Vielfältige Fotos, Schriftstücke und Gegenstände aus der Dardesheimer Geschichte finden Besucher in der Heimatstube, benannt nach ihrem Begründer Wilfried Fritz (1932-2005). Seit zehn Jahren setzt eine kleine Gruppe um Siegfried Nerlich die Arbeit fort.

Dardesheim l Drei Räume belegt die Heimatstube im Dardesheimer Gemeinschaftshaus, wo auch Feuerwehr und Stadtorchester ihren Sitz haben. 2002 wurde sie eröffnet, nachdem Wilfried Fritz und Horst Kirchner schon einige Jahre Gegenstände für solch eine Ausstellung zusammengetragen hatten. "2004 habe ich Wilfried Fritz versprochen, die Arbeit weiterzuführen", berichtete Siegfried Nerlich. Bald darauf wurde eine siebenköpfige Gruppe gebildet, jetzt sind sie aber nur noch zu dritt, neben dem Leiter mit Ursula Goeldner und Meiko Nerlich. Auch wenn die Heimatstube keine festen Öffnungszeiten anbietet, gibt es doch immer etwas zu tun. Viele alte Akten warten darauf, gesichtet und aufgearbeitet zu werden. Die Jahresbände der Ortschronik ab 2011 müssen noch zusammengestellt und gebunden werden. Und in den Räumen wird immer mal wieder etwas verändert.

"Anfangs hatte die Ausstellung viele Texte", blickte Nerlich zehn Jahre zurück. "Aber die Besucher lesen hier nicht so intensiv. Also haben wir viele Texte durch Bilder ersetzt. Die Leute sollen sich und ihre Familien wiederfinden." Einen Schwerpunkt bilden dabei alte Klassenfotos der Dardesheimer Schule. Denn das Gros der Besucher kommt heute anlässlich von Klassentreffen in die Heimatstube. Auch alte FDJ-Tagebücher aus der gegenüberliegenden Schule liegen hier aus.

Mit den Jahren sind in der Heimatstube drei kleine Zimmer abgeteilt worden, die das Leben der Menschen vor 80, 90 Jahren darstellen. Siegfried Nerlich amüsiert sich, wenn Schüler eine "Handkreissäge" in der Küche vermuten, ihre Interpretation der alten Brotschneidemaschine. "Alles, was hier steht, sind Leihgaben." In der Stube liegt eine "Ilse-Zeitung" von 1939 auf dem Tisch, auch an Details ist also gedacht worden. Und das Schlafzimmer beherbergt ein Bett, in dem heute eine Person schlafen würde, früher aber mussten darin zwei Platz finden.

Von Friseurmeisterin Lisa Eckhardt bekam die Heimatstube etliche Gegenstände aus ihrem alten Salon. Viele weitere Dardesheimer stellten Gegenstände und Schriftstücke zur Verfügung. Helmut Borchers zum Beispiel gab die Bäcker-Meisterbriefe seines Vaters und seines Großvaters zur Heimatstube. Von Erwin Schubert hängt hier die frühere Polizeiuniform als Abschnittsbevollmächtigter (ABV). Und eine besondere Rarität sind die Eislaufschuhe und ein Kleid von Gunhild Poltin, die 1950 als Dardesheimerin DDR-Meisterin im Eiskunstlaufen geworden war. Bei einem Klassentreffen war sie auf diese Einrichtung im Gemeinschaftshaus aufmerksam geworden und stiftete daraufhin ihre Utensilien.

Die DDR mit ihrem Geld und ihren Orden, die Dardesheimer Vereine und Betriebe sind auch Themen in der Schau. In den 1920er Jahren seien hier sogar Windräder hergestellt worden, berichtete Nerlich in Anspielung auf den großen Windpark. Die Windräder seien aber viel kleiner und zum Belüften von Fischteichen eingesetzt gewesen. Auch die Orchester-Tradition bestehe viel länger als im jetzigen Stadtorchester. Schon im 19. Jahrhundert habe es Orchester gegeben, später seien hier Kapellmeister und Berufsmusiker ausgebildet worden. Sie seien weit durchs Land gefahren und zum Beispiel beim Karneval im Ruhrgebiet aufgetreten.

Immer öfter erreichen die Heimatstube Anfragen zur Familienforschung. Siegfried Nerlich ist dabei, sich auch in dieses Metier einzuarbeiten. So stellt er eine Übersicht mit den Dardesheimer Wohnhäusern und deren Bewohnern von 1800 bis etwa 1980 zusammen.

Die Heimatstube wird sich voraussichtlich nächstes Jahr verändern, die Einrichtung steht vor einem Umzug ins benachbarte Rathaus. Beschlossene Sache durch den Ortschaftsrat ist das schon seit längerem, wie Ortsbürgermeister Ralf Voigt (parteilos) bestätigte. Abhängig ist der Umzugstermin von der Beräumung alter Akten durch die Osterwiecker Stadtverwaltung, die noch im Rathaus lagern. "Die Heimatstube hat dann doppelt so viel Platz." Gegenwärtig fehlt es doch an Lagerfläche für die Dinge, die noch nicht ausgestellt werden. Den Einbau einer zusätzlichen Tür sowie den Umzug würden die Vereine des Ortes mit übernehmen, sagte Voigt. "Ich hoffe, dass alles bis zum Winter geklärt ist."

Hintergrund für den Umzug sei die Anfrage der Kreismusikschule nach neuen Räumlichkeiten. Jetzt werden die Musikschüler nebenan mit im Probenraum des Stadtorchesters unterrichtet. Künftig könnte dann der Einzelunterricht verbessert werden.

"Die Heimatstube wird es weiterhin geben", stellte Siegfried Nerlich fest. Und Ralf Voigt unterstrich: "Das Rathaus ist der bessere Anlaufpunkt für Besucher."

Wer die Heimatstube besuchen oder auch in der Gruppe mitarbeiten möchte, kann sich an Siegfried Nerlich wenden, Telefon 03 94 22/ 6 06 25, oder an Ursula Goeldner, Telefon 03 94 22/6 06 12.

 

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