Halberstadt/Ströbeck l Der Ernstfall ist am Mittwochabend im Gewerbegebiet Ströbeck geprobt worden: Beim fiktiven Großbrand in einem Industriebetrieb wollten die Verantwortlichen der Halberstädter Feuerwehr nicht nur die Einsatzbereitschaft und das Zusammenwirken der einzelnen Ortswehren testen, sondern im abgelegenen Gewerbegebiet zugleich die Wasserversorgung überprüfen. Der Grund liegt für Jörg Kelle, seines Zeichens Abteilungsleiter Feuerwehr in Halberstadt, auf der Hand: In dem Areal unweit der Bundesstraße 79 wird die Löschwasserversorgung gegenwärtig auf eine ganz spezielle Art und Weise abgesichert. Basis ist dabei der unter der Straße installierte Regenwasser-Kanal.

"Wir haben den Regenwassersammler aufgrund der örtlichen Gegebenheiten schon vor längerer Zeit umgerüstet. Nun wollten wir bei einer Großübung testen, ob unser Plan aufgeht und funktioniert", erklärte Kelle am Donnerstag. Um das Resultat gleich vorweg zu nehmen: Die "spezielle Speziallösung", wie sie Jörg Kelle nennt, funktioniert im Falle des Falles.

Im Ströbecker Gewerbepark kommen gleich mehrere Probleme zusammen: Zum einen die Abgelegenheit außerhalb des Ortskerns und zum anderen die vergleichsweise kleinen Querschnitte der Trinkwasserleitungen, mit denen im Brandfall auch die Hydranten gespeist werden.

Während die Leitungen in Halberstadt wegen der vielen Abnehmer durchaus bis zu 500, 600 Millimeter groß seien und entsprechend ergiebige Wassermengen liefern können, seien die Querschnitte im dörflichen Bereich deutlich kleiner - im Schnitt zwischen 80 und 100 Millimeter, erklärt Jörg Kelle. "Um für Notfälle dennoch gewappnet zu sein, benötigen wir deshalb vor Ort Vorratsspeicher als Puffer."

Üblich sind dabei Löschwasserteiche, um stets die genau vorgeschriebenen Wasservorräte bereit zu halten. "In einem Gewerbegebiet müssen beispielsweise zwei Stunden lang 96 Kubikmeter pro Stunde verfügbar sein", nennt Kelle Details. Um dies zu garantieren, sei bei der Erschließung des Ströbecker Gewerbegebietes ein solcher Löschwasserteich gebaut worden. Der Teich sei in den vergangenen Jahren aber von Langfingern gefleddert worden - der Zaun verschwand und auch die Plastikfolie wurde gestohlen oder zerstört, erklärt Kelle.

"Der Teich war nicht mehr nutzbar, deshalb musste eine neue Lösung her", sagt der Fachmann. Die Lösung fand der Brandamtsrat unter der Gewerbegebiets-Straße, konkret beim dortigen Regenwassersammler. Im Kanalnetz, mit dem Regenwasser im Normalfall sofort abgeleitet wird, wurde nachträglich ein Rückstau mit Überlauf eingebaut. "Damit haben wir jetzt ständig rund 40 Kubikmeter Löschwasser im unterirdischen Speicher vorrätig." Und der werde im Brandfall als Puffer genutzt.

Ein Prinzip, das die am Mittwochabend alarmierten rund 70 Mitglieder von hauptberuflicher Wachbereitschaft und den Ortsfeuerwehren testeten. Der sogenannte erste Angriff erfolgte mit Löschwasser aus den Tankfahrzeugen sowie jenem unterirdischen Puffer. Parallel dazu wurde dieser Speicher permanent aufgefüllt. Dafür wurde nach Kelles Worten nicht nur Wasser aus den Hydranten genutzt, sondern mittels Tankern auch Wasser aus dem Ströbecker Dorfteich herangekarrt.

"Unser Plan ist aufgegangen", bilanzierte Kelle am Donnerstag zufrieden. Die vorgeschriebene Wasser-Mindestmenge sei erreicht worden. Allerdings könne jene Sonderlösung für das Gewerbegebiet nur in der aktuellen Konstellation mit lediglich einer Firmenansiedlung angewandt werden. "Sobald die Stadt im Gewerbepark Ströbeck jedoch weitere Firmen ansiedelt und mehr Regenwasser in den Kanal eingeleitet wird, muss die Stadt aber handeln und eine neue Lösung finden", stellt Jörg Kelle klar.