Bis Jahresende soll der neue Verkehrsrechner in Halberstadt selbständig die Ampeln der Stadt steuern. Ziel ist es, täglich tausende Fahrzeuge optimal durch die Stadt zu leiten. Derzeit befindet sich das moderne Elektronengehirn in der Lernphase.

Halberstadt l Alle warten in Halberstadt auf die grüne Welle. Genervte Verkehrsteilnehmer setzen große Erwartungen in den neuen Verkehrsrechner, der derzeit im Stala-Verwaltungsgebäude installiert wird und künftig tausende Fahrzeuge flotter durch die Kreisstadt leiten soll.

Auf den ersten Blick hinterlässt das moderne Gerät keinen spektakulären Eindruck: Ein schrankgroßer Blechkasten, ein paar flackernde LED-Lampen, schwarze Kästen, in denen das elektronische Gehirn sitzt - so präsentiert sich der neue Verkehrsrechner. Dennoch soll er Großes vollbringen. Seit Juli hängt der moderne Rechner am Netz und lernt seitdem, damit er spätestens zum Jahresende selbständig seine Arbeit verrichten kann.

Bis auf eine Ampel - die in der Sargstedter Siedlung - sind 37 bisher mit dem Verkehrsrechner verbunden und kommunizieren rege miteinander. Die Kapazität des Rechners würde zum Dirigieren von bis zu 60 Ampeln reichen, informiert Manfred Wegener, Abteilungsleiter Tiefbau der Stadtverwaltung. Was jedoch nicht bedeutet, dass die Stadtverwaltung plant, das Ampelnetz noch zu erweitern. Aktuell konzentrieren sich alle Bemühungen darauf, das neue Elektronengehirn für seine wichtige Aufgabe fit zu machen. "Allerdings dauert es, bis der Rechner selbständig auf aktuelle Verkehrslagen reagieren kann und die Ampeln mit dementsprechend hinterlegten Programmen intelligent schaltet", berichtet Dirk Bodenstein vom Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Stala. Dafür sammelt das Gerät derzeit Unmengen von Daten. Damit ist der Rechner künftig in der Lage, selbständig auf das Verkehrsgeschehen auf den Straßen der Stadt zu reagieren.

Das bedeutet, die Straßen mit den größten Verkehrsaufkommen erhalten vorrangig Grün. "Wenn zum Beispiel die Schranken auf der Quedlinburger Straße geschlossen sind und sich der Verkehr staut, reagiert der Rechner und lässt den Verkehr zügig abfließen", erzählt Manfred Wegener. Allerdings gibt es bei der Grünen Welle eine klare Herachie. Nicht alle Straßen können sie gleichzeitig bekommen. Dann würde das absolute Chaos ausbrechen. An erster Stelle stehen die Bundesstraßen, gefolgt von den Landes- und Kommunalstraßen. Außerdem gibt es noch den Öffentlichen Personennahverkehr. "Busse und Bahnen haben absoluten Vorrang", so Dirk Bodenstein. In den Fahrzeugen sind Rechner eingebaut, die sich automatisch in das Ampelnetz einbuchen und Grün bekommen. Besonders schwierig sei die Lage am Heine-Platz in den Griff zu bekommen, wo zwei stark befahrene Bundesstraßen (B 81 und B 79) aufeinanderstoßen. Außerdem fahren dort Busse und die Straßenbahn. Eine Herausforderung für die neue Technik.

Der Kauf des neuen Rechners war nicht nur notwendig, weil der Verkehr weiter zunimmt. Die alte Technik hatte nach 17 Jahren ihren Dienst vor knapp zwei Jahren quittiert. Für Anschaffung, Installation und Programmierung werden insgesamt 191 000 Euro ausgegeben. Davon zahlt die Stadt Halberstadt 108 000 Euro. Der Rest wird von Bund, Land und Landkreis Harz getragen.

Darüber hinaus fallen über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich Wartungs- und Unterhaltungskosten in Höhe von 23 800 Euro an. Hiervon trägt die Stadt jährlich 13 470 Euro. Den Rest teilen sich Bund, Land und Harzkreis.