Burkhard Müller ist Türmer in der Martinikirche von Halberstadt. Zu Anlässe wie dem Tag des offenen Denkmals begrüßt er die Gästeschar auf knapp 30 Meter Höhe. Für den 58-Jährigen ein Job im Ehrenamt, den er mit großer Leidenschaft ausfüllt.

Halberstadt l Wer Halberstadt von oben erleben möchte, sollte sich nicht scheuen, 129 Stufen im Turm der Martinikirche empor zu steigen. Von der Aussichtsplattform auf den unverwechselbaren Türmen genießen die Besucher einen fantastischen Blick über die Domstadt, den Huy und das Harzgebiet.

Unverwechselbar wohl auch jener Mann, der in den Martinitürmen wacht beziehungsweise zu besonderen Anlässen wie dem gestrigen Tag des offenen Denkmals die Gäste begrüßt. Burkhard Müller ist der Türmer - und das mit ganzer Leidenschaft. Der 58-Jährige, der diesen Job im Ehrenamt in luftiger Höhe ausübt, hat sich selbst eine, wie er sagt, Fantasieuniform zugelegt. Sie besteht aus einem weißen Apothekerhemd, brauner Kniebundhose und Weste mit aufgenähtem Stadtwappen samt Barett mit Feder sowie den schwarzen Stiefelstutzen. An Festtagen trägt er einen besonderen Hut. Für kühle Tage wolle er sich noch einen Umhang anfertigen lassen.

Der stattliche Mann in der Türmerkluft kommt bei Besuchern an. Schnell hat er durch seine Art zu berichten die Aufmerksam auf seiner Seite und weckt zudem Neugier. Ob Dichtung oder Wahrheit, Burkhard Müller weiß eine Menge über die beiden, ungleichen Türme der Martinikirche zu erzählen. Sei es über die absichtliche Zerstörung des Nordturmes durch den "langen Matz", die hohe Verantwortung der einstigen Wächter, die in der Türmerkammer mit den vier Fenstern hoch oben in der Spitze des Südturmes wohnten, oder über die verschiedenen Glocken und deren "Leidenswege", der Halberstäter brilliert durch Mutterwitz, seine Vorträge sind stets unterhaltsam. Selbst jene, die über sein Aufgabengebiet hinausgehen.

"Ich wäre auch sehr gern Stadtführer geworden", sagt Burkhard Müller. Seinen Antrag habe man abgelehnt, so verbinde er das Nützliche mit dem Angenehmen. Besucher erfahren demzufolge auf der Aussichtsplattform, die sich in 30 Meter Höhe zwischen den beiden Martinitürmen befindet, viel Wissenwertes über die Geschichte Halberstadts.

War der letzte Türmer bis 1908 bei der Stadt angestellt gewesen, so hat der Turmwächter der Neuzeit diesen Posten 1997 angetreten, als ABM-Projekt auf zwei Jahre begrenzt. Davor ist Burkhard Müller , der als Motorenschlosser tätig war und 1990 zum Bürokaufmann umschulte, arbeitslos gewesen. Die Beschäftigung als Türmer habe ihm von Beginn an Freude bereitet. Als sie wegen klammer Kassen von der Stadtverwaltung Halberstadt als Eigentümer der Martinitürme nicht fortgesetzt werden konnte, entschied sich Burkhard Müller für die ehrenamtliche Besucherführung.

Seit 2011 öffnet er nun zu besonderen Anlässen und Stadtfesten die Turmpforte. "Nur bei Gewitter nicht, was zuletzt zum beim Altstadtfest der Fall war", sagt er, wohl wissend, dass das zum Glück die Ausnahme ist. Denn auf die Gäste in "seinem Turm" möchte Burkhard Müller ungern verzichten. So lange es ihm die Gesundheit erlaube, steige er gern die 129 Stufen hinauf und werbe für Halberstadt von oben.