Der Ditfurter Kiessee ist in der Region ein beliebtes Ausflugsziel. Die Gemeinde weist aber hier seit Jahren mit Schildern auf Verbote hin - doch niemand setzt sie durch. Deshalb hat der Gemeinderat jetzt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Knut Buschhüter vom Bau- und Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Vorharz eingereicht.

Ditfurt l Rund um den Ditfurter Kiessee verläuft ein Naturlehrpfad, darauf weisen Schautafeln hin. Außerdem hat sich eine schützenswerte Tierpopulation entwickelt. Die örtliche Fischereigenossenschaft bewirtschaftet das Gewässer, setzt immer wieder Fische nach. Allein der Wassersport- und Freizeitverein "Ditfurter Seelöwen" darf von seiner Seite aus den See betreten. Überall stehen Verbotsschilder, die das Baden, das Bootfahren und das Angeln verbieten. Jedoch, es hält sich niemand daran.

In den Sommermonaten wurden hier schon mehrere hundert Badegäste gezählt. "Es gab Tage, da verstopften hunderte Autos die Zufahrt zum See", berichtet der Ditfurter Achim Löwe gegenüber der Volksstimme. "Irgendwie habe ich ein wenig Verständnis dafür. Es gibt ja nur noch in Wegeleben eine offizielle Badestelle in der Region." Andererseits seien da aber die öffentlichen Verbote. Polizei und Ordnungsamt stehen der Invasion scheinbar hilflos gegenüber. "Wenn die Beamten bei solchen Gelegenheiten um den See gehen, dann verschwinden die ermahnten Badegäste kurz, hinterher sind sie wieder da", berichtet Löwe weiter.

Heiko Jüngst, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft, ist das Treiben ein Dorn im Auge. "Im August des letzten Jahres hat ein kirchliches Camp allem die Krone aufgesetzt", sagt er. "Die jugendlichen Teilnehmer holzten Bäume ab, verwandelten damit zwei Kanus in ein Floß, und paddelten zur Insel hinüber. Außerdem wurde hier geangelt, was von uns nicht genehmigt war." Die mutigen Floßfahrer hätten keine Rettungswesten getragen - sie seien nicht einmal beaufsichtigt worden. "Daraufhin haben wir Kontakt zu dem Campleiter aufgenommen und ihn auf die Verfehlungen aufmerksam gemacht", erläutert Jüngst. "Wir haben ihm verdeutlicht, dass wir eine Anzeige einreichen werden."

Campen und unerlaubtes Angeln am Kiessee

Gemeinderatsmitglied Detlev Pohle berichtet von einem weiteren Fall, der sich dieses Jahr zu Pfingsten zugetragen hat. "Kontrolleure vom Fischereiverband wiesen mich darauf hin, dass auf der Insel gecampt wird, sogar ein Lagerfeuer brannte hier", führt er aus. "Daraufhin beschafften wir ein Boot und sahen uns die Bescherung näher an." Seinerzeit wurden ausgeworfene Angelruten beschlagnahmt und ein Platzverweis ausgesprochen, da auf der Insel Schwäne ihren Nachwuchs aufziehen.

Das bestätigt auch Heiko Jüngst. "Wir haben jeweils das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde informiert und um Hilfe gebeten", setzt er hinzu. Diese sei aber nicht, wie erhofft, erfolgt. Die Ditfurter fühlen sich noch heute im Stich gelassen. Knut Buschhüter vom Bau- und Ordnungsamt sei darüber informiert gewesen, hätte aber einfach seine Kompetenzen nicht genutzt. Auch die Anzeige vom vorhergehenden Vorfall hätte er nicht wie vereinbart gestellt. Beim Volksstimme-Gespräch wies Buschhüter jedoch nach, dass er sehr wohl seine Aufgaben erledigt hat. "Die Lage am Kiessee ist nicht ganz so einfach", sagt er. "Es gibt da recht komplizierte Eigentumsverhältnisse." Das Ordnungsamt könne auf öffentlichen Wegen seinen Aufgaben nachkommen, am Ditfurter Kiessee sei das jedoch schwierig. Er habe auch die Anzeige zum Vorfall vom August 2013 aufgenommen und wie gewünscht direkt an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, so geschehen am 17. September des letzten Jahres. Von dort sei die Einstellung des Verfahrens im Juli 2014 der Verbandsgemeinde bekannt gegeben worden.

Das wiederum bringt Heiko Jüngst auf die Palme, der mehrere Nachfragen nach dem Bearbeitungsstand an die Polizei, die Verbandsgemeinde und die Staatsanwaltschaft gerichtet hatte. "Ich bin meinen Mitgliedern in der Genossenschaft schließlich zur Rechnenschaft verpflichtet", erklärt er. Jüngst könne nicht verstehen, warum dieser Fakt bei seinen Erkundigungen niemandem bekannt gewesen sei. Außerdem sei die Anzeige nicht im kompletten Umfang in allen genannten Punkten ergangen.

Das bestreitet Buschhüter. "Ich habe alle per E-Mail erhaltene Dateien angefügt, das waren zwei Dokumente und die seinerzeit aufgenommenen Bilder", stellt er klar. "Allerdings hatte ich die Ditfurter darauf hingewiesen, dass die Staatsanwaltschaft nicht unbedingt der richtige Adressat ist." Er hätte vorgeschlagen, das Umweltamt des Landkreises Harz über den Vorfall zu informieren. Dieses habe die Handhabe, in dem Fall etwas zu unternehmen. Sein Vorschlag sei aber abgelehnt worden.

Die Gemeinde will nun auf Anraten der Polizei Schilder mit Piktogrammen, die die Verbote darstellen, rund um den See errichten lassen. Die eingereichte Dienstaufsichtsbeschwerde wird vom Gemeinderat auf einer der nächsten Sitzungen noch einmal beraten.

 

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