Andreas Teich aus Wernigerode sucht die sportliche Herausforderung. Entweder bei Langstrecken-Läufen oder als Wanderer über weitere Distanzen. Kürzlich ist der 46-Jährige mit drei Mitstreitern aus Niedersachsen beim 7. Oxfam-Trail in Belgien gestartet.

Wernigerode l Vier Personen, 100 Kilometer Distanz, 30 Stunden Maximalzeit und obendrein ein karitativer Gedanke - das sind die "Zutaten" des Oxfam-Trails. Bei der Aktion geht es darum, mit einem vierköpfigen Team innerhalb von maximal 30 Stunden eine 100 Kilometer lange Distanz zu überwinden. Unterstützung bekommen die Wanderer, die sich im Sturmschritt jenem Mega-Marathon stellen, von Helfern, sogenannten Supportern. Die sportliche Herausforderung, die mit bis zu 500 Metern Höhenunterschied gespickte Strecke in der belgischen Eifel (Naturpark "Hohes Venn") in möglichst kurzer Zeit und vor allem als Team hinter sich zu lassen, ist ein Aspekt. Zugleich geht es darum, mit den Startgeldern weltweite Oxfam-Projekte zu unterstützen.

Als kürzlich im belgischen Eupen der Startschuss zur siebten Auflage des dortigen Oxfam-Trails fiel, war wieder ein vierköpfiges Team, das in den Harzer Wäldern trainiert, dabei: Morten Brandt und Harald Jünge aus Braunschweig sowie Sven Meyer aus Salzgitter und Andreas Teich aus Wernigerode wollten es wissen. Das Quartett aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen verbindet die Mitgliedschaft im Verein Väteraufbruch für Kinder. Als Team "Papa ante portas" (übersetzt: Papa steht vor der Tür) standen sie zum zweiten Mal bei einem Oxfam-Trail am Start. Unterstützung an den neun Kontrollpunkten entlang der Strecke bekam das Quartett von drei Helferinnen.

Dass der 46 Jahre alte Wernigeröder Andreas Teich bei diesem Marathon-Marsch mittlerweile schon so was wie ein alter Hase ist und persönlich zum dritten Mal startete, war keineswegs Garant für Pluspunkte. Im Gegenteil: "Die Strecke war das Härteste, was ich bislang erlebt habe", berichtet der Maschinenbau-Ingenieur, der in der Automobilindustrie tätig ist.

Nicht nur die Höhendifferenzen zwischen 200 und 700 Metern über dem Meeresspiegel seien eine echte Herausforderung gewesen, sondern vor allem die klimatischen Bedingungen. "Wochenlanger Regen hatte die belgische Eifel total aufgeweicht, sodass wir buchstäblich eine Schlammschlacht kämpfen mussten. Dazu kamen Regen und ordentlicher Wind", erinnert sich der Leiter des vierköpfigen Teams. Doch Teich, der in seiner Freizeit nicht nur wandert, sondern auch klassische Marathons über 42,195 Kilometer läuft, ist und bleibt ganz Sportler: "Dabeisein und gemeinsam die Ziellinie überqueren, ist alles."

Wobei das Quartett - eines von 13 deutschen Teams - vor dem Startschuss zunächst eine ganz besondere Hürde zu nehmen hatte. Jede Mannschaft muss mindestens 1500 Euro Startgeld aufbringen. "Diese Gelder fließen komplett in Oxfam-Hilfsprojekte weltweit", weiß Teich. Dabei gehe es in erster Linie um Hilfe zur Selbsthilfe, um die Menschen in Ländern wie Pakistan oder auf dem afrikanischen Kontinent voran zu bringen.

"In diesem Jahr haben die 273 Mannschaften alles in allem exakt 562 882 Euro gesammelt", ergänzt Georges Godin. Der 64-Jährige ist einer der Väter des Oxfam-Trails in Belgien. Seit die Idee vom Wandern gegen die Uhr und Spendensammeln 1981 beim ersten Oxfam-Trail in Hongkong Premiere hatte, wurde die Idee in weltweit elf Länder - darunter Belgien und Deutschland - exportiert.

Godin begleitet die Aktion in Belgien seit dem Auftakt im Jahr 2008 organisatorisch. "In diesem Jahr hatten zunächst 312 Teams gemeldet, da haben wir mit über 600 000 Euro an Spenden gerechnet", berichtet das langjährige Crewmitglied. Aufgrund des miserablen Regenwetters hätten jedoch viele kurzfristig abgesagt.

"Unterm Strich konnten wir deshalb die Rekordmarke aus dem Jahr 2013 nicht knacken", bilanziert der Macher und Strippenzieher hinter den Kulissen. Die 568 881 Euro, hinter denen damals 286 Teams standen, bleiben damit als bisherige Maximalmarke und weitere Herausforderung im Raum stehen. "Vielleicht", wirft Georges Godin schon mal einen Blick in die Zukunft, "schaffen wir das ja im nächsten Jahr".

Dann will der 64-Jährige, der im März 2015 in Pension geht, übrigens die Seiten wechseln: "Ende August 2015 will ich endlich mal selbst mit einem Team die 100-Kilometer-Distanz in Angriff nehmen", kündigt Godin an.

Auf Start Nummer drei setzt dann auch das Papa-ante-portas-Quartett. Um endlich das selbst gesteckte Ziel zu erreichen: mit allen vier Startern bis zur Ziellinie. In diesem Jahr musste ein Teampartner aus gesundheitlichen Gründen 19 Kilometer vor dem Finale aufgeben. Unterm Strich landete die Mannschaft nach 27 Stunden und 36 Minuten bei 273 gestarteten Teams auf Rang 174. "Wir können uns nur steigern", sagt der 46-jährige Andreas Teich und zeigt auf den Spendenteller auf seinem Schreibtisch: Er sammelt bereits für den Oxfam-Trail 2015.

Mehr unter: www.oxfamtrailwalker.be

 

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