Halberstadt l Ausnahmezustand in Halberstadt: Funkwagen der Polizei rollen am Nachmittag durch die Straßen und fordern die Anwohner rund um die Westerhäuser Straße auf, ihre Wohnungen zu verlassen. Bis zu 3000 Einwohner, schätzen die Experten im Krisenstab, müssen bis spätestens 18 Uhr den Gefahrenbereich verlassen. Der Sicherheitsring, der in Absprache mit den Fachleuten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes gezogen wird, umfasst einen Radius von 300 Metern um die Fundstelle der amerikanischen Fliegerbombe. Ist die Zone geräumt, wollen die drei Bombenentschärfer den Sprengkörper freilegen und entscheiden, ob er vor Ort unschädlich gemacht werden kann oder abtransportiert werden muss.

Der 75-Kilogramm-Sprengkörper war am Morgen bei Schachtarbeiten im Garten von Ingeborg Schmidt gefunden worden. Die 75-Jährige kämpft seit längerem mit dem hohen Grundwasserpegel und mit Nässe in ihrem Keller. Der Sickerschacht, den ihr Partner Werner Sülflow gräbt, soll Abhilfe schaffen. Als der 77-Jährige kurz nach 9 Uhr den Spaten in die Erde rammt und auf einen rostigen Metallgegenstand stößt, läuft ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Wenig später bestätigen Polizeibeamte die Vermutung: Sie haben seit Jahrzehnten buchstäblich auf einem Pulverfass gelebt.

Nach Ansicht der Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes gehört die Splitterbombe zu den gefährlichsten Hinterlassenschaften des Krieges. Besonders tückisch ist der Aufschlagzünder, der verschüttet ist. Das macht die Entschärfung extrem schwierig.

Der Fund bringt das Leben in Halberstadt am Dienstagabend fast zum Stillstand. Hunderte Evakuierte harren bei Verwandten und in Notunterkünften aus. Um 19.59 Uhr kommt endlich die erlösende Nachricht: Der Sprecher des Technischen Polizeiamtes Axel Vösterling gibt Entwarnung. Das tödliche Erbe hat seinen Schrecken verloren.

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