Pfeifkonzert vor dem Werkstor der Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik GmbH Halberstadt (Halko). Die Mitarbeiter treten am Dienstag für eine Stunde in den Warnstreik, um ihre Forderungen nach einer gerechten Entlohnung Ausdruck zu verleihen.

Halberstadt l Für eine Stunde steht am Dienstagvormittag im Traditionsbetrieb Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik GmbH (Halko) die Produktion still. Die Mitarbeiter sind in den Warnstreik getreten. Vor dem Werkstor in der Großen Ringstraße in Halberstadt stimmen die Frauen und Männer ein Pfeifkonzert an, damit ihre Forderung nach einer gerechten Entlohnung in der Chefetage des Unternehmens zu hören ist. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) hatte zum Warnstreik aufgerufen. In der kommenden Woche stehen Tarifverhandlungen an.

"Wir fordern eine angemessene Bezahlung, die auch die wirtschaftliche Situation des Betriebes berücksichtigt."

Anke Siedentop, NGG Gewerkschaftssekretärin

"Seit dreieinhalb Jahren hat es für die 80 Halko-Mitarbeiter keine Lohnerhöhung mehr gegeben. Jetzt muss etwas geschehen", betont Anke Siedentop, Gewerkschaftssekretärin der NGG aus Braunschweig. "Im Durchschnitt verdient ein Produktionsarbeiter bei Halko brutto 1400 Euro. Also wirklich kein fürstliches Gehalt", berichtet Betriebsratsvorsitzende Ingeburg Bollmann. "Wir fordern eine angemessene Bezahlung, die die wirtschaftliche Situation des Betriebes berücksichtigt", so Anke Siedentop. "Wir sind bereits von einer Sieben-Prozent-Forderung auf fünf Prozent runtergegangen. Mehr geht nicht", unterstreicht Ingeburg Bollmann. "Der Leistungsdruck wird immer stärker. Es ist nicht richtig, dass die Kollegen nicht auch dementsprechend für ihre gute Arbeit bezahlt werden", kritisiert die Betriebsratschefin. Am Warnstreik hätten sich alle Kollegen beteiligt, sogar die Verwaltungsmitarbeiter.

Ein im Jahr 2011 zwischen der Gewerkschaft und dem Unternehmen ausgehandelter Haustarifvertrag war bereits 2012 gekündigt worden. Im vergangenen Jahr konnten sich die Verhandlungspartner als Lohnausgleich auf eine Einmal-Zahlung in Höhe von 156 Euro für jeden Mitarbeiter einigen. "Nicht viel Geld. Wir mussten aber die angespannte wirtschaftliche Lage bei Halko berücksichtigen", erzählt Anke Siedentop. 2013 hatte Halko Mitarbeitern kündigen müssen. Hintergrund: Eine große Marktkette, bei der die Halberstädter mit insgesamt 37 Produkten gelistet waren, hatte 27 davon aus den Regalen genommen. Die Geschäftsführung zog die Notbremse.

"Der Leistungsdruck wird immer stärker. Es ist nicht richtig, dass die Kollegen nicht auch dementsprechend für ihre gute Arbeit bezahlt werden."

Ingeburg Bollmann, Betriebsratschefin Halko

Ein erstes Tarifgespräch am 16. September dieses Jahres sei aus Sicht der Gewerkschaft ungewöhnlich verlaufen. Die Halko-Geschäftsführung hatte kein Angebot auf den Tisch gelegt, weil man darauf nicht vorbereitet gewesen sei, erinnert sich Anke Siedentop. Für den 21. Oktober ist der nächste Termin angesetzt. "Darum jetzt der Warnstreik. Wir wollen der Unternehmensleitung zeigen, dass wir uns nicht hinhalten lassen", betont Siedentop. "Wir hoffen, dass der Warnstreik dazu beiträgt, dass uns die Unternehmensleitung endlich ein Angebot macht", sagt Ingeburg Bollmann. Für viele Kollegen, die seit 25 Jahren und länger bei Halko arbeiten, ist der Betrieb wie eine zweite Heimat. Leider interessiere das in der Chefetage offenbar niemanden, bedauert die Betriebsratsvorsitzende.

Halko-Geschäftsführerin Silke Erdmann-Nitsch zeigt sich überrascht vom Warnstreik. Ob eine Tariferhöhung von fünf Prozent realistisch sei, dazu wollte sie sich nicht äußern. "Darüber muss man am Verhandlungstisch sprechen."