Während der Ehrung für die Fluthelfer aus Halberstadt und Langenstein wurden Erinnerungen wach. Der Einsatz an Elbe und Saale hatte es in sich.

Halberstadt l In dieser Woche bedankte sich Halberstadts Oberbürgermeister bei den Feuerwehren der Stadt und ihrer Ortsteile. Sie seien gut aufgestellt, was die Technik und den Ausbildungsgrad der Kameradinnen und Kameraden betrifft, um Schadenslagen zu bewältigen, sagte Henke.

Als eine besonders große Schadenslage erwähnte er die JahrhundertFlut im Jahr 2002, als Tausende Helfer, darunter viele Feuerwehrleute, im Einsatz waren, um den Wassermassen Einhalt zu gebieten sowie Menschen, Sachwerte und Infrastruktur zu schützen bzw. zu retten. Womit kaum jemand gerechnet hat, 2013 folgte ein nächstes, nicht weniger schlimmes Hochwasser. Wieder war die Hilfe von Bundeswehr, THW, Feuerwehr und vielen anderen Kräften gefordert, die gemeinsam mit Einwohnern gegen die Fluten kämpften.

Zwischen den Einsätzen kaum Zeit zum Ausruhen

30 Kameraden der Feuerwehren Halberstadt und Langenstein waren im Juni 2013 insgesamt 1800 Stunden ehrenamtlich an Schwerpunkten in Sachsen-Anhalt aktiv. "Ihr Einsatz verdient großen Respekt", sagte Andreas Henke (Linke) und überreichte im Auftrag des Ministerpräsidenten Urkunden und Fluthelfer-Nadeln des Landes Sachsen-Anhalt. Mit ihm sagten auch der Chef der Halberstädter Feuerwehr, Jörg Kelle, und der ehrenamtliche Stadtwehrleiter Harald Böer sowie Langensteins Bürgermeister Jürgen Meenken (CDU), der Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung Jens Klaus und der Kreistagsvorsitzende Michael Haase (CDU) den unermüdlichen Helfern Dank für ihr Engagement.

Einer der Geehrten ist Sebastian Rindert, Ortswehrleiter in Langenstein und Stadtausbildungsleiter der Stadt Halberstadt. "Wir gehören zum Fachdienst Brandschutz Ost des Landkreises Harz und waren als solche Einheit mit Kameraden aus dem gesamten Harzkreis in den Hochwassergebieten im Einsatz, um betroffene Einwohner und Kommunen im Kampf gegen die Fluten zu unterstützen", berichtet der Hauptbrandmeister.

Ihr erster Auftrag war die Sicherung des Gimritzer Damms in Halle. Unmengen Sandsäcke waren dort zu bewegen und zu positionieren. Ein Einsatztag dauerte immer 24 Stunden, hinzu kamen An- und Rückfahrt. Dazwischen blieb Zeit zum Ausruhen und zum Sammeln neuer Kräfte.

Beim Ort Gottesgnaden bei Calbe, der von Wasser eingeschlossen und durch mehrere Deichbrüche gefährdet war, wurde versucht, auf dem Acker mit Sandsäcken einen Wall zu errichten. Bis der Rückzugsbefehl von der Bundeswehr erfolgte. "Das war unser schwerster Tag. Wir haben alles daran gesetzt, den Leuten zu helfen. Doch der Damm war nicht zu halten. Es fiel uns sehr schwer, die Leute in Stich zu lassen. Wir mussten zuschauen, wie der Ort abgesoffen ist", erinnert sich Sebastian Rindert.

Fluthelfernadel findet nicht nur Freunde

"Eine Frau von dort, deren Familie alles verlor bei dieser Katastrophe, hat sich bei uns bedankt für unsere Hilfe. Dieses Dankeschön bleibt mir und allen Kameraden in Erinnerung. Mir persönlich ist es mehr wert als die Nadel", gesteht der Feuerwehrmann. In den vergangenen Monaten hatten sich landesweit zahlreiche Kameraden negativ zur Fluthelfernadel geäußert, die über ein Jahr nach der Katastrophe vergeben wird, einige haben sie sogar abgelehnt.

"Vier Tage waren wir insgesamt rund um die Uhr im Einsatz. Zuletzt galt es, mit unserer Technik in Magdeburg das Umspannwerk in Rothensee zu schützen. Das Umspannwerk versorgt den gesamten Norden der Landeshauptstadt mit Strom. Ein Ausfall hätte erhebliche Folgen für die Stadt gehabt, rund 30 000 Bewohner sowie das Industriegebiet Rothensee mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen wären betroffen gewesen. Wie an jedem Tag haben wir auch hier alles gegeben. Die Männer waren nach einem 24-Stunden-Einsatz jedes Mal fix und fertig."

Oberbürgermeister Andreas Henke verband mit dem Dank der Stadt Halberstadt an die Kameraden auch einen Dank an die Arbeitgeber, die vielfach ohne langes Zögern ihre Mitarbeiter für den Hochwassereinsatz freigestellt haben.

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