Schwanebeck l In der Verbandsgemeinde Vorharz gibt es mittlerweile nur noch eine staatliche Sekundarschule, das ist die Petrischule in Schwanebeck - entsprechend groß ist auch das Einzugsgebiet. Die Schüler reisen aus dem Vorharz, der Börde und dem Huy an, natürlich mit dem Bus.

Während die Kinder aus Groß Quenstedt und Emersleben sich entspannt in die Bussitze zurücklehnen können, ist der Reisekomfort für ihre Mitschüler aus dem Huy oder aus Harsleben und Wegeleben eher beschränkt. Die Linien 211 und 206 der Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) sind an Schultagen gut ausgelastet. Das trifft vor allen Dingen auf die morgendliche Fahrt nach Schwanebeck zu.

"Ich habe noch keinen Tag erlebt, an dem nicht etwa die Hälfte aller Kinder auf der Fahrt gestanden hat", sagt Annika zur Volksstimme. Sie steigt in Wegeleben in den Bus der Linie 211. "Schon wenn er aus Harsleben ankommt, wird es an der ersten Haltestelle knapp mit den Sitzplätzen", fährt Annika fort. "Deshalb gehen viele Kinder vor zum Haltepunkt an der Harslebener Straße, um garantiert einen Platz zu bekommen." Hat der Bus nämlich alle vier Haltestellen in Wegeleben angefahren, stehen meist schon viele Schüler.

"Wer in Adersleben zusteigt, der hat keine Chance auf einen Sitzplatz", berichtet Annika. Dann kommen aber noch die Orte Deesdorf (zwei Haltepunkte), Gröningen (2), Klostergröningen (1) und Nienhagen (2). Nach einem Halt an der Grundschule in Schwanebeck geht es zur Sekundarschule.

Auf zwei Linien gehört das Stehen zum Alltag

Die Reise beginnt für die Wegelebener um 6.47 Uhr und endet mit der Ankunft um 7.17 Uhr. Luca aus Klostergröningen gehört zu denen, die die Anreise stets im Stehen hinter sich bringen. "Auch die Nienhagener müssen damit leben", sagt er. Ähnlich sieht die Situation auf der Linie 206 aus. Wer in Pabstorf und Aderstedt zusteigt, hat seinen Platz meist sicher. Ab Schlanstedt steigen die Schüler zu, die sich mit einem Stehplatz anfreunden dürfen. Das bestätigt Niklas, der diese Linie nutzt. "Das ist an jedem Schultag so", sagt er.

Einigen Eltern ist die Situation ein Dorn im Auge. So beschäftigte sich der Stadtrat von Wegeleben auf seiner jüngsten Sitzung mit ihren Hinweisen. Stadtoberhaupt Hans-Jürgen Zimmer (CDU) bringt in diesem Zusammenhang die Sicherheit der jungen Reisenden ins Gespräch. Er fragt: "Was ist, wenn eine Notbremsung erfolgt und die Kinder stehen dicht gedrängt?"

Die Antwort ist ganz einfach: Wer nicht mitdenkt, kann ins Straucheln kommen oder gar fallen! So geschehen vor einigen Jahren, als ein Mädchen fast den kompletten Gang im Bus entlangrutschte und sich dabei erheblich verletzte. Erst am zurückliegenden Donnerstag stürzte ein Schüler bei einer Notbremsung der Linie 211, rappelte sich aber wieder auf. Mehrere Kinder bestätigen den Vorfall. Schulleiterin Kerstin Buchtenkirch, die gemeinsam mit Antje Kaaden die wartenden Schüler vor ihrer Heimreise beaufsichtigen, kennen die Fälle ebenfalls. "So etwas wird von uns gleich aufgenommen und an die Harzer Verkehrsbetriebe gemeldet", erklärt die Leiterin. "Es besteht eine sehr gute Zusammenarbeit und die HVB sind für jede Rückmeldung dankbar." Sie sei selbst schon mit den Linien gefahren und habe sich ein Bild von den Wegen gemacht, die die Kinder täglich zurücklegen. "Auf meinen Vorschlag hin wurde sogar eine Haltestelle verlegt", lobt Kerstin Buchtenkirch die Verkehrsbetriebe.

Gerald Hahne, Leiter Abteilung Verkehr bei den HVB, sagt: "Wir setzten Busse mit unterschiedlichem Platzangebot ein, das richtet sich nach der jeweiligen Ausführung. In der Regel gibt es 40 bis 45 Sitzplätze für etwa 72 Schüler, die die Linie 211 nutzen." Über die kurze Strecke sei es durchaus zumutbar, mit einem Stehplatz vorlieb nehmen zu müssen, da "kein extremes Gefälle oder besondere Kurven" überwunden werden müssen.

Ingelore Kamann von der Pressestelle des Landkreises Harz teilt mit: "Bei der Linie 211 handelt es sich um einen regulären Linienverkehr bei dem laut Personenbeförderungsgesetz Stehplätze erlaubt und statthaft sind. Das bedeutet, dass die Fahrgäste keinen Anspruch auf einen Sitzplatz haben." Anders verhalte es sich beim sogenannten freigestellten Schülerverkehr, hier seien ausschließlich Sitzplätze vorzuhalten.