Ein Kran an der Wasserturmstraße zeigt an, wo das Cecilienstift gerade bauen lässt. 26 Menschen mit Sinnens- und Mehrfachbehinderungen sollen hier ein neues Zuhause bekommen.

Halberstadt l Sachte fällt der Hammer. Nick Progan wünscht dem Neubau gutes Gelingen. So wie es Holger Thiele und Ina Klamroth vor ihm auch getan haben. Was die Erwachsenen können, können die Kinder erst recht. Und so greifen auch Pascal Rechenberg, Philipp Schumann und Evelin Engel zum Hammer. "Toll, sonst traut sie sich immer nicht", sagt Ute Galitzki, die das behinderte Mädchen betreut. Gemeinsam sind Kinder und Jugendliche aus dem Wohnheim Vor der Klus und der Außenwohngruppe des Heimes in die Wasserturmstraße gekommen, um bei der Grundsteinlegung für ihr neues Zuhause dabei zu sein.

Spätestens in einem Jahr sollen die 26 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen dann gemeinsam unter einem Dach wohnen. Rund 2,1 Milli-onen Euro gibt das Mutterhaus Cecilienstift dafür aus, berichtete am Montagnachmittag Holger Thiele als geschäftsführender Vorstand des Stiftes. Das Grundstück gehört dem sozialen Dienstleister schon länger, das in den 1970er Jahren mithilfe westlicher Unterstützung darauf erbaute Haus "war viele Jahre hilfreich für die Arbeit des Cecilienstiftes, stand aber zuletzt lange leer", so Thiele. Und da ein Umbau des Wohnheimes Vor der Klus wesentlich komplizierter gewesen wäre, entschied man sich für einen Neubau. "Das war planungsrechtlich nicht ganz einfach, aber wir haben viel Unterstützung von Seiten der Kreisverwaltung erfahren", sagte Thiele, bevor er eine Kupferschatulle mit aktueller Volksstimme, Namensliste des Cecilienstift-Kuratoriums und anderen Dingen mehr im Grundstein versenkte.

"Es geht allen gut, aber die Bedingungen werden sich mit dem Neubau noch einmal für alle verbessern", sagte Ina Klamroth, Bereichsleiterin Behindertenarbeit im Stift. Schön sei, dass die Erfahrungen der Mitarbeiter mit berücksichtigt werden, vor allem bei der Gestaltung der Innenräume. So seien spezielle Farbgebung und Oberflächen wichtig, damit sich die betreuten Kinder und Jugendlichen im neuen Heim gut zurechtfinden können - trotz ihrer eingeschränkten Seh- und/oder Hörfähigkeit.

Bereits 2011 gab es erste Überlegungen für einen Neubau, berichtete Planer Norbert Stegmann, das Projekt reifte und schließlich ging es im Sommer 2014 los. "Bis zum Einbruch des Winters soll der Rohbau stehen, damit wir innen weiterarbeiten können", sagte Stegmann.

Ein Grund für die lange Vorbereitungszeit war auch, dass das Cecilienstift die Finanzierung unter anderem mit den Kostenträgern verhandeln musste. "Aber nun geht es voran", sagte Thiele und formulierte noch eine Bitte: "Wem ein schöner Name für das neue Haus einfällt, der sollte ihn uns zukommen lassen."