Halberstadt l Das Spannungsfeld dürfte auch nach dem Votum im Stadtrat bleiben: Auf der einen Seite jene Abgeordneten im Rat, die mit knapper Mehrheit jede weitere Diskussion um mehr Sicherheit am Fußgänger-Querungspunkt in der Kühlinger Straße ablehnen. Auf der anderen Seite die Passanten, die über jenen Punkt zuhauf in Richtung Stadtzentrum strömen. Viele und vor allem ältere unter ihnen sehen sich nach der Demontage der früher hier vorhandenen Ampel allein gelassen und sorgen sich um ihre Sicherheit.

Über die Frage, ob und wie dieser Punkt künftig gestaltet werden könnte, ist im Sommer in Halberstadt rege diskutiert worden. Im Stadtrat ebenso wie auf der Straße. Anlass war ein Unfall, bei dem im Frühjahr eine betagte Passantin an dieser Stelle tödlich verletzt wurde. Ein Vorschlag wurde dabei immer wieder von Lesern gemacht: Mit einem Fußgängerüberweg - getrennt für beide Richtungsfahrbahnen - ließe sich die Sicherheit für Fußgänger an dieser Stelle wohl ohne übermäßigen finanziellen Aufwand deutlich erhöhen. Allein: Wäre das zulässig, ohne Verkehrsvorschriften zu verletzen? Schließlich darf laut Polizei ein solcher Fußgängerüberweg (Zebrastreifen) keineswegs über Straßenbahngleise führen.

Uwe Raugust, Verkehrstechniker im Harzer Polizeirevier und Experte für solche Fragen, bejaht diese Frage: Grundsätzlich hält er zwei getrennte Überwege für denkbar. Dann müssten jedoch im Bereich der Straßenbahntrasse Leitgitter aufgebaut werden, um die Passanten zu führen und sie auf die spezielle Gefahr in der Mitte beider Fahrspuren aufmerksam zu machen. "So ein Doppel-Überweg ist denkbar, benötigt aber eben den entsprechenden Platz", so Raugust.

Raugust selbst hatte in der Vergangenheit stets betont, dass allein die Stadtverwaltung den Ampelabbau initiiert habe, um so Kosten zu sparen. Die Polizei sei dabei nur beteiligte Behörde gewesen. "Von uns aus hätten wir den Abbau aber niemals angeschoben", so Raugust in der Vergangenheit.

Der Polizeihauptmeister warnt nun jedoch vor Schnellschüssen und plädiert quasi für einen runden Tisch mit allen Beteiligten. "Man sollte die Kühlinger Straße in der gesamten Länge betrachten, es geht um die Baupläne der HaWoGe und die Ideen der Stadt hinsichtlich der Straßengestaltung. Basierend auf diesen Faktoren geht es um die Frage, wo es künftig Fußgängerströme gibt, die sicher über die Straße geleitet werden müssen."

Und was sagt Oberbürgermeister Andreas Henke dazu? Der Linkspolitiker zeigt sich offen: "Im Kontext der geplanten Änderung der Verkehrsführung und der Verkehrsberuhigung im Bereich Hoher Weg/Schmiedestraße soll auch die Kühlinger Straße mit Blick auf ihre zukünftige Bebauung untersucht werden. Dazu wird es ohnehin erforderlich sein, alle Partner an einen Tisch zu holen und in die Diskussion einzubinden."