Tausende mutige Menschen gingen im Herbst 1989 auch in Halberstadt auf die Straße. Auf Transparenten kritisierten sie die politischen Verhältnisse. Anlässlich des 25. Jahrestages der friedlichen Revolution wird der Denkort Martini am 25. Oktober übergeben - ein Denkmal, das an diese Weltgeschichte schreibenden Tage erinnern soll.

Halberstadt l 850 Kilogramm schwer, neun Meter hoch: Der Denkort Martini hat den Sprung vom Reißbrett in die Realität geschafft. Halberstadt bekommt ein Denkmal, das an die friedliche Revolution im Herbst 1989 und an die Ereignisse in der Stadt erinnern soll. Seit Anfang August baut Metallbauer Felix Kästner in Klein Quenstedt nach einem Entwurf von Katharina Hinz das Denkmal, das an der Westseite der Martinikirche seinen Platz findet.

"Es gab im Lauf der Jahre Zweifel, ob wir uns mit dem Bau des Denkortes finanziell übernommen haben."

Kristine Paul

Drei Wochen vor der geplanten Einweihung ist Premiere am Mittwochnachmittag in Klein Quenstedt: Die Mitglieder der Initiativgruppe Denkort Martini, die sich seit 2011 für dessen Bau stark machen, sehen in der Werkstatt von Felix Kästner die imposante Metallkonstruktion zum ersten Mal.

"Der Einsatz hat sich gelohnt. Wir sind stolz auf das Ergebnis", resümieren die Frauen und Männer. Annette Leppinger: "Es wird eine Punktlandung zum 25. Jahrestag der friedlichen Revolution."

Der Denkort wird am 25. Oktober festlich eingeweiht. Die Kreisstadt zeigt damit Großstädten wie Leipzig und Berlin - vor 25 Jahren Zentren der friedlichen Revolution - wie es gemacht wird. Ein Vierteljahrhundert später ist es dort bisher noch nicht gelungen, einen Ort zu schaffen, der an diese, die Weltgeschichte bewegenden Tage im Herbst 1989 erinnert.

Das Erfolgsrezept der Halberstädter ist eigentlich simpel. Vor vier Jahren hat der Stadtrat Halberstadt die politischen Weichen für den Denkort Martini gestellt. Die engagierten Mitglieder der Initiativgruppe - der heute Kristine Paul, Ute Schiborra, Klaus Linzer, Rainer Schöne, Monika Hinz und Annette Leppinger angehören - haben Herzblut und viel Zeit für die Umsetzung investiert.

Dass alles pünktlich fertig wird, war nicht immer so klar, erinnert sich Kristine Paul. "Es gab im Lauf der Jahre Zweifel, ob wir uns mit dem Bau des Denkortes finanziell übernommen haben." Keine millionenschwere Investition, wie sie in Berlin für ein Denkmal im Gespräch ist, aber etwa 20 000 Euro wurden benötigt. Geld, das nur über Spenden fließen sollte. Eine Finanzspritze der Stadt Halberstadt stand auf Grund der prekären Haushaltslage nicht zur Debatte. "Wir haben allerdings wertvolle logistische Unterstützung bekommen, für die wir uns bedanken", berichtet Rainer Schöne.

"Die großen Spenden sind alle erst in den vergangenen Monaten geflossen."

Rainer Schöne

Eine finanzielle Zitterpartie sei das Bürgerprojekt bis 2014 geblieben, sagt Rainer Schöne. "Die großen Spenden sind alle erst in den vergangenen Monaten geflossen." Jetzt ist das Ziel erreicht: 20 000 Euro liegen derzeit auf dem Spendenkonto. Annette Leppinger: "Spenden sind trotzdem weiter willkommen, weil unser Projekt noch Straßenschilder mit einschließt." Ergänzend zur Stele an der Martinikirche soll die einstige Route der Protestdemonstration in Halberstadt mit kleinen Schildern gekennzeichnet werden. "Außerdem wollen wir noch eine Dokumentation zum Denkort Martini erarbeiten", ergänzt Annette Leppinger.

Spenden für den Denkort sind noch möglich: Harzsparkasse, IBAN DE61 8105 2000 0360 1268 12, BIC NOLADE 21 HRZ, Kennwort Denkort Martini. Die Stadtverwaltung stelltSpendenquittungen aus.