Vor 25 Jahren fielen die unmenschlichen Mauern und Zäune, die jahrzehntelang die Deutschen in Ost und West getrennt hatten. Wie schon 2009 trafen sich katholische und evangelische Christen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an der ehemaligen Grenze bei Rhoden, um einen Gedenkgottesdienst zu feiern.

Rhoden l Über 150 Besucher waren zum Grenzzaun auf den Kleinen Fallstein hinaufgestiegen. Dort gestalteten Pfarrer Stephan Eichner, Gemeindereferentin Regina Schmook, die Kantorei Osterwieck, der Kirchenchor Wasserleben und die Mitglieder der Posaunenchöre aus Vienenburg, Gielde und Wernigerode eine Feierstunde, die die Ereignisse vom Herbst 1989 und deren Folgen noch einmal in Erinnerung brachte.

Für die meisten, die diese Ereignisse persönlich erlebt haben, war es ein Wunder, an das kaum jemand mehr geglaubt hatte. In seinen Gedanken zum Thema erinnerte Pfarrer Eichner an die friedlichen Treffen und Gebete in den Kirchen der DDR, die die friedliche Revolution und den Kollaps des Systems letztlich mitverursacht hatten. "Mit dem Herbst´89 und der Wiedervereinigung Deutschlands haben wir etwas absolut Einzigartiges erlebt. Und das bedeutet, dass in dieser Welt und in unserem Leben Dinge möglich sind, die wir für ganz und gar unwahrscheinlich halten. Deshalb sind wir aufgerufen - auch in unserer heutigen Welt mit ihren tragischen Problemen - ein unverlierbares Vertrauen zu schöpfen, dass sich die Dinge doch zum Guten wenden können."

Gemeindereferentin Regina Schmook sah Parallelen zur Bergpredigt: "Als Jesus dort auf dem Berg zu den Menschen sprach, die ihm gefolgt waren, gab es in dem Land und in den Nachbarländern auch damals keinen Frieden. Die Sehnsucht nach dem Messias, nach der Leitfigur war riesig, und viele hofften einfach auf ihn. Beten wir, dass Gottes Geist die Entscheidungsträger und politischen Machthaber in unserer plötzlich wieder so kritischen Zeit bei ihren Gipfeltreffen leitet. Die Worte Jesu, sein Weg zum Frieden damals auf dem Berg gesprochen, sind aktueller denn je!"

Mit gemeinsamen Gebeten und Liedern gaben die Teilnehmer des Freiluft-Gottesdienstes diesem Wunsch Nachdruck. Die Chöre aus Wasserleben und Osterwieck gestalteten die Feierstunde musikalisch. Die "vereinigten" Posaunenchöre hatten zum Schluss auch einen flotten Musiktitel im Gepäck.

Nach dem ökumenischen Gottesdienst konnten sich die Gäste an Kaffee, Kuchen, Schmorwürsten und vielerlei Getränken stärken. Der Kirchbauverein Rhoden hatte einen Informationsstand aufgebaut, wo man CDs und DVDs von der Sanierung des Gotteshauses erwerben konnte. Die Rhodener Feuerwehrkameraden, die Kirchengemeinde, die Stadt, die Landwirte, die Kuchenfrauen und viele ungenannte Helfer hatten alles hervorragend vorbereitet. Auch das Wetter spielte mit, so dass die Festgäste noch lange zusammensitzen konnten. "Leider sind in diesem Jahr weniger Besucher aus Niedersachsen gekommen, möglicherweise war das wechselhafte Wetter schuld daran", meinte Pfarrer Stephan Eichner nach der Feier.

Der Gesamterlös der Veranstaltung soll komplett der Rhodener Kirche zugute kommen, deren endgültige Sanierung noch weitere finanzielle Mittel erfordert.

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