Die Modelle der Gebäude aus der Osterwiecker Mittelstraße werden jetzt im Schäfers Hof ausgestellt. Die südwestliche Häuserzeile ist nun komplett.

Osterwieck l Die Modellbauer in der Osterwiecker Kreativwerkstatt des Bildungsinstituts AFU arbeiten bereits an der gegenüberliegenden Straßenseite, konkret am Modell des Hauses Nr. 13. Seit etwa drei Jahren verfolgt das Bildungsinstitut mit finanzieller Unterstützung der Kommunalen Beschäftigungsagentur das Ziel, die gesamte Mittelstraße im Maßstab 1:20 nachzubauen. Bis zum Lutherjubiläum 2017 soll das vollendet sein. Die südwestliche Häuserzeile mit dem Hausnummern 14 bis 27 ist nun fertig, zuletzt waren drei Gebäude zur Tralle hin geschaffen worden.

Sechs bis acht Wochen dauert es, bis ein Modell vom Maßnehmen bis zum letzten Farbtupfer fertiggestellt ist, berichtete Bernd Langhoff, der zurzeit zusammen mit Detlef Haarnagel, Peter Pichert und Günter Schmidt das Modellbauerteam bildet. Gelernter Modellbauer ist keiner von ihnen, berichtete Heiko Ebeling, der bei AFU als Anleiter arbeitet. Um so größer war bei der Präsentation der Modelle am neuen Standort im Schäfers Hof die Anerkennung für diese Arbeit. "Das ist eine richtige Attraktion für Osterwieck", sagte Ortsbürgermeister Ulrich Simons (CDU). "Das sucht seinesgleichen." Lilli Hager, die Vorsitzende des Vereins Kultur im Schäfers Hof, nannte dies "eine Bereicherung für den Schäfers Hof". Der Verein betreut diese Ausstellung, die montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden kann. Vereinsmitglied Gabriele Jachade hat bereits Besucher zu den Modellen geführt, auch Gäste, deren Vorfahren hier gewohnt haben. Alle hätten sich positiv über diese Häuser geäußert.

Bis Ende Januar läuft das aktuelle Projekt für die Modellbauer. Marita Meinert von der Kommunalen Beschäftigungsagentur berichtete, dass die Förderung anschließend nahtlos weitergehe. Sie bezeichnete dieses Vorhaben als "super Beispiel" für sinnvolle und nachhaltige Inhalte von Arbeitsgelegenheiten.

Christine Krebs aus dem Heimatmuseum hat unterdessen noch Informationen zu den einzelnen Gebäuden zusammengestellt, so dass die Besucher auch Geschichtliches erfahren.

Später soll der komplette Straßenzug einen passenden Unterbau erhalten. Dann können Besucher wirklich wie Gulliver durch die Mittelstraße gehen. Vorerst stehen die Modelle noch provisorisch auf Tischen. Ulrich Simons könnte sich vorstellen, dass die Modellstraße nach Fertigstellung einen speziellen Raum im "Bunten Hof" erhält.

Die Fachwerkgebäude sind äußerst detailgetreu aus Holz, Pappe und Kunststoff hergestellt. Selbst die Sprüche auf den Fachwerkbalken sind lesbar. Interessant dürften für Einheimische auch die jeweiligen Hofseiten sein, die man sonst nicht sieht. Die (bewältigte) Tücke liegt oft im versteckten Detail. So wurden die für niemanden sichtbaren Giebelwände in den richtigen Winkel gesetzt, um die Biegung der Mittelstraße hinzubekommen. Die Hausdächer der Modelle wurden mit Dachstuhlkonstruktionen ähnlich den großen Vorbildern stabilisiert.

Im Schäfers Hof sind noch zwei weitere Modelle der Kreativwerkstatt zu sehen. Dabei handelt es sich um den "Bunten Hof" und das Heimatmuseum, das früher einmal Rathaus von Osterwieck war. Fast fertig ist in der Werkstatt der Taubenturm vom Schäfers Hof, der dann im Schaufenster der Kapellenstraße 29 ausgestellt werden soll. Für den Adventsmarkt im Dezember auf dem Schäfers Hof wollen sich die Modellbauer noch etwas einfallen lassen, um die Häuserzeile weihnachtlich zu beleuchten.