Barrierefreiheit heißt mehr, als nur Bordsteinkanten abzusenken. Darauf soll am kommenden Freitag ein Aktionstag hinweisen, der zugleich den Abschluss der Interkulturellen Woche in Halberstadt bildet.

Halberstadt l Die Menschen auf die Straße bringen, für Begegnungen sorgen - das wollen die Organisatoren des Aktionstages für mehr Barrierefreiheit in Halberstadt. Aus gutem Grund nutzen sie dazu bereits zum zweiten Mal den Abschlusstag der Interkulturellen Woche am kommenden Freitag. "Es geht uns um mehr Offenheit für Menschen, die anders sind. Ob sie nun körperlich, seelisch oder geistig ein Handicap haben oder aus einer anderen Kultur stammen, oft genug werden sie ausgegrenzt in unserer Gesellschaft", sagt Martina Purpus. Sie gehört zum Vorbereitungsteam des mittlerweile zum fünften Mal stattfindenden Aktionstages für Barrierefreiheit.

Mit Informationsständen und zahlreichen kulturellen Angeboten sollen Berührungsängste abgebaut werden. "Auf beiden Seiten", wie Martina Purpus sagt. Denn auch die Behinderten müssten lernen, für ihre Rechte einzustehen, selbstbewusster aufzutreten. "In der Gesetzgebung hat sich viel getan für die Gleichstellung, aber im Alltag erweist es sich oft als schwierig", sagt die Halberstädterin, die in der Behindertenhilfe tätig ist.

Der Tag soll nicht nur dazu beitragen, Toleranz und Akzeptanz füreinander zu verbessern. "Ich stelle immer wieder fest, dass es eigentlich ganz viel tolle Ansätze für ein offenes, gleichberichtiges Miteinander gibt in unserer Stadt, aber die Akteure wissen oft nichts voneinander. deshalb ist so ein Tag auch hilfreich, um eine bessere Vernetzung der verschiedenen Angebote zu ermöglichen", sagt Purpus. Wichtig sei, voneinander zu lernen und sich nicht nur als Konkurrenten wahrzunehmen.

Die Organisatoren des Aktionstages wollen an drei Standorten im Stadtzentrum mit Beratungs- und Informationsständen aufklären, aber auch sensibilisieren für die Belange behinderter, ausgegrenzter Menschen. Während sich die Infostände vor allem auf dem Fischmarkt finden, wird das Rathaus zu Galerie und Vortragsbühne. Unter anderem soll um 12.30 Uhr eine Expertendiskussion im Ratssaal stattfinden, bei der es um die Frage geht, was Barrierefreiheit eigentlich bedeutet. Vorher berichtet Matthias Klei aus Bielefeld, wie es sein kann, per Gesetz zu 100 Prozent behindert und dennoch beruflich selbstständig zu sein.

Im Rathausflur werden Fotos von Rudolf Großmann gezeigt sowie Bilder, die im St.-Josef-Haus entstanden sind. Die farbenfrohen Arbeiten sind von behinderten Kindern und Jugendlichen gemalt und gezeichnet worden. Eines lieferte sogar die Vorlage für das Plakat, mit dem überall in der Stadt auf den Aktionstag hingewiesen wird.

"Durch Zufall haben wir erfahren, dass im Josefshaus so viel gemalt wird. Auf unsere Frage, ob wir eines der Bilder für das Plakat verwenden können, kam eine positive Reaktion. Die Wahl ist uns nicht leicht gefallen", berichtet Dieter Krone, der sich ebenfalls in der Aktionsgruppe engagiert. Dass die Jury sich letztlich für ein abstraktes Kunstwerk entschied, habe an der "positiven Ausstrahlung des Bildes" gelegen, so Krone.

Dass es tatsächlich als lebensbejahend, ermutigend wahrgenommen werde, habe eine spontane Umfrage bei seinen Kollegen ergeben, ergänzt Reiner Straubing. Bei dem Gewerkschafter laufen die Organisationsfäden für die Interkuturelle Woche zusammen, die am Freitag mit einem Markt der Kulturen endet. "Menschen mit Migrationshintergrund erleben wie behinderte Menschen oft, dass sie außen vor stehen, nicht ernst genommen werden als Persönlichkeiten und mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben", sagt Straubing. "Und nach den guten Erfahrungen im vergangenen Jahr haben wir uns entschieden, wieder gemeinsam aktiv zu werden. Wir freuen uns schon darauf", sagt Reiner Straubing.

Der Tag steht unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Andreas Henke (Linke) und wird von einer Aktionsgruppe organisiert, der Vereine, Behinderteneinrichtungen und Wohlfahrtsverbände angehören.