Tränen sind geflossen, als Mitte Juli die Türen der Grundschule Langenstein für immer geschlossen wurden. Jetzt gibt es eine Initiative von Bürgern, die im verwaisten Gebäude eine private Gesamtschule ansiedeln möchten.

Halberstadt/Langenstein l Hoffnung besteht, dass die zu Beginn der Sommerferien geschlossene Grundschule Langenstein wieder eine Zukunft hat. Allerdings nicht als staatliche Bildungseinrichtung, sondern als Privatschule. "Vertreter einer Schulinitiative haben Interesse an der Übernahme des Gebäudes geäußert", bestätigt Langensteins Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU) während der jüngsten Tagung des Ortschaftsrates. Er habe bereits persönlich mit den Akteuren gesprochen und ein gutes Gefühl, dass es nicht nur bei der Absicht bleibt.

"Ich würde mich freuen, wenn es in Langenstein künftig wieder eine Schule gibt", sagt Jürgen Meenken. Mitte Juli musste die Grundschule im Ort schließen, weil die vom Land Sachsen-Anhalt vorgegebenen Kriterien zum Weiterbetrieb nicht erfüllt wurden. Laut Schulgesetz müssen derzeit mindestens 60 Schüler eine Grundschule besuchen. Die Zahl steigt sogar noch auf 80. Zuletzt besuchten noch 27 Mädchen und Jungen die Bildungseinrichtung. Damit endete eine etwa 300-jährige Schultradition in Langenstein.

Die Initiative zur Gründung einer Privat-Schule geht von engagierten Bürgern aus. In Langenstein und Halberstadt liegen bereits Unterschriftenlisten aus, in denen sich Bürger eintragen können, die an einer Mitarbeit in der noch zu gründenden Regionalgruppe Harz "Schule im Aufbruch" interessiert sind.

Ziel ist es, eine weiterführende freie Schule in Halberstadt ins Leben zu rufen. Eine Gesamtschule von der 5. bis zur 13. Klasse. Orientieren soll sich das Schulleben an der Initiative "Schule im Aufbruch", die 2012 unter anderem von dem bekannten Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther gegründet worden ist.

"Ich würde mich freuen, wenn es in Langenstein künftig wieder eine Schule gibt."

Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU)

Zu den erklärten Zielen der Initiative "Schule im Aufbruch" gehört: "Sich für eine lebensnahe, dem Wesen von Kindern und Jugendlichen entsprechende Bildung an allen Schulen vom Kindergarten bis zu den Gymnasien und Berufsschulen im deutschsprachigen Raum einzusetzen. Diese orientiert sich an der Natur des Menschen und den Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen in ihm. Gelingt dies, zeigt sich das Lernen als lustvoller, freudiger Prozess und die Beteiligten erleben sich als wertvoll, fühlen sich in ihrer Gemeinschaft aufgehoben und können dadurch ihre Potenziale besser entfalten", heißt es auf der Internetseite von "Schule im Aufbruch".

Der Halberstädter Stadtrat Jens Rehmann (ödp) gehört zu den Initiatoren der geplanten Schulansiedlung in Halberstadt. "Derzeit ist es noch zu früh über Details zu sprechen. Wir müssen noch eine ganze Reihe von Gesprächen führen", sagt Jens Rehmann auf Volksstimme-Nachfrage. Dazu gehört, einen Schulträger zu finden. Es gibt konkrete Vorstellungen und auch bereits Kontakte, aber noch kein abschließendes Ergebnis, so Rehmann. "Ich hoffe, dass in diesem Jahr noch eine Entscheidung fallen wird." Langenstein würde sich derzeit auf jeden Fall als Standort anbieten.

Die Stadtverwaltung Halberstadt bestätigt, dass es Gespräche zur Zukunft der ehemaligen Grundschule Langenstein gibt. In der vergangenen Woche sollte es eine Gesprächsrunde mit Jens Rehmann, Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) und Jürgen Meenken geben. Der Termin ist allerdings geplatzt.

Andreas Henke: "Das verabredete Gespräch ist auf Wunsch des Interessenten zurückgestellt worden, weil es auf dessen Seite noch Klärungsbedarf gibt. Es ist geplant, zeitnah einen neuen Termin zu vereinbaren. Ob das Gebäude verkauft, verpachtet oder im Eigentum der Stadt verbleiben wird, hängt von den noch auszuhandelnden Konditionen ab."

 

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