Goslar (dpa) | Wenn es um den Namen "Harz" geht, kennen die Bewohner des in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegenden Mittelgebirges bisweilen wenig Rücksicht. So schlossen sich 2005 drei Kreise aus Sachsen-Anhalt trotz Protestes aus Niedersachsen zum Großkreis "Harz" zusammen. Wenige Jahre später fusionierten mehrere Gemeinden aus dem östlichen Unterharz zur Stadt "Oberharz am Brocken", obwohl die niedersächsische Samtgemeinde mit Sitz in Clausthal-Zellerfeld den Namen "Oberharz" schon seit Jahrzehnten trägt.

Jetzt droht ein Streit um die in Niedersachsen erdachte Marke "Unesco-Welterbe Harz" - eine eingängige Kurzbezeichnung für die Welterbestätte mit dem umständlichen offiziellen Titel "Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft". Die Welterbestätten "Luthergedenkstätten Eisleben" und "Altstadt Quedlinburg" seien beim "Welterbe Harz" außen vor, obwohl sie ebenfalls im Harz liegen, bemängeln Kritiker.

Es waren allerdings keine Ostharzer, sondern ein umtriebiger Lokalpolitiker aus Goslar, der deshalb die deutsche Unesco-Kommission in Bonn einschaltete. Mit der "Okkupation" des Namens "Unesco-Welterbe Harz" werde "der Wahnsinn des Gegeneinanders im Harz" verstärkt, statt ihn endlich zu beenden, argumentiert der frühere fraktionslose Ratsherr Heinz Severitt.

In Bonn interessiert man sich zwar wenig für das regionale Harzer Geplänkel. Dennoch blieb das Schreiben nicht folgenlos. Die Kurzbezeichnung "Unesco-Welterbe Harz" sei nämlich nicht statthaft, stellte die deutsche Kommission fest. "Das ist ein unzulässiger Begriff, der den Eindruck erweckt, dass der Harz in seiner Gesamtheit von der Unesco als Welterbe anerkannt wurde", sagt Sprecher Dieter Offenhäußer.

Ulrich Reiff von der in Goslar ansässigen Stiftung, die das Westharzer Welterbe verwaltet, versteht zwar die Worte, aber die Aufregung nicht. "Wir verwenden natürlich weiterhin die offizielle Bezeichnung", sagt Reiff. Der Begriff "Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft" sei allerdings recht sperrig. Deshalb habe man jüngst eine kurze, eingängige Bezeichnung als Dachmarke für die Außendarstellung auf Prospekten und Broschüren gesucht und gefunden. "Das erleichtert die tägliche Arbeit und das Marketing".

Bei der deutschen Kommission hat man dafür zwar ein gewisses Verständnis, will aber dennoch die Verwendung der Bezeichnung "Unesco" außerhalb des offiziellen Westharzer Welterbe-Namens nicht hinnehmen. Denn der Begriff sei kein Marketing-Instrument, sagt Sprecher Offenhäußer. Das hätten sich auch andere deutsche Welterbestätten schon vorhalten lassen müssen.

Die Kommission werde die Harzer Welterbestiftung deshalb auffordern, die nicht bestimmungsgemäße Verwendung zu unterlassen, sagt Offenhäußer. "Es kann sein, dass es sonst richtigen Ärger mit der Unesco in Paris gibt."