Wernigerode/Braunschweig l "Es ist, als würde man in der Dunkelheit geradewegs ins Blitzlicht eines Fotografen schauen - nur viel, viel schlimmer." Mit diesen Worten beschreibt ein der Volksstimme namentlich bekannter Lokführer, der bei hoher Geschwindigkeit mit einem Laserpointer attackiert worden ist, die Folgen. "Du siehst erstmal gar nichts mehr, das Farbsehvermögen tendiert gegen Null und die Augen schmerzen, als hättest du eine ganze Schippe Sand in die Augen bekommen." Der so geblendete Lokführer konnte nur noch eine Vollbremsung einlegen und sich ablösen lassen. Obwohl der Vorfall schon mehrere Jahre her ist, hat der Mann noch immer ein banges Gefühl, wenn er auf den Führerstand klettert.

Schließlich werden die extrem lichtstarken Laserstrahler immer wieder genutzt, um ahnungslose Mitmenschen zu blenden. Am Freitag hat es einen Piloten beim Überfliegen von Wernigerode erwischt: Der 52-Jährige am Steuer der einmotorigen Cirrus SR 22 wurde laut Polizei gegen 19.50 Uhr im Bereich der Hasseröder Straße in Wernigerode gleich mehrfach zum Ziel des gebündelten Lichtstrahls eines grünen Laserspointers.

Anhand der vom Piloten übermittelten Standortkoordinaten habe der Bereich des Oehrenfelder Weges in Darlingerode als Standort des mutmaßlichen Täters eingegrenzt werden können, sagte ein Polizeisprecher. "Wir ermitteln jetzt wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr", ergänzt Polizeisprecher Peter Pogunke. Obwohl die Beamten sofort nach dem Eingang des Notrufes, der von der Deutschen Flugsicherung (DFU) kam, den vom Piloten beschriebenen wahrscheinlichen Standort des Täters absuchten, hätten sie niemanden ermitteln können. "Wir hoffen bei unseren weiteren Ermittlungen auch auf Hinweise aus der Bevölkerung", so der Polizeirat zur Volksstimme.

Die Ermittler machen aus gutem Grund Druck. Schließlich werden derartige Blendattacken immer häufiger. Die Unbekannten visieren längst nicht nur kleine Maschinen in geringer Höhe an, sondern auch Passagierflugzeuge mit mehreren hundert Insassen. Vor allem bei Landeanflügen, was die Attacken wiederum besonders gefährlich macht. Denn bei Starts und Landungen fliegen die großen Jumbos nicht mit Autopilot, sondern werden von Pilot oder Co-Pilot per Hand und auf Sicht dirigiert.

Daran erinnert auch Germout Freitag von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) in Braunschweig. In der zentralen Stelle für Unfälle in der Luftfahrt sei in punkto Laserblendungen bislang - glücklicherweise - noch kein Unfall aktenkundig. "Es ist bislang immer noch glimpflich abgegangen, wir registrieren allerdings jeden uns bekannt gewordenen Zwischenfall", sagt der Behördensprecher. Die in der BFU vermerkten Fälle schwankten zwischen 204 im Jahr 2011 und 226 im vorigen Jahr. Für 2014 seien bislang 165 Blendattacken aktenkundig. Die Statistik selbst erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da längst nicht jeder Zwischenfall gemeldet werde, so Freitag.

Gleichwohl ziehen die Ermittler bei solchen Fällen alle Register, um die Täter zu fassen. Germout Freitag kann sich noch gut an den Fall eines 13-Jährigen erinnern, der den vom Vater geschenkten Laserpointer mitten in Berlin ausprobierte und dabei einen Hubschrauber anvisierte. "Was der Junge nicht wusste: Es war ein Polizeihubschrauber und die Beamten ließen nicht locker, bis sie den Täter hatten. Schließlich geht es hier keineswegs um einen Kavaliersdelikt." Für den 13-Jährigen und dessen Eltern habe der Fall ernsthafte Folgen gehabt.

An die straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen erinnert auch der Harzer Polizeisprecher Peter Pogunke. "Die strafrechtliche Würdigung ist der eine Aspekt. Wenn in einem solchen Verfahren das geschädigte Flugunternehmen als Nebenkläger auftritt und obendrein noch zivilrechtliche Forderungen geltend gemacht werden, kann es ganz schnell richtig teuer werden."

BFU-Sprecher Germout Freitag skizziert solch einen Fall: "Selbst wenn eine Attacke auf den ersten Blick glimpflich und folgenlos abgegangen scheint, weil sofort der Co-Pilot das Steuer übernommen hat - was aber ist, wenn der Pilot dabei eine lebenslange Berufsunfähigkeit erleidet?"

Landen Täter vor Gericht, drohen empfindliche Strafen: Zwei 18 und 19 Jahre alte Männer aus Hamburg sind 2011 zu zwei Wochen Jugendarrest und Arbeitsstunden verurteilt worden. Sie hatten mit Laserpointer auf vier Flugzeuge und einen Helikopter gezielt. Sie hätten einen Absturz der Flugzeuge billigend in Kauf genommen, urteilten die Richter.