An einem Montagnachmittag im Januar läutete bei uns in Benneckenstein plötzlich eine der vier Kirchenglocken. Ich ging der Sache sofort nach. Kirchen- und Turmtür waren ordentlich verschlossen, ja, ich fand nicht einmal eine Spur im Schnee. Halt! Konnte der reichlich in den Turm hineingewehte Schnee etwa irgendwo eine "elektrische Brücke" gebildet haben?

Der später hinzugezogene Elektriker bestritt es. Der Facharbeiter unserer Turmuhren- und Glockenfirma schloss es nach gründlicher Prüfung nicht aus. Es bleibt Vermutung.

Zurück zum Januar: Wie sollten wir nun die Glocke bloß zum Schweigen bringen? Kein Schalter reagierte. Glücklicherweise konnte ich Herrn Spormann, unseren Benneckensteiner "Glockenspezialisten", gleich erreichen, und er fand auch schnell die richtige Sicherung. Endlich Stille - nach fast einer Stunde. Ich atmete frei, wie Goethes `Zauberlehrling´...

Natürlich fragten viele Benneckensteiner nach dem Grund dieses ungewöhnlichen Läutens: Trauerfeier? Aber um diese Zeit? Das wahrheitsgemäße Eingeständnis unserer Ratlosigkeit hätte als Antwort zwar genügt. Aber es befriedigte uns nicht. War es nicht der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus? Fast hatte ich das vergessen. Es bedurfte eben eines Fingerzeigs. Die Millionen unschuldig vernichteter Menschen dürfen nie dem Vergessen preisgegeben werden. Dafür war eine Stunde Läuten wohl nicht zuviel. Und auch sonst besteht doch vielerlei Grund aufzuwachen.

Herr Spormann meint: "Es gibt keine Zufälle." Und: "Auch Glocken haben (Schutz-) Engel." Unsere beiden 2007 neu gegossenen Bronzeglocken tragen als Inschriften die Botschaft der Weihnachtsengel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. Klingende Gedenk-Male ...

Zufälle sind das Zusammentreffen von Naturgesetzen. So zumindest lernten wir´s in der Schule. Mag ja sein. Nur: Gott kann doch die Naturgesetze benutzen. Er hat sie geschaffen. Und uns hat Er Herz und Hirn dazu gegeben, Seinen Zeichen nachzuspüren. Morgen rufen uns die Glocken wieder. Hoffentlich nicht umsonst.