Halberstadt l Der Halberstädter Kommunalpolitiker und Stadtrat Andreas Gatzemann will politisch weiter aktiv bleiben. Der Christdemokrat kündigte nach Abschluss von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen ihn an, am Stadtratsmandat festzuhalten.

"Das Verfahren gegen mich ist bekanntlich eingestellt worden - ich sehe deshalb keinen Grund, irgendwelche Konsequenzen zu ziehen", so der Halberstädter auf Anfrage. Zudem wolle er nach der Einstellung des Verfahrens versuchen, persönlich, beruflich und auch politisch wieder Tritt zu fassen. Gegen den Förderschulpädagogen waren im Frühjahr Vorwürfe sexueller Übergriffe laut geworden. Mehrere Schülerinnen der Albert-Schweitzer-Förderschule in Halberstadt sahen sich von ihrem Lehrer bedrängt und warfen Gatzemann sexuelle Belästigungen vor. Nach Strafanzeigen ermittelte die Staatsanwaltschaft mehrere Monate. Sie bot dem Beschuldigten schließlich wegen geringer Schuld die Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 1000 Euro an die Halberstädter Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) an.

"Das Geld habe ich längst gezahlt, damit ist das Verfahren gegen mich endgültig eingestellt", erklärte Andreas Gatzemann am Dienstag. Anders als die Staatsanwaltschaft, die zumindest die Vorwürfe von Nachstellungen und sexuellen Beleidigungen klar bewiesen sieht, leitet Gatzemann aus der Verfahrens- einstellung mit Auflagen den Beweis seiner Unschuld ab. Er wolle sich jetzt auf seine persönliche Rehabilitation konzentrieren. Dazu gehöre - nach der Entlassung aus dem Schuldienst - auch ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht.

Der angestrebten persönlichen Rehabilitation wollen auch die Verantwortlichen der CDU-Ortsgruppe Halberstadt nicht entgegenstehen. Nach Angaben von Ortsgruppenchef Jürgen Meenken hat es kürzlich im Beisein von Fraktionschef Daniel Szarata ein Gespräch mit dem im Sommer erstmals in den Stadtrat gewählten Kommunalpolitiker gegeben. "Herr Gatzemann hat uns versichert, dass er sich nichts vorzuwerfen habe und er unschuldig sei." Da das CDU-Mitglied juristisch gesehen nach der Verfahrens-einstellung nicht vorbestraft sei, "sehen wir jetzt erst einmal keinen Handlungsbedarf", sagte Jürgen Meenken. "Er ist Stadtratsmitglied und bleibt das auch." Gleichwohl, so Meenken, bleibe nach all den Vorwürfen unterm Strich ein bitterer Beigeschmack. Mit diesem Makel müsse Andreas Gatzemann nun wohl oder übel leben. Gatzemann selbst strebt nach eigenen Worten vorerst keine herausragenden Funktionen in CDU-Fraktion und Ortsverband sowie im Stadtrat an. Er sei nach den Entwicklungen der vergangenen Monate gesundheitlich angeschlagen.