Dauerbrenner Bauhof. Über diese städtische Einrichtung hat Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) auf einer Dienstberatung mit den Ortsbürgermeistern diskutiert. Bei der Grünpflege will die Stadt neue Wege gehen.

Stadt Osterwieck l Das Grün wächst dieses Jahr besonders üppig. Was beim Blick auf hohes Gras auf kommunalen Wiesen und Wegen die Personalnot im städtischen Bauhof jedermann vor Augen führt. "Seitdem ich Bürgermeisterin bin, habe ich fast zehn Bauhof-Arbeiter gehen lassen müssen", erklärte Wagenführ nach der Dienstberatung. Die Zielgröße von 14 Arbeitern ist aber noch längst nicht erreicht. Aktuell beschäftigt der Bauhof noch 22 Leute. Dabei verwies die Bürgermeisterin darauf, dass das Durchschnittsalter des Personals bei 58,5 Jahren liege. Hoffnungen auf eine Regelung durch die Bundesregierung zum früheren Renteneintritt hätten sich nicht erfüllt.

Wäre es nach den Landesvorgaben gegangen, so dürfte die Stadt sogar nur elf bis zwölf Bauhofleute beschäftigen. Als Maßstab gilt dort eine Quote von einem Mitarbeiter je 1000 Einwohner. Das nahm der Stadtrat aber so nicht hin. Denn Osterwieck ist von seiner Fläche sogar noch etwas größer als Magdeburg. Deshalb wurde eine Organisationsuntersuchung in Auftrag gegeben, die die Zielgröße neu berechnete. Die Aufsichtsbehörden hätten das Ergebnis anerkannt, sagte Wagenführ.

Kindereinrichtungen und Friedhöfe hätten die höchsten Prioritäten beim Einsatz des Bauhofs, betonte Wagenführ. Die Grünarbeiten für zunächst zwei bis drei Friedhöfe will die Kommune an Firmen vergeben. Dies soll 2015 eine Art Modellprojekt sein. Welche Friedhöfe das sein werden, steht noch nicht fest und soll mit den Ortschaftsräten abgestimmt werden. Umwelt- und Bauausschuss werden ebenfalls in die Vorbereitungen eingebunden, beginnend bereits Anfang September. Ziel sei die Einbindung regionaler Firmen, sagte die Stadtchefin.

Angestrebt wird darüber hinaus für 2016, die Reinigung von Regenwassereinläufen als auch Hausmeisterdienste in Kindertagesstätten an Fremdfirmen zu vergeben.

Strategie sei es, die Bauhof-Mitarbeiter wieder verstärkt in der Werterhaltung des kommunalen Eigentums statt im Grünbereich einzusetzen. "Wir müssen neue Wege gehen, sonst verkommt unsere Heimat", sprach Wagenführ Klartext.

"Wir können zugucken oder zupacken." Deshalb ruft sie die Bürger zur Unterstützung der Grünflächenpflege auf. Angestrebt werden Pflegepatenschaften. Das gebe es schon vielerorts, beispielsweise in Braunschweig, sagte Wagenführ. Mit dortigen Verantwortlichen habe man schon gesprochen. In einigen Osterwiecker Orten wie zum Beispiel Hessen, Rohrsheim, Berßel oder Schauen würden vereinzelt Bürger bereits öffentliche Grünflächen pflegen. "Eine Kommune, die nicht in der Lage ist, ihre Bürger zu aktivieren, für sich selbst zu sorgen, wird in Zukunft keinen Bestand haben", zitierte Wagenführ aus einer Ortschaftsratssitzung in Hessen. Diese Patenschaften müssten vor Ort wachsen, deshalb seien die Ortsbürgermeister und Ortschaftsräte Ansprechpartner.

Auch für die Pflege der Wanderwege wird eine Lösung gesucht. "Wir sind noch in der Ideenfindung", sagte die Bürgermeisterin.

Die Einwohnerversammlung am 15. September will Ingeborg Wagenführ nutzen, um das Thema Grünflächenpatenschaften weiter zu erläutern.