Regen und Wärme sorgen für wuchernde Vegetation im Grüngürtel. Sechs Halberstädter rücken überwachsenen Gehwegen, unerwünschten Trieben und Unrat im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs zu Leibe.

Halberstadt l Der Dienstagmorgen verspricht einen kurzen Arbeitstag: Strömender Regen macht die Arbeit der sechs Männer und Frauen im Halberstädter Grüngürtel unmöglich. Kaum einer von ihnen trägt Regenkleidung, die Pullover und leichten Jacken sind schnell durchnässt.

Die sechs sollen die Wege von Unkraut befreien, unerwünschte Triebe abschneiden und allgemein für Sauberkeit in der Parkanlage sorgen. Der Rahmen für diese Arbeiten ist ein Ein-Euro-Job, eine "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung", wie die meist kurzzeitig befristeten Stellen für Erwerbslose offiziell heißen.

"Das ist die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen", sagt einer der Männer, der wie alle anderen seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Für einen anderen ist die Arbeit im Park die erste Beschäftigung seit 1996. Damals konnte er eine ABM-Stelle ergattern. "Dazwischen sucht man sich ein Ehrenamt oder Ähnliches, um mal rauszukommen", sagt er. Die Ein-Euro-Jobs seien knapp und begehrt, sagt ein weiterer Arbeiter. "Darum musst du regelrecht betteln."

Keine Konkurrenz für reguläre Unternehmen

Gemeinnützig sollen die Ein-Euro-Jobs sein und regulären Unternehmen keine Konkurrenz machen. Bei den Parkarbeiten seien die Bedingungen erfüllt, sagt Artur Mahlke, der beim Aus- und Weiterbildungszentrum (AWZ) für das Projekt verantwortlich ist. Zertifikate würden belegen, dass die Arbeiten durch die Ein-Euro-Jobber keine Konkurrenz für Gartenbauunternehmen darstellen. Die klammen Kassen der Stadt würden eine intensive Pflege der Parks mit Gartenbaufirmen nicht zulassen. "Vor allem in diesem Jahr kommt man gar nicht hinterher", sagt Mahlke und meint den starken Pflanzenwuchs während des regenreichen Sommers.

Neben der Instandhaltung des Grüngürtels gehe es um die Wiedereingliederung der sechs Arbeiter in ein normales Arbeitsleben, so Mahlke.

Kaum Hoffnung auf eine normale Beschäftigung

"Die Leute müssen morgens früh aufstehen und pünktlich am Arbeitsort erscheinen." Viele Langzeiterwerbslose hätten in den vielen Jahren ohne Beschäftigung einen normalen Tagesablauf verlernt und seien allein deswegen schwer in einer regulären Beschäftigung unterzubringen. Bei der Arbeit im Park komme hinzu, dass für die Tätigkeiten keine besondere Qualifikation nötig ist. Viele Teilnehmer würden über keine Berufsausbildung verfügen, so Mahlke.

Den Teilnehmern des Projekts soll der Ein-Euro-Job Perspektiven auf eine reguläre Beschäftigung geben. Darauf macht sich allerdings keiner der Arbeiter Hoffnungen. "Darüber reden wir nicht", sagt einer der Männer. Für die meisten ist es zudem nicht der erste Ein-Euro-Job. "Mit über 50 hast du sowieso keine Chance mehr", sagt ein anderer. Neben dem zusätzlichen Verdienst, der sogenannten "Mehraufwandsentschädigung", freuen sich die Arbeiter über die Gelegenheit, eine sinnvolle Tätigkeit ausüben zu können. Die Arbeit macht Spaß. Entsprechend verwundert ist Artur Mahlke auch, als er am Dienstagmorgen die sechs Arbeiter nicht in dem Bauwagen, der für Pausen dient, vorfindet, sondern trotz starken Regens bei der Arbeit im Park. "Vielleicht kommen bald wieder mehr Leute in den Park, wenn es hier sauberer aussieht", sagt einer der Teilnehmer.

Noch bis in den Dezember dauert das Projekt. Wenn im Herbst der Pflanzenwuchs ein Ende findet, werden die Ein-Euro-Jobber vor allem Totholz aus dem Park entfernen. Wie es nach dem Ende der "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung" weitergeht, weiß indes niemand von ihnen.