hielten sich in dieser Zeit in Grenzen. Bormann erinnert sich an zwei Schornsteinbrände und das Feuer durch einen Nachtspeicherofen. Die betroffenen alten Fachwerkhäuser konnten stets rechtzeitig gelöscht werden, so dass sie heute noch stehen. Ein Ereignis war 2001 eine Großübung in Hoppenstedt, an der viele Feuerwehren beteiligt waren.

Noch größeres Gefährungspotenzial als Feuer hat speziell in Hoppenstedt das Wasser der Ilse. Dass nach dem Starkregen Ende Juli das Dorf verschont blieb, liegt an den neuen Hochwasserschutzanlagen in Form einer Mauer und eines Deiches. 2002 stand dagegen noch das halbe Dorf unter Wasser. "Das Hochwasser war das extremste. Sogar das Technische Hilfswerk war hier. Unser Fahrzeug kam nicht mal mehr zur Mühle, um die Bewohner mit Lebensmitteln zu versorgen."

Wenn Hochwassergefahr bestand, sind die Feuerwehrleute schon vorsorglich ins Gerätehaus gegangen, um Sandsäcke zu füllen. "Wir wissen ja, von Ilsenburg braucht das Wasser vier Stunden bis Hoppenstedt."

Um die drei bis vier Einsätze habe die Hoppenstedter meist im Jahr, sagt Bormann. Meist sind es kleinere Dinge, wenn etwa ein Sturm gewütet hat. Beim Großbrand einer Scheune in Bühne vor zwei Jahren waren auch die Hoppenstedter rund um die Uhr im Einsatz. Und beim Hochwasser an der Elbe 2013 hat auch das kleine Dorf mit einem Dutzend Einsatzkräften geholfen.

Mit den Jahren hat sich bei den Hoppenstedter Feuerwehrgerätschaften viel verändert. Sie sind moderner geworden. "Bis 1998 hatten wir nur einen Anhänger für unsere Feuerwehrtechnik", erzählt Karl-Heinz Bormann. Zu Einsätzen wurde dieser Hänger von Erwin Schirmer am Steuer eines Traktors der LPG Bühne gefahren. 1998 bekam die kleine Wehr ihr erstes Löschfahrzeug, damals gebraucht aus Gardessen am Elm. Quasi durchgerostet, wurde es 2010 durch ein Auto, das vorher der Wehr in Göddeckenrode gehörte, ersetzt. "Der Mercedes ist ok", berichtet Bormann. Auch mit der weiteren Technik und dem Gerätehaus gebe es keinen Grund zu klagen. 1999 wurde das neue Gebäude fertiggestellt, es war allein in Bormanns Dienstzeit die vierte Garage. Nun aber richtig mit Versammlungsraum und Toiletten. Ein bis zwei Mal im Monat ist Ausbildung. Mehr gehe, vor allem im Sommer, zeitlich nicht.

Diskussionen über ungewisse Zukunft

Wenn die Feuerwehrleute zusammenkommen, diskutieren sie immer öfter über drohende Schließungen von kleinen Wehren oder Zusammenlegungen. "Da würde das Dorf drunter leiden, das Zusammenleben den Bach runtergehen", befürchtet Bormann. Er äußert sich überzeugt, dass im Fall der Fälle nur wenige ausgebildete Feuerwehrleute ihren Dienst in der Wehr eines Nachbarortes fortsetzen würden.

Doch die Hoppenstedter versuchen auch gegenzusteuern. Dabei zeigt sich Bormann stolz, dass seit Kurzem fünf Frauen die Feuerwehr im Einsatzdienst verstärken. Nimmt man alle Mitglieder zusammen, kommt man auf 26. Also nahezu jeder sechste Einwohner. Und dazu kommt noch eine Handvoll Kinder, die in Bühne in der Jugendfeuerwehr sind.

Auf der Jugend, und dass sie später auch hier bleibt, ruhen also die Hoffnungen in der Hoppenstedter Wehr, die übrigens vor genau 120 Jahren gegründet wurde. Eigentlich sollte das Jubiläum richtig gefeiert werden, wie zuletzt das Hundertjährige 1994. "Wir hatten diesmal einfach keine Zeit", sagt Bormann. Solch ein Fest auf die Beine zu stellen, wird dann spätestens zum 125-Jährigen eine Aufgabe für die neue Generation am Steuer der Feuerwehr sein.